Corona brachte alles zum Stillstand, insbesondere den Verkehr. Wenig überraschend wurde im ersten Halbjahr in Österreich damit auch weniger Sprit verbraucht. Außerdem gaben die Ölpreise und auch die Benzin- und Dieselpreise nach, Autofahren wurde billiger. Österreichs Autofahrer haben sich so in der ersten Jahreshälfte 2020 eine Milliarde Euro erspart.

"Der deutliche Rückgang beim Spritverbrauch hat im ersten Halbjahr sowohl die Umwelt als auch die Geldbörsen von Autofahrerinnen und Autofahrern geschont", fasst Michael Schwendinger eine aktuelle Analyse des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) zusammen.

Weniger und billiger getankt

Die Autofahrer füllten laut VCÖ-Analyse um fast 250 Millionen Liter weniger Benzin über heimische Zapfsäulen in die Tanks ihrer Pkw. Ausgegeben wurden dafür im ersten Halbjahr rund 880 Millionen Euro - um gut 400 Millionen Euro weniger als im ersten Halbjahr 2019. Außerdem war Sprit in diesem Zeitraum günstiger.

Auch bei Diesel nahm der Verbrauch deutlich ab. Während im ersten Halbjahr 2019 noch 4,1 Milliarden Liter Diesel in Österreich getankt wurden - also so viel wie heuer bei Diesel und Benzin zusammen -, waren es im heurigen Halbjahr nur rund 3,3 Milliarden Liter. Davon wurden aber mehr als 40 Prozent von Lkw getankt.

Corona hat das Reiseverhalten verändert. Damit sich das auch künftig positiv aufs Klima auswirkt, fordern Fachleute mehr Lenkungsmaßnahmen. - © apa/dpa/Roland Weihrauch
Corona hat das Reiseverhalten verändert. Damit sich das auch künftig positiv aufs Klima auswirkt, fordern Fachleute mehr Lenkungsmaßnahmen. - © apa/dpa/Roland Weihrauch

Der VCÖ berechnete, dass rund 450 Millionen Liter Diesel weniger in die Tanks der Diesel-Pkw flossen als vor einem Jahr. Zudem war für einen Liter Diesel heuer im Durchschnitt um 13 Cent weniger zu bezahlen als von Jänner bis inklusive Juni 2019. Der deutlich geringere Verbrauch sowie der niedrigere Preis führten zu einer Gesamtersparnis von mehr als 700 Millionen Euro.

Der Erdölverbrauch des Verkehrs sei aber nach wie vor hoch, kritisiert der VCÖ. Trotz Corona wurden nämlich im ersten Halbjahr 2020 immer noch rund 4,1 Milliarden Liter verbrannt; 5,1 Milliarden waren es im Vergleichszeitraum des Vorjahres gewesen. Damit hat der Verkehr um rund 2,5 Millionen Tonnen weniger Treibhausgase verursacht als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres.

Kein Umdenken ohne Anreize

Ohne stärkere Anreize für eine klimaverträglichere Mobilität wird dieser Effekt jedoch schnell verpuffen. Als Möglichkeiten für nachhaltigere Effekte nannte Schwendinger steuerliche Maßnahmen, die klimaverträgliches Verhalten belohnen, ebenso sowie eine höhere Bepreisung des CO2-Ausstoßes. Außerdem seien "klimaverträgliche Mobilitätsangebote zu forcieren, wie ein dichteres Öffi-Netz mit häufigeren Verbindungen und der Ausbau der Rad-Infrastruktur", so Schwendinger weiter.

Reisen als CO2-Verursacher

Einer der großen Verursacher von Treibhausgasen ist auch der Tourismus. Dieser hat seine Emissionen von 2005 bis 2019 fast verdoppelt. Nun hat die Corona-Pandemie zwar zu einem einzigartigen Einbruch geführt, aber wird sich auch das künftige Reiseverhalten klimafreundlicher entwickeln? Diese und ähnliche Fragen stellte der Verkehrsclub im Juni im Rahmen seiner Online-Studie "VCÖ-Barometer #1: Reisen im Verhältnis zur Klimakrise" 125 Fachleuten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung.

Ob Reisen bis 2030 klimaverträglicher werden könnte, das schätzen mehr als 60 Prozent der Befragten vorsichtig optimistisch ein, nur zehn Prozent sahen hier eine Verschlechterung voraus. Bis 2021 erwarten mehr als 60 Prozent der Fachleute insgesamt weniger Urlaubsreisen. Am deutlichsten wird der Rückgang bei Flugreisen und Kreuzfahrten sein, glauben die Experten und Expertinnen. Reisen außerhalb Europas werden von der künftig sinkenden Reisetätigkeit am stärksten betroffen sein, sind sich mehr als die Hälfte der Befragten sicher.

2025 alles beim Alten

Bis 2025 wird laut VCÖ-Barometer die Anzahl der Urlaubsreisen wieder das Vor-Pandemie-Niveau erreichen. Das erwarten 57 Prozent der Experten, 28 Prozent gehen sogar von gesteigerten Reiseaktivitäten aus.

Ein Umdenken findet laut der Online-Studie noch am ehesten bei Radtourismus und Zugreisen statt. Allerdings legt auch der Pkw-Verkehr bis dahin wieder auf Vorkrisen-Werte zu, schätzen 42 Prozent. Von einer starken Zunahme geht sogar fast die Hälfte der Befragten aus.

Auch beim Tourismus gilt: ohne Anreize keine Veränderung. Als eine der wichtigsten Maßnahmen für klimaverträglicheres Reisen sehen die Fachleute eine Kerosinsteuer (82 Prozent). Auch in einer Erhöhung der Flugticketabgabe (71 Prozent) sowie einer Regulierung bei Kurzstreckenflügen (65 Prozent) ortet eine Mehrheit der Befragten wichtige Maßnahmen für ein Umdenken.

Die Covid-19-Pandemie biete ein günstiges Zeitfenster, das Reiseverhalten in Richtung stärkerer Klimaverträglichkeit zu verändern, gaben die Befragten abschließend zu bedenken. Ihren Einschätzungen zufolge ist die Toleranz gegenüber Verschmutzung und Lärm in Österreich zuletzt merklich gesunken. Dies gelte es nun auszunützen und zu unterstützen, womöglich sogar durch Bewusstseinsbildung in den Lehrplänen der Schulen. (apa/mojo)