Ein drei Meter langes Board, dazu ein zwei Meter langes Paddel und es geht los. Auf den Knien am Brett sitzend lassen sich die Wellen am Wasser leicht abfedern. Beim ersten Aufstehen zittern die Knie, nach kurzer Zeit findet man das Gleichgewicht und steht über dem Wasser: Zeit zum Lospaddeln. Seit einigen Jahren immer öfter gesehen und heuer an allen Badeseen in Österreich omnipräsent ist die Trendsportart Stand-up-Paddling, kurz SUP.

Vom Bodensee bis zum Neusiedler See erobern die Stand-up-Paddel-Boards immer mehr Platz am Wasser. "SUP ist für eine große Zielgruppe weltweit interessant, weil es grundsätzlich so einfach ist. Auf dem Brett stehen und in einer Bucht herumplanschen kann jeder vom Kind bis zum Pensionisten", sagt Wolfgang Leeb von Mission2Surf Podersdorf, die auch SUPs verleihen.

Die Hersteller der Boards freuen sich über eine gute Saison im heurigen Jahr. Glory Boards, ein SUP Board- und Paddel-Hersteller aus Salzburg verzeichnet einen Verkaufsanstieg von 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Wir erklären uns diesen Anstieg mit unseren Marketingmaßnahmen und auch, da - Corona sei Dank - viele Leute in Österreich und Deutschland geblieben sind", sagt Stefan Karpe, Geschäftsführer von Glory Boards. Da viele Menschen heuer zuhause Urlaub machen, würden sie sich eher ein neues Sportgerät zulegen, so der Hersteller.

Stefan Hörl von Stemax Boarding, ebenfalls ein Hersteller aus Salzburg, verzeichnet heuer auch einen Anstieg von etwa 40 bis 50 Prozent. 2018 und 2019 hätten sie noch unter tausend Boards jährlich verkauft, heuer waren es bis dato etwa 1300 bis 1400 Boards. Es hätten aber auch mehr sein können. "Unsere beliebtesten SUP-Boards waren bereits Ende Juli ausverkauft, da hätten wir sicher noch einige hundert Stück verkaufen können", sagt Hörl. Aufgrund der weltweit hohen Nachfrage nach SUP-Boards seien die Fabriken ausgelastet, Nachschub habe die Firma aber bereits bestellt. Preislich liegen die Boards von Stemax im gehobeneren Bereich bei 700 bis 900 Euro. Die Preise variieren von Anbieter zu Anbieter. Der Discounter Hofer hatte heuer Boards um 300 Euro im Angebot, Premiumboards können allerdings mehr als 1000 Euro kosten.

Sowohl Glory Boards als auch Stemax Boarding designen und konzipieren ihre aufblasbaren Stand-up-Paddel-Boards, sogenannte iSUPs. Produziert werden diese Sportgeräte aber ausschließlich in China. Laut Stefan Karpe gibt es dort die besten Produktionsstätten, alle Boards im aufblasbaren Sektor werden dort hergestellt. Für 2019 rechnete man mit einem österreichweiten Verkauf von rund 30.000 SUP-Boards. Aufgrund der steigenden Verkaufszahlen im heurigen Jahr könnte diese Zahl für 2020 jedoch noch einmal stark zulegen.

Verleihgeschäft boomt

Das Geschäft der drei SUP-Verleihstationen von Mission2Surf in Podersdorf läuft heuer stark. Die circa 40 Boards sind oft durchgehend am Wasser, an manchen Tagen liegt die Auslastung bei 100 Prozent. Für 15 Euro in der ersten und 12 Euro für jede weitere Stunde können Kunden den Neusiedler See am Board stehend und knieend erkunden.

Kein See mehr ohne Boards

Am Wörthersee in Kärnten freuen sich Verleiher ebenfalls über eine gute Saison. Laut Franziska König, von SUP2Gether sind die 80 Boards von allen vier Standorten rund um den See die meiste Zeit im Wasser. Heuer sei definitiv mehr los als in den Jahren davor. SUP2Gether sieht Corona ebenfalls aus Hauptgrund für den Zuwachs. "Viele Einheimische fahren aufgrund der Situation heuer nicht ins Ausland und verbringen den Urlaub lieber an den heimischen Seen," sagt König.

Ähnlich sieht die Situation auch am Traunsee aus. Walter Edthofer von Kajak und Kanu Salzkammergut verleiht SUP-Boards seit sechs Jahren die neuartigen Sportgeräte. Über die Jahre merkte er schon einen Anstieg, dieser sei im heurigen Jahr aber außergewöhnlich stark. An Wochenenden seien alle seine 15 Boards oft schon ein bis drei Tage im Voraus reserviert.

Einen Boom rund um SUP verzeichnen die Betreiber schon länger. Das heurige Jahr ist noch mal eine Ausnahme. Die Stand-up-Paddle-Boards bleiben den Seen bestimmt noch länger erhalten. Stefan Karpe blickt optimistisch in die Zukunft: "Ich denke, dass es irgendwann so sein wird, wie bei Fahrrädern und jeder ein Board zuhause hat."