Vor mehr als 20 Jahren war es eine Kreditaffäre bei der Bank Burgenland, die diese fast in den Ruin trieb und damit hohe Wellen in Österreichs östlichstem Bundesland schlug. Nun ist das Burgenland erneut Schauplatz eines Bankskandals. Wie bei der einst zum Hypo-Sektor gehörenden Bank Burgenland handelt es sich auch diesmal um ein selbst für österreichische Verhältnisse relativ kleines Kreditinstitut. Die Rede ist von der Commerzialbank Mattersburg. Nach Unregelmäßigkeiten, die im Zuge einer Vorort-Prüfung offenkundig wurden, hat die Finanzmarktaufsicht (FMA) der regional tätigen Bank in der Nacht auf Mittwoch kurzerhand den Geschäftsbetrieb abgedreht.

Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet. Wie es hieß, seien Kredite fingiert und Bilanzen gefälscht worden. Viele Unternehmen und Privatpersonen werden jetzt wohl um viel Geld umfallen. Für Auszahlungen von Einlagen springt zwar die Einlagensicherung ein, aber nur bis zu 100.000 Euro. Unter jenen Großkunden, die um ihr Geld bangen, ist etwa der börsennotierte Wiener Hightech-Konzern Frequentis. Das Unternehmen, das Flugsicherungssysteme und Software für Sicherheitsbehörden entwickelt, hält bei dem burgenländischen Geldhaus Einlagen von ungefähr 31 Millionen Euro. Sein Aktienkurs sackte am Mittwoch tief ab - um bis zu 14 Prozent.

Landeshauptmann Doskozil:
"Die Bank ist zu liquidieren"

Nach Auffliegen des Bilanzskandals steht die Mattersburger Commerzialbank vor der Liquidation. "An einen Fortbestand ist in keinster Weise zu denken. Die Bank ist zu liquidieren", betonte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) vcr Journalisten.

Bis zum Jahr 1995 war die "Commerzialbank Mattersburg im Burgenland AG" - so ihr voller Name - eine regionale Raika im Burgenland. Damals hieß sie Raiffeisenbank Schattendorf und war in einer Gruppe einer Handvoll von Raiffeisen-Rebellen, die sich mit dem Giebelkreuz-Sektor angelegt hatten und sich in der Folge absetzten.

Mit dem damaligen Austritt aus dem Raiffeisen-Bankensektor wurde die Bank zur Commerzbank Mattersburg-Burgenland AG. Initiator der Ablösung und Mitbegründer des Neustarts damals war Martin Pucher, der bis zuletzt im Bundesland äußerst gut vernetzt war und vor allem als einflussreicher Fußball-Gönner gilt. Pucher ist noch am Dienstag nach Vorliegen der Ergebnisse einer Bankprüfung als langjähriger Chef der Bank abgetreten und steht auch davor, seinen Posten als Präsident des Bundesligavereins SV Mattersburg abzugeben (siehe untenstehenden Artikel). Dort ist die Mattersburger Commerzialbank bis dato maßgeblicher Sponsor gewesen.

Bilanzsumme lag
zuletzt bei 800 Millionen Euro

Bei der Bank ist nun ein Regierungskommissär eingesetzt. Zuletzt wurde die Bilanzsumme mit etwas mehr als 800 Millionen Euro angegeben. Der Kommissär muss jetzt, zumal die Bilanzen nicht stimmen dürften, zunächst einen Status erstellen lassen, also die Lage der Bank und die Höhe der Schäden erheben lassen, die auf hohe Millionensummen geschätzt werden. Der Verdacht der Bilanzfälschung und der Untreue steht im Raum. Von einem Riesen-Betrug und mutmaßlichen Fantasiekrediten hat am Mittwoch auch Doskozil gesprochen.

Die Commerzialbank Mattersburg im Burgenland AG gehört zu knapp 80 Prozent einer Kreditgenossenschaft. Neben der Zentrale in Mattersburg verfügt sie über acht weitere Filialen im Burgenland. Diese befinden sich in Hirm, Loipersbach, Krensdorf, Draßburg, Zemendorf, Baumgarten, Schattendorf und Forchtenstein und damit allesamt im Bezirk Mattersburg. Mehr als 50 Mitarbeiter sind bei der Bank beschäftigt. Das Institut ist ein Sponsor des SV Mattersburg, bei dem Vorstandschef Pucher seit 1988 Obmann ist. Unter ihm schafften es die Mattersburger 2003 erstmals in die Bundesliga. Auch bei der Fußballakademie Burgenland ist die Bank ein wichtiger Sponsor.

Immer wieder auch
als Investor aktiv gewesen

In der Vergangenheit trat die Commerzialbank in Mattersburg immer wieder als Investor auf. Auch an einem derzeit laufenden großen Umbauprojekt ist sie federführend beteiligt: Um rund 30 Millionen Euro soll ein neuer Rathausplatz entstehen. Der Großteil des Geldes für dieses geplante "Impulszentrum" sollte von der Bank kommen. Pucher hatte bereits in den späten 1990er Jahren die Idee zu dem Projekt und ist auch Grundstückseigentümer.(kle)