Wien/Aschheim. Das Verteidigungsministerium hat den Bericht der "Financial Times" über ein angebliches Libyen-Projekt des untergetauchten Wirecard-Managers Jan Marsalek in Libyen zumindest teilweise bestätigt. Wie ein Sprecher auf APA-Anfrage am Montag sagte, gab es 2017 eine Anfrage eines "deutschen Expertenteams" bezüglich eines Wiederaufbauprojekts an das Ministerium.

Die Gespräche zwischen dem Ressort und der deutschen Expertengruppe haben demnach bereits 2017, also noch unter SPÖ-Minister Hans-Peter Doskozil, begonnen und haben sich bis 2018 gezogen. Sie mündeten in eine "Absichtserklärung" des Ministeriums, sich zu beteiligen. Unklar blieb am Montag vorerst, ob es auch eine finanzielle Unterstützungszusage gab: Laut "Financial Times" wurden 120.000 Euro zugesagt, das Ministerium bestätigte das nicht.

Umgesetzt wurde das Projekt nach Angaben des Verteidigungsressorts nicht: "Weiteres Interesse des deutschen Expertenteams hat es nicht gegeben und es hat auch keinerlei finanzielle Zuwendungen gegeben." Geführt wurden die Gespräche von der Direktion für Sicherheitspolitik. Einer der führenden Mitarbeiter dieser Direktion sitzt im Präsidium der "Österreichisch-Russischen Freundschaftsgesellschaft", in der auch Marsalek vernetzt war.

Dem Bericht der "Financial Times" zufolge sah Marsalek das Wiederaufbauprojekt allerdings lediglich als Vorwand für die von ihm eigentlich geplante Errichtung einer Miliz zur Überwachung der libyschen Südgrenze. Außerdem soll Marsalek an einer Zementfabrik beteiligt gewesen sein, auf der 2017 russische Söldner stationiert waren. (apa)