Im Bilanzskandal um die Commerzialbank Mattersburg ist am Donnerstag eine Debatte über die politische Verantwortung entbrannt. Die ÖVP ortete ein Versagen des Landes Burgenland als Aufsichtsbehörde über die Kreditgenossenschaft, die knapp 90 Prozent der Anteile an der Bank hält. Die SPÖ verwies hingegen auf einen "türkisen Sumpf".

Das Land Burgenland habe eine Aufsichtsfunktion über Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften und damit auch über die Kreditgenossenschaft, sagte ÖVP-Klubobmann Markus Ulram bei einer Pressekonferenz. Für die Arbeit als Aufsichtsbehörde habe man sich der Wirtschaftsprüfungskanzlei TPA bedient. "Es stellt sich die Frage, wieso wurden dieselben Wirtschaftsprüfer, die auch die Commerzialbank Aktiengesellschaft über Jahre geprüft haben, engagiert?", so Landesgeschäftsführer Patrik Fazekas. Die ÖVP frage sich auch, warum "diese Aufsichtsrolle bisher verschwiegen wurde".

Gegenangriff der SPÖ

Man erwarte sich eine Erklärung des zuständigen Landesrats Christian Illedits (SPÖ), bei dem die ÖVP auch Verbindungen zu Ex-Bankchef Martin Pucher ortet. So hätten etwa der ASKÖ Burgenland und der ASV Draßburg, bei denen Illedits Präsident war beziehungsweise ist, Zuwendungen von der Commerzialbank erhalten, sagte Ulram. Eine weitere Verbindung bestehe über die Fußballakademie, bei der Illedits im Aufsichtsrat sitzt.

Kritik an Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) kam von Gaby Schwarz, der stellvertretenden Generalsekretärin der ÖVP im Bund. Er verwechsle derzeit "ganz klar seine Rolle". Die Kritik und Einmischung in die Tätigkeit der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) sei "unwürdig und stets zu unterlassen".

Die SPÖ Burgenland reagierte auf die Aussagen der ÖVP am Donnerstag mit einem Gegenangriff. Die Volkspartei müsse in der Causa "dringend vor ihrer eigenen Türe kehren", betonte Landesgeschäftsführer Roland Fürst. Es gebe einen "türkisen Sumpf", einige Aufsichtsräte der Commerzialbank seien Funktionäre der ÖVP.

Schicksalstag für den SV Mattersburg

Für den Fußballverein SV Mattersburg, dessen Chef Ex-Commerzialbank-Chef Martin Pucher und dessen wesentlicher Geldgeber das Institut war, wird es indessen immer enger. Die Bundesliga hat dem Verein bis Freitag eine Frist eingeräumt, binnen der die Finanzlage offengelegt werden muss.

Durch den Wegfall der vor der Liquidation stehenden Bank sieht diese aktuell düster aus. Die Liga um ihren Vorstandsvorsitzenden Christian Ebenbauer erwartet sich vom Klub "rechtsverbindliche Aussagen". Von Vereinsseite war seit Bekanntwerden des Skandals kaum etwas zu erfahren. Noch steht auf der stillstehenden Klub-Homepage: "Der SVM startet ab 11. September in die neue Bundesliga-Saison."

Nedeljko Malic will Sponsoren für den Verein auftreiben. - © APAweb / Hans Punz
Nedeljko Malic will Sponsoren für den Verein auftreiben. - © APAweb / Hans Punz

Am Sonntag hatte Vereins-Vizepräsident Richard Woschitz sein Amt zurückgelegt. Er habe keine validen Informationen über den Zustand des Vereins, merkte sein Anwalt an. Der Präsident des burgenländischen Fußballverbands, Gerhart Milletich, schätzte die Lage für den SV Mattersburg als bedrohlich ein. Es sei "unrealistisch", dass der SVM auch künftig in der Bundesliga zu sehen sein wird, sagte Milletich. "Weil niemand da ist, der handlungsfähig ist."

Johannes Wutzlhofer, ein vom Klub angefragter Rechtsanwalt und Mitglied des Senats 1 (Straf- und Beglaubigungsausschuss) der Bundesliga, sieht die Lage offenbar ähnlich. Er teilte der APA mit, dass er die Vertretung nicht übernehmen werde. Es gebe keinen Ansprechpartner und niemanden, der einen Auftrag erteilt habe, sagte Wutzlhofer.

Einer der letzten Strohhalme heißt Nedeljko Malic. Der Ex-Kapitän mit Studienabschluss und Beziehungen im Energie-Bereich soll sich aktuell auf Sponsorensuche befinden. Für die Bundesliga ist Ines Pucher, die Tochter des Ex-Chefs, im Moment die Ansprechpartnerin. Sie wird auch als Prokuristin der "SVM Profisport GmbH" geführt. Für die APA war Pucher nicht zu sprechen. (apa/red)

Mehr Artikel zum Thema Commerzialbank finden Sie hier