Die Treibhausgas-Emissionen sind im vergangenen Jahr nicht gesunken, sondern merklich gestiegen, sagt Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) bei der Präsentation der vorläufigen Treibhausgasbilanz für 2019 am Mittwoch. Von 2018 auf 2019 gab es laut Umweltbundesamt voraussichtlich einen Anstieg um 1,8 Prozent. Das entspricht 1,4 Millionen CO2-Äquivalente.  "Das ist ein bedenklicher Trend, denn die Emissionen sind seit 1990 in Summe nicht gesunken sondern um 3,2 Prozent gestiegen", sagt Gewessler.

Österreich will bis 2040 klimaneutral sein. Das heißt, die Menge an klimaschädlichen Gasen in der Atmosphäre soll nicht erhöht werden.

Den größten Zuwachs gab es in den Sektoren Energie und Industrie und im Verkehr. Gewessler sieht im Anstieg der Emissionen einen Handlungsauftrag. "Die Zahlen für 2019 sind eine Warnung", sagt die Umweltministerin. Um dem negativen Trend entgegen zu steuern, peilt Gewessler heuer eine Reduktion von 530.000 Tonnen CO2 an, unter andere mit dem Umstieg von fossilen Heizsystemen auf Erneuerbare Energien. Darüber hinaus hat Gewessler die rasche Umsetzung des 1-2-3-Tickets angesprochen. Auch bei der Förderung von E-Mobilität habe man bereits Maßnahmen gesetzt.

Sorgenkind Verkehr

Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) sieht 2020 den "Einstieg in das solare Zeitalter" und den Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter. Laut türkis-grünem Regierungsprogramm sollen eine Million Dächer in Österreich mit Photovoltaik ausgestattet werden.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) reagierte mit einer Aussendung auf die neuen Treibhausgas-Zahlen. "Der Verkehr ist mit Abstand Österreichs größtes Klimaschutzproblem", sagt VC-Experte Michael Schwendinger. Laut VCÖ sind die CO2-Emissionen des Verkehrs im Vorjahr zum fünften Mal in Folge gestiegen, auf 24,2 Millionen Tonnen.

Im Vergleich zum Jahr 1990 sind die CO2-Emissionen des Verkehrs um 75 Prozent gestiegen. Die Sektoren Gebäude, Energie und Industrie, Abfallwirtschaft und Landwirtschaft verursachten im Vorjahr gemeinsam um 9,1 Millionen Tonnen weniger Treibhausgase als im Jahr 1990, der Verkehr hingegen stieß um 10,4 Millionen mehr CO2 aus.