Es sind Horrorzahlen, die zu Wochenbeginn für den spanischen Tourismus prognostiziert werden: 750.000 Arbeitsplätze könnten dort bis Jahresende verloren gehen, meldet die Zeitung "El Pais" unter Berufung auf Schätzungen des Reiseunternehmens Exceltur.

Spanien ist eines der am schwersten von der Corona-Krise getroffenen Länder Europas und leidet nach wie vor unter heftig ansteigenden Infektionszahlen, was wiederum Touristen aus dem europäischen Ausland die Lust am Spanien-Urlaub verdirbt. Besonders die Quarantäne-Verordnung Großbritanniens, von wo 2019 immerhin ein Fünftel aller Spanien-Urlauber kamen, dürfte den spanischen Tourismus endgültig in den Katastrophenmodus versetzen.

Airlines im Sinkflug

Nicht nur auf der Iberischen Halbinsel kämpft die Tourismusbranche mit den Corona-Folgen. Der internationale Flugdachverband IATA meldet aktuell weltweit eine "überraschend schwache" Erholung in Sachen Passagierzahlen. Vor allem die Businesskunden fehlen den Airlines, deren Streckennetze zwar wieder aufgebaut wurden, nun aber nicht rentabel sind. Die IATA rechnet erst für 2024 wieder damit, dass das Passagieraufkommen Vorkrisenniveau erreicht.

Auslastungsprobleme gibt es auch im Bahnverkehr. Im Juli, also mitten in der Hochsaison, verkehrten die Züge der ÖBB nur mit der Hälfte ihrer üblichen Passagierauslastung, heißt es von den Bundesbahnen. Als Alternative zu Flugverbindungen seien zwar einige Routen, insbesondere bei den Nachtzügen, gut gebucht, vom Vor-Corona-Niveau ist man aber aufgrund des Ausbleibens vor allem ausländischer Reisender weit entfernt.

Urlaub in Österreich

Mit einem blauen Auge könnte der Sommertourismus in Österreich womöglich noch davonkommen. Allerdings ist das je nach Region sehr unterschiedlich. Rund um die Seen, in Kärnten oder im Salzkammergut, freut man sich über eine recht gute Buchungslage. In den Bergregionen sieht es aber weniger gut aus.

Zwar hat mehr als die Hälfte der Österreicher laut diversen Umfragen vom Frühsommer bekanntgegeben, im eigenen Land urlauben zu wollen. Dies schlägt sich auch in den Nächtigungszahlen vom Juni nieder: 56 Prozent der heimischen Urlauber waren Inländer, heißt es dazu von der Statistik Austria. Gleichzeitig sanken jedoch die Nächtigungen ausländischer Gäste um drei Viertel, und diese fehlen massiv.

Die Vorliebe für Urlaub am See und die fehlenden ausländischen Gäste, besonders in den Bergen, verfestigte sich Ende Juli bereits in den steigenden Arbeitslosenzahlen in Tirol (plus 75 Prozent) und Vorarlberg (plus 44,3 Prozent). Hingegen verzeichneten Kärnten (25,6 Prozent) und das Burgenland (26,3 Prozent) die niedrigsten Zuwächse, geht aus aktuellen Daten des Arbeitsmarkservice hervor. Im Bereich Beherbergung und Gastronomie insgesamt lag die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer im heurigen Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 73,8 Prozent höher, bei rund 55.367.

Sorgenkind Städtetourismus

Am schlimmsten trifft es heuer den Städtetourismus und hier besonders die erfolgsverwöhnte Bundeshauptstadt Wien, die im Juni einen Nächtigungsrückgang von 87,9 Prozent verzeichnete. Verantwortlich dafür ist das Fernbleiben ausländischer Gäste, das die Tourismusbilanz Wiens auch nachhaltig verhagelt.

Eine Besserung scheint nicht in Sicht. Kongressbesucher und Geschäftsreisende bleiben aus, denn Großveranstaltungen wie Kongresse gibt es aktuell und bis auf Weiteres bekanntlich keine.

Düstere Aussichten

"Wir werden nicht nur keine neuen Rekordwerte einfahren, wir werden auch massive wirtschaftliche Verluste hinnehmen müssen, die bei den meisten Betrieben an die Substanz gehen und manche sogar nicht überleben werden", heißt es in einer aktutellen Publikation der Wirtschaftskammer Österreich.

Mit 59,2 Milliarden direkter und indirekter Wertschöpfung trugen Tourismus- und Freizeitwirtschaft 2018 satte 15,3 Prozent zum heimischen BIP bei, wird dort weiter ausgeführt. Die Folgen der verkaterten Urlaubsstimmung werden damit wohl auch die Gesamtwirtschaft Österreichs hart treffen. (mojo)