Österreich ist laut der Umweltorganisation Greenpeace der viertgrößte Importeur von Plastikmüll in der EU. Die Umweltschützer berufen sich dabei auf eine eigene Analyse auf Basis von Eurostat-Zahlen. Demnach liegen nur Deutschland, die Niederlande und Belgien vor Österreich. Jährlich werden demnach 240.000 Tonnen Plastikmüll aus dem Ausland importiert, so Greenpeace.

Viele dieser Abfälle stammen laut Greenpeace aus Deutschland, Polen und Slowenien, aber auch aus Übersee, etwa Taiwan, Thailand oder Mexiko. Der importierte Plastikmüll werde in Österreich großteils verbrannt oder teilweise für Recycling verwendet. Greenpeace kritisierte "den intransparenten und klimaschädlichen Handel mit Plastikmüll, der die Umweltprobleme durch Plastik verlagert und hinter falschen Versprechen verschleiert." Die Umweltschutzorganisation forderte das Aus von Einwegverpackungen und den Ausbau von Mehrwegsystemen.

"Mit dem Verschiffen von Plastikmüll und dem Versprechen von Recycling täuschen die Unternehmen vor, dass sie das Plastikproblem im Griff haben. Doch in Wahrheit wachsen die Müllberge noch immer rapide an. Politik und Unternehmen müssen unnötige Verpackungen deutlich reduzieren und Mehrweg-Verpackungen anbieten", betonte Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace in Österreich.

Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) wehrte sich in einer Aussendung gegen die Bezeichnung "Plastikmüll". Präsidentin Gabriele Jüly betonte: "Wir sprechen hier von Sekundärrohstoffen, die einen Wirtschaftszweig mit 43.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in ganz Österreich am Laufen halten." Für eine nachhaltige funktionsfähige europäische Kreislaufwirtschaft brauche es eine stabile Recyclingwirtschaft - "das wird ohne die Entsorgungsbetriebe nicht funktionieren." Um die heimischen Anlagen im Kunststoffrecycling ökonomisch zu betreiben, bedürfe es zusätzlicher Mengen aus dem Ausland.

Entscheidend sei, dass alle Abfälle unter den strengen österreichischen Auflagen zu einem hochwertigen Regranulat verarbeitet werden, so Jüly.  Gerade bei Pet-Flaschen repräsentiere Österreich mit ständig wachsendem Rezyklat-Einsatz ein europäisches Vorzeigemodell für Bottle-to-Bottle-Recycling.

Laut Greenpeace sind rund 40 Prozent des Pet, das jährlich in Österreich im Zuge des Recyclings verarbeitet werde,  Pet-Müll aus dem Ausland. Der Großteil davon stamme offiziell aus Italien.

Allerdings sei nicht gesichert, dass Italien und andere EU Länder wirklich die Ursprungsländer seien. Plastikabfall wird weltweit gehandelt, umsortiert und dann häufig innerhalb der EU weiter transportiert. In den offiziellen Statistiken kann das Ursprungsland der Rohstoffe nicht zurückverfolgt werden.

Der Umweltorganisation zufolge ist Recycling nicht das alleinige Mittel gegen die wachsenden Müllberge. Doch die Wiederverwertung stoße schnell an ihre Grenzen. Nur 25 Prozent der Kunststoffe in Österreich würden überhaupt recycelt. Und selbst beim Recycling-Vorzeigebeispiel Pet-Flaschen würden nur 30 Prozent des Materials wieder zu Flaschen verwertet. Fast die Hälfte des Pet-Mülls werde in Österreich klimaschädlich verbrannt.

"Unser Ziel muss sein, Verpackungen zu vermeiden oder wiederzuverwenden, damit sie so lange wie möglich im Kreislauf bleiben und nicht zu Müll werden. Die Politik muss sich an der Abfallvermeidung-Pyramide orientieren - das heißt primär Maßnahmen zur Vermeidung und Wiederverwendung unterstützen", forderte Panhuber. (apa)