Fundamentals, zu deutsch Grundlagen, ist das große Thema des diesjährigen Europäischen Forums Alpbach. Eine dieser Grundlagen der österreichischen Wirtschaft und weiter ausgeholt auch Grundlage der Europäischen Union ist Stahl. Die EU entwickelte sich ja bekanntlich aus der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl.

Ob und wie grundlegend Stahl heutzutage noch ist, diskutierte eine Expertenrunde am Forum Alpbach. Die Antwort von Matthias Pastl, Leiter der Unternehmenskommunikation bei der Voestalpine, lautet: "Ja, Stahl ist sehr bedeutsam." Eine Welt ohne Stahl sei undenkbar. Harald Oberhofer, stellvertretender Leiter am Institut für internationale Wirtschaft an der Wirtschaftsuniversität in Wien sieht das ähnlich. Stahl sei sehr wichtig für die österreichische, vor allem oberösterreichische Wirtschaft und gehe noch weit darüber hinaus. Aber auch der Klimaaspekt solle mitberücksichtigt werden. Die Stahlproduktion ist weltweit für 7 bis 9 Prozent der Treibhausgase verantwortlich. Hier müsse sich global etwas ändern, eine Antwort zu finden sei schwierig.

Teil der Lösung

Lena Schilling, Aktivistin bei "Fridays for Future" Wien fordert zu schnellem Handeln auf: "Die Frage ist nicht, ob sich etwas ändert, sondern wie und wann?" Ihre Generation sei die letzte, die noch etwas ändern könne und habe Verantwortung für die folgenden Generationen.

"Die Frage ist nicht, ob sich etwas ändert, sondern wie und wann?"

Lena Schilling

Stahl solle aber als Teil der Lösung und nicht Teil des Problems gesehen werden, meint Pastl. Die Voestalpine sei der umweltfreundlichste Stahlproduzent weltweit, trotzdem ist der Konzern mit 10 Prozent aller österreichischen CO2-Emissionen der größte Emittent des Landes. Europa habe als zweitgrößter Stahlproduzent weltweit die Aufgabe, den Weg in eine grüne Stahlproduktion zu weisen. Dafür brauche es die Hilfe der Politik. Überall sonst gebe es umweltfreundliche Alternativen, auch beim Stahl wäre das möglich, es sei aber eine Frage des Preises, sagt Pastl.

Globales Abkommen

Am Handelsmarkt müsse dem Klimaaspekt mehr Raum gegeben werden, sagt Schilling. Laut Oberhofer müssen die Preise richtig gestaltet werden. Es brauche ein globales Abkommen darüber, wie mit CO2-Emissionen umgegangen wird, so eines werde sich nicht finden lassen. Zurzeit gebe es zu viele Emissionszertifikate auf dem Markt und der Preis sei zu niedrig.

Die Voestalpine zahle jährlich hunderte Millionen für Emissionszertifikate. Könne dieses Geld zur Finanzierung kohlenstoffneutraler Programme verwendet werden, wäre das ein Anstoß, mehr auf grünem Stahl zu setzen. Zahlen Kunden zu viel für die nachhaltigen Alternativen, sei das schwer umzusetzen, sagt Pastl. Eine Lösung wäre ein Technologiewechsel hin zu Wasserstoff aus erneuerbarer Energie für die Stahlproduktion. Das beste CO2 sei jenes, welches von Anfang an nicht vorhanden ist.