Nicht alles, was glänzt, ist Gold - manchmal sind es auch die Augen der Anleger: Nicht nur in US-Dollar gerechnet erklimmt der Goldpreis derzeit Rekordhöhen, auch wer in Euro bezahlt hat, kann sich allein in diesem Jahr über eine Wertsteigerung um 17 Prozent freuen. "In der nächsten Dekade erwarten wir eine weitere Steigerung um den Faktor 1,8", sagt Christian Brenner vom Goldhändler Philoro.

Jeder Händler preist seine Ware an, Brenner so: "Geopolitische Unsicherheiten, der Handelskrieg USA-China und das Niedringzinsumfeld sprechen für einen weiteren Anstieg." Das Verhalten der Zentralbanken sei dafür ein sehr guter Indikator, sie hätten in den letzten zwei Jahren so viel Gold gekauft wie in den letzten 50 Jahren nicht mehr, sagt Brenner.

Wer vor einem Jahr Gold gekauft und in Euro bezahlt hat, kann jetzt einen Gewinn von 28 Prozent einstreifen, über drei bis fünf Jahre beträgt der Wertzuwachs rund 50 Prozent, und wer vor zehn Jahren eingestiegen ist, kann beim aktuellen Preis von rund 1595 Euro mit einem Gewinn von 68 Prozent aussteigen - oder er bleibt auf seinem Goldschatz sitzen und hofft auf einen weiteren Preisanstieg.

Langfristig betrachtet ist die Anlage in Gold also eine ziemlich sichere Wette - doch das Risiko steckt im Detail, denn die Preisschwankungen sind enorm und Timing ist gerade beim Investieren in Gold alles: Wer keinen langen Atem hat und es sich nicht leisten kann, schwächere Phasen auszusitzen, sollte von Gold vielleicht die Finger lassen.

Die weltweite Nachfrage nach Gold betrage etwa 4800 Tonnen, erklärte Brenner. Davon sei im vergangenen Jahr etwa die Hälfte für die Herstellung von Schmuck verwendet worden und 7 Prozent für die Industrie. 15 Prozent hätten die Zentralbanken gekauft, der Rest ging an Investoren. "Wenn man sich die Zahlen vom ersten Halbjahr in diesem Jahr anschaut, dann gibt es eine Verschiebung beim Schmuck von 50 Prozent auf 30 Prozent." Grund dafür sei die Schließung der Schmuckgeschäfte wegen der Corona-Krise.

Online-Verkauf von Gold nimmt stark zu

Man habe die Krise auch selbst zu spüren bekommen, aber keine Kurzarbeit gehabt, sondern zum Teil auf Home Office umgestellt, sagt Brenner. Der Online-Verkauf habe stark zugenommen, an manchen Tagen habe man bis zu tausend Pakete verschickt - bis zu einem gewissen Warenwert versichert mit der Post, zum Teil habe man aber auch auf Postabholung umgestellt.

Der österreichische Gold- und Edelmetallhändler Philoro wurde 2011 gegründet, Gründungsmitglieder waren die Familien Brenner und Brückler. Größter Eigentümer ist heute Christian Brenners Bruder Rudolf Brenner, die Constantia-Beteiligungsgesellschaft hält 40 Prozent, gut 7 Prozent an der Philoro Holding hält Co-Gründer Rene Brückler.

Philoro ist derzeit mit zwölf Filialen in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) vertreten. "80 Prozent der Gesamtnachfrage in Europa kommt aus dieser Region", so Christian Brenner. "Aktuell haben wir ungefähr 90 Mitarbeiter, mit Teilzeitkräften werden es um die hundert sein, und bis Jahresende wollen wir auf 120 Mitarbeiter aufstocken."

Früher sei der Goldhandel in Österreich fast zur Gänze über die Banken gelaufen, die mit Aufschlägen von 5 bis 6 Prozent verkauft hätten, so Brenner. Heute sei der Marktanteil der Banken deutlich geringer und ihre Margen seien auf ein bis zwei Prozent gesunken. Das sei für die Banken kein gutes Geschäft mehr, als spezialisierter Goldhändler könne man davon aber leben: "Vom Materialpreis einer Unze Gold bis hin zur fertigen Münze liegen die Aufschläge bei drei bis dreieinhalb Prozent. Beim Barren sogar unter einem Prozent."

Wer in Österreich Gold kauft, kann das bis zu einem Wert von 10.000 Euro anonym machen und bar bezahlen. In Deutschland liege die Anonymitätsgrenze bei 2000 Euro, in der Schweiz bei 15.000 Franken (rund 14.094 Euro), erklärt Brenner.