Das Ziel sind null Emissionen. Bis 2040 will Österreich klimaneutral sein. Erneuerbare Energie aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse soll den Energiehunger stillen. Doch damit ist es nicht getan. Wesentlich zum Erreichen der Klimaziele beitragen soll Wasserstoff.

Geht es nach Forschern, sollen in Zukunft Frachtschiffe, Züge, Schwerlaster und Flugzeuge mit dem chemischen Element angetrieben werden. Wasserstoff wird weitgehend schadstofffrei verbrannt. Damit würde man Millionen Tonnen CO2 einsparen. Ganze Industriebranchen könnten grün produzieren. Außerdem lässt sich mithilfe von Wasserstoff Energie in großen Mengen speichern.

Ein Wundermittel also? Das Potenzial ist jedenfalls groß, das Know-how in Österreich bereits vorhanden. Es mangelt jedoch an finanziellen Mitteln, monieren die TU-Austria-Universitäten bei einer Pressekonferenz in Graz. "Österreich darf bei Wasserstoff den Anschluss nicht verlieren. Wir müssen rechtzeitig investieren", appelliert Harald Kainz, Rektor der TU Graz. Konkret fordert der Verbund aus TU Wien, TU Graz und Montanuniversität Leoben von der Regierung eine "Wasserstoff-Milliarde" bis 2024.

"Österreich darf bei Wasserstoff den Anschluss nicht verlieren."

Harald Kainz, Rektor TU Graz

500 Millionen Euro benötige die Industrie für zeitnahe Prozessumstellungen, so Kainz. Weitere 400 Millionen Euro brauche die industrienahe kooperative Forschung und 100 Millionen Euro sollen der Grundlagenforschung zugutekommen. Bis 2030 soll eine weitere Milliarde fließen.

Wasserstoff hilft bei Klimazielen

Bisher wird Wasserstoff etwa bei der Herstellung von Düngemitteln oder in der Petrochemie verwendet. In Zukunft soll er dabei helfen, das Energiesystem umzustellen. "Wasserstoff ist ein zusätzlicher Energieträger, weil grüner Strom nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken", sagt Alexander Trattner, Leiter von Hycenta, des einzigen auf Wasserstoff spezialisierten Forschungszentrums in Österreich. Vor allem aber hilft Wasserstoff, Energie zu speichern und sie bei Bedarf wieder in Wärme und Strom umzuwandeln.

Das Thema Wasserstoff gewinnt zunehmend an Bedeutung. Die EU-Kommission hat hier die Richtung vorgegeben. Brüssel will bis 2024 die Produktion von erneuerbarem Wasserstoff um eine Million Tonnen steigern. Derzeit werden rund 9,8 Millionen Tonnen Wasserstoff in Europa produziert - vorwiegend aus fossilen Energieträgern.

Man spricht dann vom "grauen" Wasserstoff, der etwa aus Erdgas gewonnen wird. Bei der Herstellung wird allerdings Kohlendioxid freigesetzt. Das schadet dem Klima. "Grüner" Wasserstoff hingegen kann durch Elektrolyse aus Wasser erzeugt werden - nachhaltig und CO2-frei. Deutschland legte nach und kündigte in seiner nationalen Wasserstoffstrategie an, neun Milliarden Euro in den Bereich zu pumpen. Und was plant Österreich?

An der Wasserstoff-Abgabestelle des Hycenta in Graz lassen sich neben Pkw und Lkw auch Busse betanken. - © Hycenta Research GmbH
An der Wasserstoff-Abgabestelle des Hycenta in Graz lassen sich neben Pkw und Lkw auch Busse betanken. - © Hycenta Research GmbH

Im Klimaschutzministerium wird derzeit die nationale Wasserstoffstrategie erarbeitet. Sie soll Ende des Jahres fertig werden. "Österreich wird einen Fokus auf Grünen und damit klimafreundlichen Wasserstoff legen. Wasserstoff aus fossiler Energie oder Atomenergie halte ich - in Hinblick auf die Klimakrise - für den falschen Weg", sagt Klimaschutzministerium Leonore Gewessler (Grüne). Wasserstoff soll insbesondere bei industriellen Prozessen oder auch bei der Speicherung von Energie eingesetzt werden. Wie viel Geld die Regierung dafür in die Hand nehmen will, ist unklar.

Welches wirtschaftliche Potenzial die von der TU Austria geforderten Finanzmittel haben, zeigt eine Studie des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung. Zwei Milliarden Euro Investitionen würden demnach einen Wachstumsimpuls von 904 Millionen Euro bewirken. 1250 Arbeitsplätze könnten während des gesamten Zeitraums gesichert oder neu geschaffen werden, gibt sich Christian Helmenstein, Leiter des Economica-Institus, überzeugt.

Die heimischen TUs sind in der Wasserstoff-Forschung gut positioniert, es gibt dutzende Forschungsprojekte vom E-Traktor mit Brennstoffzelle bis hin zur Umstellung von Prozessen in der Stahlindustrie. "Jede zweite Publikation, die etwas mit Wasserstoff zu tun hat, kommt von den Technischen Universitäten", sagt Helmenstein. Bei den Patenten gibt es hingegen Aufholbedarf. Helmenstein pocht deshalb auf Investments, um die heimische Wasserstoff-Forschung zu stärken.