Ein Monat nach dem Auffliegen des Bilanzfälschungsskandals um die Commerzialbank Mattersburg, deren amtliche Schließung am Donnerstag angeordnet wurde, steht Ex-Bankchef Martin Pucher nun auch vor dem Privatkonkurs. Das berichteten am Freitag mehrere Medien.

Der SV Mattersburg hat unterdessen am Landesgericht Eisenstadt das Konkursverfahren beantragt. Laut Kreditschutzverband von 1870 (KSV) sind davon 10 Gläubiger und 23 Mitarbeiter betroffen, wobei die Löhne seit Juni 2020 nicht mehr bezahlt werden konnten.

Puchers Anwalt Norbert Wess geht davon aus, dass ein Strafprozess gegen den ehemaligen Bankvorstand in vier Jahren beginnen könnte.

Dass der Bankchef sich persönlich bereichert habe, schließt Pucher seinem Anwalt zufolge aus. Auch größere Zuwendungen an politische Parteien soll es nicht gegeben haben. Laut Medienberichten soll das Jahresgehalt des Ex-Bankchefs zuletzt bei brutto rund 350.000 Euro gelegen sein. Auch mit seinem privaten Geld habe Pucher den SV Mattersburg unterstützt.

Goldgeschenke an weitere Personen

Landesrat Christian Illedits, der wegen der Annahme eines Gold-Geschenks des SV Mattersburg im Wert von heute 5400 Euro Anfang August zurücktrat, sei laut Zeitungsberichten nicht der Einzige gewesen, der ein solches Geschenk angenommen habe. Zahlreiche Bürgermeister sollen im Laufe der Jahre Goldpräsente erhalten haben, Namen seien nicht genannt worden, hieß es in den Medien weiter. Weitere Rücktritte seien aber nicht ausgeschlossen.

Wie schon mehrfach berichtet, sollen die Bilanzfälschungen schon 1992 begonnen haben, als die Commerzialbank noch zu Raiffeisen gehörte. Ursache sei damals der Ergebnisdruck gewesen. Bereits im Jahr 2000 soll Pucher vermutet haben, dass die Bank insolvent sei. Zwischen acht und 12 Prozent der Schadenssumme sollen in den SV Mattersburg geflossen sein und mehr als die Hälfte in die Bank, um das System am Laufen zu halten.

Millionen - rund 30 Prozent der geschätzten Schadenssumme von insgesamt knapp 700 Millionen Euro - sollen auch in notleidende Kredite geflossen sein. Diese habe Pucher nahezu unbegrenzt aufgestockt, damit er sie in der Bilanz nicht wertberichtigen musste. Für Gewinne, die es nie gegeben hat, hat die Bank auch jahrelang Steuern gezahlt. Diese könnten nun zumindest für die vergangenen fünf Jahre von der Republik zurückgefordert werden, so Puchers Anwalt laut Medienberichten.

Die Commerzialbank wurde in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach geprüft: Allein im Zeitraum von 1994 bis 1998 sollen es zumindest drei Prüfungen gewesen sein. Eine weitere im Jahr 2015 habe sich über mehrere Monate erstreckt. Weitere Prüfungen habe es 2017 und schließlich heuer gegeben.

Dass Pucher selbst in Problemen steckt, sei ihm selbst schon lange vor Auffliegen des Skandals bewusst gewesen, heißt es in den Medienberichten. In den vergangenen 25 Jahren habe er keine Nacht ruhig geschlafen, so Puchers Anwalt. Von den Malversationen habe außer Pucher lediglich eine weitere Mitarbeiterin, die zuletzt Co-Vorständin war, gewusst. Pucher selbst habe mit einem Computer nicht umgehen können, berichteten Zeitungen. (apa)