Stornierte Aufträge, verschobene Projekte, ausgefallene Umsätze. Der Lockdown infolge des Coronavirus hat Selbständige und Ein-Personen-Unternehmen (EPU) besonders stark getroffen. Ob Fotograf, Physiotherapeutin oder Café-Besitzer, sie waren dringend auf staatliche Hilfen angewiesen. Die Regierung richtete daraufhin den Härtefallfonds ein. Der Start war holprig, immer wieder mussten Lücken geschlossen werden. Nicht immer floss das Geld. Die "Wiener Zeitung" hat im März und April mit zahlreichen EPU gesprochen. Wie geht es den Betroffenen vier Monate später?

Elisabeth J.,
Logopädin

Elisabeth J. - © privat
Elisabeth J. - © privat

"Beim Härtefallfonds reiche ich jetzt erst ein, weil ich verzögerte Einbußen habe. Es wurde zum Glück nachgebessert, sodass die Betrachtungszeiträume ausgeweitet wurden. Seit 18. Mai habe ich unter verschärften Hygiene- und Schutzmaßnahmen wieder zu arbeiten begonnen. Da ich eine Kinderpraxis habe, war das nicht mit allen Kindern möglich, somit hatte ich nicht die volle Auslastung. Finanzielle Einbußen sind auf jeden Fall vorhanden, aber ich habe das Glück als Vertragslogopädin in Folge wieder KlientInnen zu haben."

Regina Tichy,
Maskenbildnerin

Regina Tichy. - © privat
Regina Tichy. - © privat

"Ich habe 20.000 Euro Umsatz verloren. Sechs Monate bekomme ich jeweils 1000 Euro. Die staatlichen Hilfen sind Bürokratie bis zum Geht-nicht-mehr. Was helfen mir sechs Monate, wenn ich bis nächstes Jahr durchhalten muss? Ich habe noch immer keine Einnahmen, alles ist auf kommendes Jahr verschoben. In der Filmbranche kommt nichts, Hochzeiten finden nur im kleinen Kreis statt. Niemand braucht eine Maskenbildnerin. Nächstes Jahr zerreißt es mich dann vor lauter Aufträgen. Ich kann aber nur ein gewisses Kontingent annehmen.

Ich überlege, im Herbst mein Atelier zuzusperren. Ich muss einen Lagerraum für meine Perücken finden. Es ist furchtbar. Ich habe zwar Rücklagen, aber ich will mich nicht komplett verschulden. Freunde haben mir erzählt, wie schnell und unbürokratisch den Unternehmern in der Schweiz geholfen wurde. Ich kann es nicht mehr hören. Als Kleinunternehmerin komme ich mir verarscht vor."

Paulina Parvanov,
Musikagentin

 

Paulina Parvanov. - © privat
Paulina Parvanov. - © privat

"Ich habe 1000 Euro aus dem Härtefallfonds erhalten. Zum Glück waren nach den Nachbesserungen auch Neugründer antragsberechtigt. Ohne Geschäftslokal bin ich in einer komfortablen Situation, meine Betriebskosten halten sich in Grenzen. Meinen entgangenen Umsatz zu beziffern, ist schwierig Wenn die Bands, die bei mir unter Vertrag sind, gespielt hätten, ergeben sich oft Folgeauftritte. Mit Veranstaltungen und Konzerten ist es derzeit noch schwierig. Alles wurde auf 2021 verschoben. Wir wissen auch noch nicht, wie sich der Herbst entwickelt. Das ist noch sehr unsicher. Planen muss ich trotzdem, weil die Touren sehr große Vorlaufzeiten haben.

Dass Hilfen jetzt da sind, ist gut. Die Frage ist nur, was 2021 kommt. Der wirtschaftliche Schaden wird sich weiterziehen. Da bräuchte es eine nachhaltigere Hilfe für die kommenden zwei bis drei Jahre. In der Kunst- und Kreativbranche zeigen sich Auswirkungen oft erst später. Die Bands zum Beispiel bekommen ihre Tantiemen erst ein dreiviertel Jahr nach dem Auftritt. Sie haben auch Ausfälle, weil sie weniger gespielt haben."

Sarah Stojanov,

Parfümerie-Besitzerin

Sarah Stojanov. - © privat
Sarah Stojanov. - © privat

"Ich hatte meine Parfümerie auf der Mariahilfer Straße einen Monat zu. Ich warte noch auf die Reaktion vom Vermieter, ob ich für diese Zeit Miete zahlen muss. Die ersten Tage nach der Wiedereröffnung waren sehr schwach. Die Menschen sparen, Parfums sind eben Luxusartikel. Zumindest habe ich ein paar Stammkunden, die mich über Wasser halten. Aber mir fehlt der Umsatz durch die Touristen. Das Geschäft läuft schleppend.

Ich hätte auf mehr Unterstützung durch den Staat gehofft. Die Kosten für die Wohnungsmiete bleibt, ich muss einen Kredit abzuzahlen. Mein ganzes Erspartes steckt im Laden. Derzeit warte ich auf die Antwort vom Fixkostenzuschuss. Die derzeitige Situation ist alles andere als rosig. Ich habe Angst, dass noch mal ein Lockdown kommt, weil alle gerade von der zweiten Welle reden."

Gregor Kuntscher,

Fotograf

Gregor Kuntscher. - © privat
Gregor Kuntscher. - © privat

"Nach mehr als zwei Monaten Pause tut sich seit Ende Juni wieder etwas. Ich habe wieder ein paar Aufträge bekommen, hauptsächlich für Magazine. Aber es ist nicht mit der Situation vor der Krise vergleichbar. Ich glaube, Firmen müssen sparen und Marketing und Werbung ist das Erste, wo gespart wird. Das heißt auch weniger Aufträge für uns Fotografen. In den ersten beiden Monaten des Lockdowns konnte ich beim Härtefallfonds nichts beantragen, weil ich offene Rechnungen hatte. Später habe ich insgesamt 1500 Euro bekommen. Die Überweisung der Hilfen ging schnell, aber es war nicht so übersichtlich, wie das berechnet wird. Als Laie steht man wahnsinnig viel Bürokratie gegenüber. Ich finde es auch immer noch komisch, dass die Wirtschaftskammer die Abwicklung der Gelder übernommen hat und nicht das Finanzamt."

Katrin Reichstamm,

Physiotherapeutin

Katrin Reichstamm. - © privat
Katrin Reichstamm. - © privat

"Nachdem ich Schutzkleidung bekommen habe, konnte ich meine Ordination schnell wieder aufsperren. Mein Geschäft hat sich rasch erholt. Ich habe viele Patienten, die ihren Termin nachgeholt haben und auch Patienten, die nicht auf Reha gehen konnten und deshalb zu mir kommen. Ich arbeite derzeit 25 Stunden in der Woche und betreue 30-40 Patienten. Ich bin durchgehend ausgebucht. Natürlich fehlen mir die Monate März und April, aber sonst ist es ein Sommer wie jeder andere.

Ich habe zwei Monate für den Härtefallfonds angesucht und jeweils rund 800 Euro bekommen. Das ging schnell. Ich habe die Maßnahmen als sehr großzügig empfunden.

Abstand zu halten ist schwierig in meiner täglichen Arbeit. Aber ich trage eine FFP2-Maske, desinfiziere nach jedem Patient, lüfte und wechsle häufig die Kleidung."

Sabine Karrer,

Texterin

Sabine Karrer. - © privat
Sabine Karrer. - © privat

"Ein Großteil meiner Aufträge ist zurückgekommen. Ich schreibe derzeit viel PR-Texte im Gesundheits- aber auch im Eventbereich. Wobei natürlich große Unsicherheit herrscht, ob dann Events tatsächlich zum geplanten Termin stattfinden.

Die 10-Stunden-Anstellung in der Öffentlichkeitsarbeit bei einer Hauskrankenpflege-Organisation habe ich beendet. Kurzarbeit war nicht möglich und es gab nichts zu tun. Ursprünglich war ich beim Härtefallfonds ausgeschlossen, ich habe dann aber 500 Euro bekommen und den Bonus von 500 Euro. Das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es war ein Fehler der Regierung, die Hilfen monatlich auszubezahlen. Viele Selbstständige arbeiten projektbezogen.

Das System war irrsinnig komplex und schwer nachzuvollziehen. Eine Soforthilfe war es jedenfalls nicht. Für die Corona-Krise sind weder wir, noch die Regierung verantwortlich. Ich glaube jedoch, dass noch viele Insolvenzen kommen werden. Als Selbstständige bin ich Existenzängste gewohnt. Deshalb sind sie derzeit nicht größer, als sie vor der Krise waren."

Simon Moser und Magali Castan,

Café-Besitzer

Simon Moser und Magali Castan. - © privat
Simon Moser und Magali Castan. - © privat

"Uns im Café Trabant sind zwei volle Monate Umsatz entgangen. Nach der Öffnung der Gastronomie lief es bei uns wieder gut an. Aus dem Härtefallfonds haben wir zu Beginn nur 500 Euro bekommen, danach noch den 500 Euro Extra-Bonus. Das ist OK, aber es hat sehr lange gedauert, bis das Geld ausbezahlt worden ist. Weil die Hilfen so gering waren, haben wir ein Crowdfunding gestartet für einen Schanigarten. Innerhalb von zwei Tagen haben wir das Ziel erreicht, das hat uns überwältigt.

Während der Corona-Krise hatten wir keinen finanziellen Polster. Deswegen haben wir einen Firmenkredit aufgenommen. Falls noch mal ein Lockdown kommt, würde es ohne Puffer schnell problematisch werden. Mit den staatlichen Hilfen waren wir nicht zufrieden. Das hätte einfacher und schneller gehen müssen."