Es kommt hierzulande nicht alle Tage vor, dass eine neue Bank eröffnet wird. Umso bemerkenswerter ist es, wenn dies mitten in der Corona-Krise passiert. Am 1. April ging die Österreichische Post AG mit der bank99 an den Start. Verschieben war kein Thema.

Gerade die Krise habe gezeigt, wie wichtig Nahversorgung für die Bevölkerung in Österreich sei - auch mit Finanzdienstleistungen, heißt es seitens der Post. Bisher wurden mehr als 44.000 Konten bei der bank99 eröffnet - mit so vielen Kunden habe man gar nicht gerechnet. Rund 10.000 der eröffneten Konten sind Sparkonten, der größere Teil Girokonten. Vier Modelle werden angeboten, am stärksten nachgefragt sei die Konto-Komplettlösung. Dabei gibt es für 15 Euro monatlich neben kostenlosem Online-Banking alle Bankdienstleistungen am Schalter - wie Ein- und Auszahlungen oder die Aufgabe von Erlagscheinen - inklusive. Auch eine Kreditkarte ist mit im Gepäck. "Das bestärkt uns auch in unserer Überzeugung, dass die Menschen in Österreich ihre Bankgeschäfte sowohl digital als auch ‚filial‘ erledigen wollen", heißt es.

Die Post hat auch ehemaligen Kunden der insolventen Commerzialbank Mattersburg das Angebot gemacht, zur bank99 zu wechseln und freut sich über "mehrere hundert neue Kundinnen und Kunden", die das Angebot angenommen haben.

Die bank99 wirbt damit, dass außer in den rund 400 Post-Filialen auch bei den rund 1300 Post-Partnern - Lebensmittelgeschäfte, Trafiken, Tankstellen, Apotheken, Bäckereien, Gemeindeämter - Bankdienstleistungen in Anspruch genommen werden können. Diese werden von 150 ausgebildeten Bankberaterinnen und Bankberatern der bank99, die über ganz Österreich verteilt und jeweils für ihren Sprengel verantwortlich sind, erbracht. "Sowohl für die im Sprengel befindlichen Postfilialen als auch für die zugeordneten Post-Partner sind immer Bankbetreuer - und -betreuerinnen der bank99 zuständig", wird betont. Die Post-Partner selbst würden Basisfinanzdienstleistungen wie Ein- und Auszahlungen, Kontostandsabfragen und Erlagscheinaufgabe anbieten. Derzeit laufe mit ausgewählten Post-Partnern auch ein Pilotprojekt zu Kontoeröffnungen vor Ort.

Banklizenz erst im
zweiten Anlauf

Zu ihrer Banklizenz kam die teilstaatliche und börsennotierte Post über den Kauf von 80 Prozent der Grazer Brüll Kallmus Bank von der Grazer Wechselseitigen (Grawe). Die Grawe ist weiterhin mit 20 Prozent beteiligt. Der langjährige Bankpartner Bawag-P.S.K. war der Post abhanden gekommen. Die Bawag hatte im Jahr 2000 von der Republik Österreich 74,82 Prozent der Österreichischen Postsparkasse (P.S.K.) übernommen und später auch die restlichen Anteile gekauft. 2005 kam es zur endgültigen Fusion zur Bawag P.S.K. Die Post war stets nur Vertriebspartner.

Im Herbst 2017 kündigte die Bawag die Kooperation mit der Post AG auf. Auf der Suche nach einem neuen Partner stieß die Post zunächst auf die deutsche FinTech Group. Doch das geplante Joint-Venture scheiterte. Im Frühjahr 2019 kam der Deal mit der Grazer Wechselseitigen zustande. Im Zuge einer Kapitalerhöhung brachte die Post AG 56 Millionen Euro ein.

Das Halbjahresergebnis des Konzerns wurde nicht nur durch coronavirus-bedingte Zusatzkosten belastet, sondern auch durch hohe Kosten für die bank99. Wie berichtet verringerte sich das Betriebsergebnis (Ebit) um 55,2 Prozent auf 48,2 Millionen Euro.

Die Division Filiale & Bank erzielte durch die Aufbaukosten der bank99 und Covid-19 bedingten Belastungen einen negativen Ergebnisbeitrag von 28,7 Millionen Euro. Die Post will das Finanzdienstleistungsgeschäft in den nächsten Quartalen jedenfalls um neue Produkte - etwa Versicherungen - erweitern und ab dem Jahr 2023 positive Ergebnisbeiträge erwirtschaften.

Dazu die Post: "Wir waren uns immer sicher, dass in Österreich Bedarf für eine Bank besteht, die durch das einzigartige Filialnetz der Post Österreich flächendeckend on- und offline servicieren kann."