Im Bilanzskandal um die burgenländische Commerzialbank Mattersburg zittert der heimische Konzertveranstalter Barracuda um Einlagen in Höhe von rund 34 Millionen Euro. Das teilte am Mittwochabend der börsennotierte deutsche Veranstaltungskonzern CTS Eventim mit, der über eine Tochtergesellschaft 71 Prozent an der Barracuda Holding GmbH hält.

Die genauen Auswirkungen der von der Finanzmarktaufsicht (FMA) verhängten Untersagung des Geschäftsbetriebs der Commerzialbank Mattersburg - wodurch der Bank auch die Auszahlung bestehender Einlagen untersagt ist - ließen sich noch nicht abschließend beurteilen. Eventim und Barracuda würden die Situation "sehr genau beobachten" und "alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um ihre Rechte zu wahren", hieß es in der CTS-Eventim-Aussendung.

ÖVP Burgenland fordert Soforthilfe für Betroffene

Die ÖVP Burgenland hat am Donnerstag eine Soforthilfe des Landes für die Gemeinden und Betriebe, die vom Bilanzskandal um die Commerzialbank Mattersburg betroffen sind, gefordert. Das Land müsse nun einspringen und dafür sorgen, dass die Gemeinden und Betriebe zahlungsfähig bleiben, betonte Landesparteiobmann Christian Sagartz in einer Aussendung.

"In 14 Tagen müssen Gehälter für die Mitarbeiter ausbezahlt werden können. Wenn jetzt nicht rasch geholfen wird, folgt auf die finanzielle Katastrophe eine soziale", sagte Sagartz. Neben der rechtlichen Verantwortung gehe es auch um soziale und wirtschaftliche Verantwortung. "Hier ist das Land gefordert, Soforthilfe zu leisten. Jetzt müssen wir die Arbeitsplätze in der Region sichern", so der Landesparteiobmann.

Bürgermeisterin ist "geschockt"

Der Bilanzskandal hat auch in der Stadtgemeinde für Entsetzen gesorgt. "Ich war genauso geschockt wie viele andere. Das ist eine menschliche Katastrophe für viele Privatpersonen und Firmen", sagte Bürgermeisterin Ingrid Salamon (SPÖ) am Donnerstag im APA-Interview. Die Stadtgemeinde rechne mit keinem finanziellen Schaden, beim Rathaus-Projekt müsse man abwarten.

Viele Betroffene hätten sich bereits bei der Stadtgemeinde gemeldet, um nachzufragen, wie es nun weitergehe, erzählte Salamon. Ihnen habe man Auskunft erteilt und auf die Initiativen des Landes verwiesen. Auf der Bezirkshauptmannschaft Mattersburg gibt es für betroffene Bankkunden etwa die Möglichkeit zur Beratung durch Mitarbeiter der Schuldnerberatung, des Konsumentenschutzes und der Bankenombudsstelle.

Die Stadtgemeinde selbst rechne mit keinem finanziellen Schaden durch den Bilanzskandal. "Wir haben keine Gesellschaft mit der Bank", sagte Salamon. Man habe zwar Konten und die Bank sei federführend in das Umbauprojekt beim Rathaus involviert gewesen, aber "in das Rathaus sind noch keine Summen geflossen", so die Bürgermeisterin.

Wie es mit dem Projekt nun weitergehe, sei momentan noch unklar. Dafür müsse man erst die Ermittlungen abwarten. "Dann können wir schauen, wie man es weiter vorantreiben kann", sagte Salamon. Die "menschliche Enttäuschung" sei jedenfalls groß. "Das ist ein schrecklicher Vorfall. Keiner hat damit gerechnet", betonte die Bürgermeisterin. (apa)