Die Corona-Pandemie hat den Wert der heimischen Lebensmittel bewusster gemacht. "Der Trend, der während des Lockdowns explodiert ist, hält noch an", sagen Ilse und Günter Achleitner, die die Achleitner Biohof GmbH in Eferding mitsamt bäuerlichem Betrieb führen. Für eine nachhaltige Wertsteigerung der heimischen Lebensmittel brauche es aber ein Umdenken in der Politik.

Ilse und Günter Achleitner zählen zu den Bio-Pionieren in Österreich, sie haben 1990 ihren Betrieb auf Bio umgestellt. Mittlerweile betreibt das Ehepaar neben dem Hof einen Biohandelsbetrieb und ist bekannt für seine Bio-Kiste. Die Corona-Pandemie habe ihnen seit Jahresbeginn ein Plus von 20 Prozent gebracht, erklären die Unternehmer. Bei den Bio-Kisten gab es einen derartigen Ansturm, dass man kurzfristig einen Stopp bei der Neukundenaufnahme machen musste. Im Vergleich zum Vorjahr werden aktuell pro Woche 2.500 Kunden mehr mit einer Bio-Kiste beliefert, bei insgesamt rund 11.000 Kunden. Auch in den Frischemarkt seien im Lockdown viele neue Kunden gekommen, die nun weiterhin dort einkaufen würden.

Arbeitslosengeld
höher als Feldarbeitslohn

"In einer Krisensituation wird das Gespür geschärft, man traut den geschönten Werbungen nicht mehr, will stattdessen Bauern und handwerkliche Strukturen unterstützen", meinen sie. "Die Vorfälle bei Tönnies haben gezeigt, wie fragil die Strukturen bei konzerngetriebener Lebensmittelversorgung sind." Produzenten, die auf Kleinstrukturen und ohne große Umwege aufgebaut sind, seien immer stabile und verlässliche Lieferanten gewesen. Damit der Wert der heimischen Lebensmittel insgesamt wieder steige, brauche es ein Umdenken in der Politik: "Wenn Lebensmittel günstig sind, bleibt den Leuten mehr Geld für weiteren Konsum, also etwa für IT, Reisen, Kleidung und Schuhe, übrig und dann haben wir ein Wirtschaftswachstum - aus dieser Denke heraus wird sich nichts ändern", so die Achleitners. Die heimischen Landwirte müssten mit den Weltmarktpreisen konkurrieren und daher gehe es immer stärker in Richtung Großbetriebe: "Mit den richtigen Förderungen könnte man dies verhindern."

In Zusammenhang mit der Forderung nach billigen Lebensmitteln seien auch die Rufe nach dem Einsatz von arbeitslosen Österreichern als Erntehelfer nicht vereinbar. Der Durchschnitt der heimischen Bevölkerung bekomme mit dem Arbeitslosengeld mehr als bei der Feldarbeit mit Bruttolöhnen zwischen acht und neun Euro pro Stunde.

Die Leute hätten zum Teil eine sozialromantische Vorstellung von der Feldarbeit: "Dabei handelt es sich aber um Schwerarbeit - von früh bis spät und bei jedem Wetter. Das sind unsere Leute nicht mehr gewohnt. Wir haben auch 40 verschiedene Kulturarten, da muss alle paar Stunden eine andere Tätigkeit erledigt werden." Die Achleitners beschäftigen 35 Saisonarbeiter, diese kommen hauptsächlich aus dem Kosovo und würden großteils schon seit mehr als zehn Jahren kommen: "Da arbeitet teilweise bereits die zweite Familiengeneration bei uns." Unter den Erntehelfern befinden sich aktuell auch bis zu zehn Asylwerber: "Das hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt, die Leute sind gut integriert."

Urlaub am Bauernhof
schlägt Schweinezucht

Gute Stimmung für Direktvermarktung und Bio ergab auch die oberösterreichische Agrarbefragung, die Ende 2019 und aufgrund der Corona-Krise noch einmal im Juni/Juli 2020 durchgeführt wurde. Sahen 2019 noch 19 Prozent der Landwirte sehr gute Entwicklungschancen bei der Direktvermarktung, waren es 2020 schon 27 Prozent. Dem Biolandbau gestanden dies im Vorjahr 10, heuer 17 Prozent zu. Ähnlich positiv wurde Urlaub am Bauernhof bewertet, wogegen die Schweineproduktion am absteigenden Ast gesehen wurde, wie aus den Unterlagen zu einer Pressekonferenz am Montag zu entnehmen war. Generell sahen zwei Drittel der Bauern Potenzial in der Entwicklung der heimischen Landwirtschaft.