Seit Pandemie-Beginn stehen die einarmigen Banditen großteils still. Spielhallen, Wettcafes, Casino-Säle mussten in weiten Teilen der Welt zusperren. Und jene Spielstätten, die noch oder wieder offen haben, sind schlechter besucht als früher. Jene wenigen, die kommen, hat die Corona-Krise zum Teil hart getroffen. Zum Spielen bleibt da nicht viel Geld übrig. Es ist ein hartes Jahr für den heimischen Glücksspielriesen Novomatic AG, der heuer sein 40-jähriges Firmenjubiläum feiert - wirtschaftlich und politisch betrachtet.

Laut dem Finanzportal "Bloomberg", das sich auf Schätzungen der Ratingagentur S&P beruft, könnte der Jahresumsatz von Novomatic um 20 Prozent einbrechen, der operative Gewinn um 40. Und Verluste war die Novomatic in den vergangenen Jahren nicht gewohnt, mit Ausnahme einer Abschreibung im Jahr 2018. Gleichzeitig muss die Novomatic laut Bloomberg in den kommenden 12 Monaten Schulden in der Höhe von 450 Millionen Euro tilgen. 2023 soll eine 500 Euro schwere Anleihe fällig werden. "Naturgemäß wird Covid-19 den Cash Flow 2020 negativ beeinflussen. Die kurzfristig anstehenden Fälligkeiten werden daher aus einem Mix aus bestehender Liquidität, Verkauf von Assets, erwartetem positivem Free Cash Flow sowie bestehenden Finanzierungsvereinbarungen (Kreditlinien) bedient. Eine zusätzliche Refinanzierung in 2020 ist hier nicht notwendig", heißt es vonseiten des Konzerns dazu.

Das Geld dafür könnte zum Einen aus dem jüngsten Verkauf der Casinos-Austria-Anteile an die tschechische Sazka-Gruppe kommen. Außerdem soll es schon konkrete Interessenten für das prestigeträchtige Novomatic-Forum in der Wiener Innenstadt geben. "Für den 500 Millionen Euro Eurobond, fällig in 2023, werden bereits unterschiedliche Refinanzierungsmöglichkeiten evaluiert", erklärt eine Sprecherin.

Ende Juli wurde die Novomatic von der Ratingagentur S&P mit BB+, also als "spekulativ", bewertet. Der Ausblick ist negativ. Und das nicht nur wegen der Corona-Krise und den damit einhergehenden Umsatzeinbußen.

Im Visier der Justiz

Es war nur ein Nebensatz des ehemaligen Vizekanzlers und FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache im berühmten Ibiza-Video - "Die Novomatic zahlt alle." -, der eine Lawine an Ermittlungen lostrat und die Novomatic unter Druck setzte. Später zog Strache seine Behauptung zurück. Konkret wird derzeit um mögliche Postenschacher bei der Besetzung des Vorstandspostens bei den Casinos Austria und die etwaige Involvierung der Novomatic ermittelt. Mittlerweile wurden in Zusammenhang damit 70 Ermittlungsberichte an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft übermittelt, wie die "Wiener Zeitung" berichtete. Der Vorwurf, der in Zusammenhang mit dieser Causa im Raum steht, lautet, dass von FPÖ-Seite der Novomatic Änderungen des Glückspielgesetzes im Falle der Bestellung Peter Sidlos zum Casinos-Vorstandsmitglied in Aussicht gestellt worden sein sollen.

S&P-Analyst Patrick Janssen sagt gegenüber Bloomberg, dass der negative Ausblick auch daher rühre, dass "die österreichischen Behörden Anklage oder andere juristische Schritte" erheben könnten. Der Konzern selbst bestreitet die Vorwürfe.

Novomatic-Mehrheitseigentümer Johann Graf hat öffentlich nie Stellung zu den Vorwürfen genommen. Aus einem geleakten Dursuchungsprotokoll im "Falter" wurde er lediglich mit der Aussage berühmt, er "mache fünf Prozent seines Umsatzes in Österreich, zahle 100 Prozent der Steuern und habe aber 80 Prozent der Scheiße hier. Es wäre wohl der Neid, der manche motiviere."

Novomatic beschäftigt 30.000 Mitarbeiter in 2000 Betriebsstätten in mehr als 50 Ländern weltweit. Und Österreich ist in der Tat keine Cash-Cow für das Unternehmen. Auch nach Corona will der Konzern sein Online-Angebot ausbauen und sich auf die US- und lateinamerikanischen Märkte konzentrieren. In den USA sollen etwa Automaten auch außerhalb von Spielstätten, etwa in Bars oder an Tankstellen installiert werden.(del)