Die Corona-Krise könnte nach Ansicht der Wettbewerbsbehörde (BWB) zu mehr Firmenfusionen führen. "Viele Unternehmen mussten von einem Tag auf den anderen in den Überlebensmodus schalten. Es ist davon auszugehen, dass sich die Wettbewerbsbedingungen in vielen Märkten längerfristig ändern werden und eine erhöhte Anzahl von Übernahmen bei der BWB angemeldet werden könnten", so BWB-Chef Theodor Thanner am Donnerstag.

Die Bundeswettbewerbsbehörde hat aufgrund der Corona-Krise nun ein "Shutdownfusionen"-Positionspapier inklusive Checkliste für Unternehmen veröffentlicht, um eine rasche Abwicklung von Zusammenschlussanmeldungen zu ermöglichen.

Die Wettbewerbshüter warnen in ihrem Positionspapier, dass vermehrte Unternehmensübernahmen in Zeiten der Covid-19-Krise auch die Gefahr einer dauerhaften Erhöhung der Marktkonzentration bergen könnten, welche zum Nachteil der Konsumenten, Arbeitnehmer und der wirtschaftlichen Entwicklung sowie des Wettbewerbs wäre.

Heuer bisher 190 Zusammenschlüsse angemeldet

Derzeit ist die Zahl der angemeldeten Unternehmenszusammenschlüsse bei der BWB im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch rückläufig. Finanzkräftige Unternehmen könnten aber bald auf Shoppingtour gehen und ihre Marktmacht ausbauen. Heuer wurden bei der Bundeswettbewerbsbehörde bisher 190 Zusammenschlüsse angemeldet. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2019 waren es 495, im Jahr 2019 wurden 481 verzeichnet und 2017 gab es 439.

In der Beurteilung von "Shutdownfusionen" in der Zusammenschlusskontrolle fokussiert die BWB auf vier Aspekte: Markbeherrschungstest, Dringlichkeit, Kriterien für das Vorliegen einer Sanierungsfusion und Auflagen in der Zusammenschlusskontrolle.

Bisher wurde noch keine "Shutdownfusion" bei der BWB angemeldet. Die Wettbewerbshüter verweisen auch darauf, dass staatliche Beihilfen eine mögliche Alternative zu einem Zusammenschluss wären. Bei staatlichen Hilfen müsste aber die gesamtwirtschaftliche Relevanz, Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen, Kostenabwägung und Auflagen berücksichtigt werden. (apa/kle)