Leopold Pfeffer ist ein umtriebiger Geschäftsmann aus Österreich, dessen Aktivitäten in der Slowakei einen kahlen Bergkamm und eine illegale Forststraße hinterließen, während er dem seltenen Auerhuhn mitten im Vogelschutzgebiet hunderte Hektar Lebensraum raubte. Anfang Juli kündigte die EU-Kommission an, die Slowakei vor dem Europäischen Gerichtshof zu klagen, weil sie das Auerhuhn nicht ausreichend schützt.

Die im steirischen St. Josef ansässige Firma Pfeffer Forstbetriebe widmet sich seit 1994 "dem Erwerb und der Verwaltung von Forstbetrieben nach ökologischen Grundsätzen", ist auf der offiziellen Webseite der weststeirischen Gemeinde St. Josef zu lesen. Außerdem "ist es der Firma ein besonderes Anliegen, dass Ökonomie, Ökologie, Erholung, Nachhaltigkeit bei der Bewirtschaftung die Basis bilden". Die Gemeinde ist sehr zufrieden mit Leopold Pfeffer, der in der Umgebung um die 140 Hektar Wald sein Eigen nennt. "Die Vorbesitzer haben nur Monokulturen, also Fichten, gepflanzt, was ja überhaupt nicht nachhaltig ist", sagt der Amtsleiter zur "Wiener Zeitung". Diese Monokultur habe Pfeffer durch Laubwald ersetzt. Der gelernte Baumeister wird im Land auch wegen der aufwendigen Renovierung des 600 Jahre alten Schlosses Rohrbach geschätzt, wo sich auch der Firmensitz der Pfeffer Forstbetriebe GmbH befindet.

Einige Kilometer weiter östlich von St. Josef, nach der Landesgrenze zur Slowakei, spielen für Pfeffer nachhaltige und ökologische Prinzipien keine Rolle mehr. Das Einzige, was offenbar zählt, scheint Profit zu sein. Nachhaltig ist die Zerstörung, die Pfeffers slowakische Firma Parnas Reality im Vogelschutzgebiet Muranska planina - Stolica in ihrer acht Jahre dauernden Tätigkeit hinterlassen hat. Auf Drohnenbildern ist das Ausmaß der Waldvernichtung auf dem Gebiet Stolicke vrchy, das zum Natura-2000-Netzwerk gehört, deutlich zu sehen. "Seit 2011 verließen täglich um die fünf Waggons Rohholz das Revier", sagt ein ehemaliger Anteilseigner in der Waldeigentumsgemeinschaft "Cierna Lehota", an der Pfeffer über ein Geflecht von Firmen, Strohmännern und mit Hilfe eines örtlichen Notars die Mehrheit der Waldgrundstücke erworben hat.

Holzlobbys am Aufkauf von
Waldgrundstücken interessiert

Der Immobilienunternehmer Bartolomej Turoci gründete am 12. Jänner 2011 die Firma Parnas Reality mit Sitz in der kleinen zentralslowakischen Stadt Roznava (Rosenau). Schon am nächsten Tag verschickt die Firma allen Teilhabern der Waldbesitzergemeinschaft "Cierna Lehota" einen Brief mit dem Angebot, deren Waldanteile abzukaufen, wie Emil Pukansky einem Fernsehteam des slowakischen öffentlich-rechtlichen Senders berichtet. "Unsere Waldgrundstücke sind sehr groß, weswegen es ein großes Interesse von Holzlobbys gibt, diese aufzukaufen", so der damalige Vorsitzende der Waldeigentümergemeinschaft.

Ein halbes Jahr später löst die Firma "M.A.X. Les" Turoci als Gesellschafter von Parnas Reality ab. Hinter "M.A.X. Les" steht Leopold Pfeffer. Bis zum Herbst 2011 gelang es ihm, 51 Prozent der Waldgrundstücke in seinen Besitz zu bekommen. Als Mehrheitseigentümer genießt Pfeffer mehr Rechte und ließ umgehend den bisherigen Vorsitzenden Pukansky abwählen, um einen Vertrauensmann einzusetzen. Pukansky und andere Miteigentümer befürchteten, dass Pfeffers einziges Ziel die Ausbeutung des Waldes ist. Da zu diesem Zeitpunkt ein Moratorium ausländischen Unternehmern den Kauf von Waldgrundstücken in der Slowakei untersagte, ging Pukansky vor Gericht. Doch die Richterin Iveta Farkaovska schmetterte Pukanskys Beschwerde ab. Allerdings liegt der Verdacht nahe, dass die Richterin befangen ist, da Parnas Reality ihren Mann Jozef Farkaovsky als Notar für die Grundstückskäufe engagiert hatte. Eine schiefe Optik zeigt auch die Tatsache, dass der Firmensitz von "M.A.X. Les" ausgerechnet an der Adresse des Notars eingetragen ist.

WWF spricht
von Gesetzesmissbrauch

Obwohl in geschützten Wäldern und Nationalparks Holz nicht abgebaut werden darf, kommt es in der Slowakei dennoch auch dort zu großflächigem Holzeinschlag. Das Gesetz erlaubt dort nämlich Sanitärhiebe nach Stürmen und Schädlingsbefall. "Seit 2004 beobachten wir, dass dieses Gesetz missbraucht wird. Für die Behörden ist es schwer zu kontrollieren, wie viel von den Bäumen tatsächlich Schadholz ist, und so werden auch viele gesunde Bäume gefällt", sagt Jergu Tesák vom WWF. Pfeffer soll das Gesetz ausgenutzt und so tausende Kubikmeter Holz abgebaut haben. Weiterer Grund für den Missbrauch ist wohl auch die immer noch verbreitete Korruption im Land.

Ein ehemaliger Miteigentümer der Gemeinschaft "Cierna Lehota" bezeichnet Pfeffers Wirtschaften im Wald als Katastrophe. Ihm sei es nur um Ausbeutung und Profit gegangen, so der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. "Ein großer Teil der gerodeten Flächen ist nicht wiederaufgeforstet worden und hinterließ das Gelände in chaotischem Zustand", schreibt er weiter. Ihm zufolge ist das Holz zunächst nach Österreich gekommen, später soll Pfeffer auch an die HS Timber Group (vormals Schweighofer) in Rumänien verkauft haben.

"Im Gebiet Stolicke vrchy, wo sich auch Pfeffers Waldgrundstücke befanden, stehen heute nur noch 1000 Hektar", so Toma Il’ko, Zoologe im Nationalpark Muránska planina, zur "Wiener Zeitung". Als das Areal 2009 zum Vogelschutzgebiet erklärt wurde, seien es noch 2500 Hektar zusammenhängenden Waldes gewesen. Bewohner und Naturschützer berichteten, dass Pfeffer den Wald nach einem schweren Sturm 2014 nicht sofort säuberte, um die gesunden Bäume zu retten, sondern absichtlich zugewartet haben soll und die Schäden zunächst fortschreiten ließ. Insgesamt holzte er dann nach und nach eine Fläche von rund 400 Hektar im Biotop des Auerhuhns ab. Der Sanitärhieb diente nur als Vorwand, um großflächig Holz zu schlagen, so Naturschützer. Sie kritisieren, dass es widersprüchlich ist, den Wald kahl zu schlagen um ihn zu vorgeblich zu retten.

30.000-Euro-Strafe für
illegalen Bau einer Forststraße

Pfeffer beließ es jedoch nicht nur bei Rodungen. Im Frühjahr 2017 entdeckten Mitarbeiter des Nationalparks eine 3,3 Kilometer lange Straße mitten im Vogelschutzgebiet. Für den illegalen Bau dieser Straße bekam der österreichische Unternehmer eine Strafe in der Höhe von knapp mehr als 30.000 Euro. Paradoxerweise könnte er für den Ausbau der illegalen Straße auch von Geldern aus EU-Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raums profitiert haben, wie das slowakische Online-Medium Aktuality.sk berichtet. In einem anderen Bericht heißt es, dass Pfeffer mit dem Verkauf des Rohholzes etwa 3,5 Millionen Euro verdient haben könnte. Im Oktober 2018 sperrte Pfeffer die Firma Parnas Reality zu und verkaufte die Waldgrundstücke um neun Millionen Euro. Eine andere Firma auf seinen Namen ist in der Slowakei weiterhin aktiv. Für eine Stellungnahme war Herr Pfeffer nicht erreichbar, auch schriftliche Anfragen ließ er unbeantwortet.

Den Bestand der Auerhühner schätzt Il’ko im Gebiet Stolicke vrchy heute auf 20 Individuen. In der ganzen Slowakei sollen es höchstens 860 Tiere sein. Der ideale Lebensraum des Waldvogels sind naturbelassene Mischwälder in Gebirgen mit unterschiedlich alten Bäumen, lockerem Baumbestand und üppiger Bodenvegetation, etwa Heidelbeersträuchern. Während der Balzzeit zwischen März und Mai versammeln sich die Hähne und geben die charakteristischen Glucklaute von sich. Während der Balzrufe ist der Auerhahn kurzzeitig taub, was Jäger ausnutzen, um das beliebte Trophäentier zu erlegen. Doch der größte Feind der Auerhühner ist die Holzindustrie.

Vogelschutzrichtlinie
nicht ausreichend umgesetzt

Seit dem EU-Beitritt der Slowakei 2004 hat sich der Bestand der Auerhühner halbiert. Slowakische Nichtregierungsorganisationen haben daher vor Jahren eine Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt. Trotz mehrerer Mahnschreiben unternahm die slowakische Regierung aber nicht genug, um die Vogelschutzrichtlinie umzusetzen. Am 2. Juli kündigte die Kommission an, gegen die Slowakei eine Klage beim Europäischen Gerichtshof einzureichen. Dem Euroland könnte nun eine Millionenstrafe drohen.

Seit Anfang des Jahres ist ein neues Gesetz in Kraft, das vorsieht, in Nationalparks eine Fläche von 50 Prozent ganz vor menschlichem Eingriff zu schützen. Sanitärhiebe wären dort dann nicht mehr möglich. Einer der ersten Nationalparks, der dieses Gesetz umsetzt, ist der Nationalpark Muranska planina - Stolica.

Allerdings hat das zu heftigen Protesten der Waldeigentümer geführt, die nun um den Verlust ihrer Einnahmen aus der Forstwirtschaft fürchten. In der im März dieses Jahres angelobten neuen Regierung in Bratislava ist deswegen nun auch ein Streit ausgebrochen, weil sich Parlamentspräsident Boris Kollar von der rechtskonservativen Partei auf die Seite der Waldeigentümer gestellt hat, obwohl sich das gemeinsame Regierungsprogramm der Vier-Parteien-Koalition zu diesem Gesetz bekennt. Sein Argument: der Verlust von Jobs.