Handelsfirmen, die in der Krise gutes Geld verdienten, sollen ihren Beschäftigten mehr bezahlen, fordert die Gewerkschaft GPA-djp. Gemeint ist vor allem der Lebensmittelhandel. "Davon würden 100.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren", sagte Martin Müllauer, Vorsitzender des Wirtschaftsbereichs Handel in der GPA und Betriebsratsvorsitzender der Buchhandelskette Morawa, am Donnerstag.

Die Idee ist nicht neu. 2009 gab es für die Beschäftigten der Metallindustrie einkommensunabhängig eine Einmalzahlung von 100 bis 250 Euro, die sich nach der Höhe des Betriebsergebnisses (Ebit) des jeweiligen Unternehmens richtete. Etwas ähnliches wollen die Arbeitnehmervertreter heuer im Herbst bei den Kollektivvertragsverhandlungen für die Handelsangestellten durchsetzen.

Zwei Drittel der Beschäftigten im österreichischen Handel sind weiblich. Das kollektivvertragliche Mindestgehalt für Vollzeitangestellte liegt derzeit im alten Kollektivvertrag bei 1675 Euro brutto pro Monat, im neuen KV macht es 1714 Euro brutto aus. Allerdings arbeitet ein Großteil Teilzeit.

"Die, die in der Krise die Gewinner waren, müssen zahlen", so Müllauer. Der Slogan, "Koste es, was es wolle", dürfe nicht nur für die Wirtschaft gelten. Abgesehen davon schloss sich die GPA auch der ÖGB-Forderung nach einem "Corona-Tausender" für alle Beschäftigten in systemrelevanten Berufen an.

Die vier großen Lebensmittelhändler (Rewe, Spar, Hofer und Lidl) haben ihren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen noch im März eine Prämie ausbezahlt. Das reicht der Gewerkschaft nicht. Inzwischen widerspreche das Verhalten vieler Kunden dem, dass sie während des Lockdown noch klatschten und die Supermarkt-Beschäftigten als Helden feierten, räumte Müllauer ein.

"Nicht Aufgabe, Gesundheits-Sheriff zu spielen"

Eine Befragung unter über 2000 Handelsangestellten habe "auffällig viele negative Rückmeldungen über unangenehmes Kundenverhalten" zutage gefördert. Die Beschäftigten beschwerten sich darüber, Kunden an die Maskenpflicht sowie den Sicherheitsabstand erinnern zu müssen. Zum Teil seien sie deswegen massiv beschimpft worden. "Es ist nicht Aufgabe der Handelsangestellten, Gesundheits-Sheriff zu spielen", sagte Müllauer.

Ab Freitag muss in Supermärkten nach gut einem Monat Pause wieder ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Die Befragung der Gewerkschaft, die vergangene Woche durchgeführt wurde, ergab, dass sich zwei Drittel der Beschäftigten im Handel durch die Maskenpflicht für Kunden besonders geschützt fühlen und diese Maßnahme begrüßen. Auch regelmäßiges Desinfizieren der Kassen sowie anderer Arbeitsräume, Handschuhe und Plexiglasscheiben werden als ausreichende und gute Schutzmaßnahmen gesehen.

Unter den Beschäftigten selbst ist die Maskenpflicht freilich nicht allzu beliebt. Der Gewerkschaft seien auch Fälle bekannt, wo Beschäftigte aufgrund der erschwerten Atmung durch die Maske kollabiert seien. Daher fordert die GPA eine bezahlte Pause. "Nach einer Tragedauer von 2 Stunden eines Mund-Nasen-Schutzes fordern wir eine verpflichtende und bezahlte Pause von 15 Minuten", sagte Anita Palkovich, die die Kollektivvertragsverhandlungen für den Handel auf Gewerkschaftsseite führt.

Damit die Pausen überhaupt eingehalten werden können, sei eine Mindestbesetzung in den Filialen notwendig. "Die Filialen sind zu einem großen Teil unterbesetzt", so Palkovich. (apa/kle)