Die Prognose für die heimische Wirtschaft fällt nicht ganz so düster aus. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahresabstand um 12,5 Prozent abgesackt. Das ist viel, aber dann doch nicht ganz so viel, wie noch vor drei Monaten befürchtet. Damals ging das Wifo von 12,8 Prozent aus. Gegenüber Jänner bis März verringerte sich das BIP um 10,4 Prozent.

Vor allem im zweiten Quartal, während des Lockdowns, gab es so gut wie überall Einbrüche - im Tourismus, in Handel (mit Ausnahme des Lebensmittelhandels, Anm.), in der Gastronomie, im Sport- und Kulturbereich. Und auch die Industrie hat einen ordentlichen Dämpfer abbekommen.

Die Exporttätigkeit verringerte sich Corona-bedingt um 19,8 Prozent. Bei den Importen gab es ein Minus von 18 Prozent. Im Sport- und Kulturbereich sank die Wertschöpfung um ein Drittel. Die Gastronomie verzeichnete ein Minus von 26 Prozent. Und auch der Tourismus hatte bisher ein sehr hartes Jahr. Laut Statistik Austria gab es in Österreich von Mai bis Juli um 45 Prozent weniger Nächtigungen.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Im EU-Vergleich liegt Österreich im Schnitt. Das BIP im Euro-Raum sackte im Quartalsabstand um 12,1 Prozent ab, in der EU um 11,7.

EU steht international gut da

Auch die Prognose für das gesamte Jahr wurde seitens des Wifo leicht nach oben korrigiert. Ende Juni waren das Wifo und das Institut für Höhere Studien (IHS) für 2020 noch von 7,0 bzw. 7,3 Prozent BIP-Rückgang ausgegangen. Jetzt rechnet das Wifo mit minus 6,8 Prozent und das IHS unter Umständen mit nur 6,4 Prozent weniger beim BIP.

Das alles ist viel, aber dann doch ein Stück weit weniger schlimm, als noch im Frühjahr befürchtet. Mitten im EU-weiten Lockdown waren heimische und europäische Wirtschaftsforscher von Wirtschaftseinbrüchen um die zehn Prozent ausgegangen. Dass dieses Worst-Case-Szenario bis dato nicht eingetroffen ist, hat mehrere Gründe.

"Die Entwicklung ist dem geschuldet, dass es noch keinen zweiten Lockdown gab", erklärt Stefan Schiman vom Wifo. Eine zweite Welle samt strengem Lockdown hätte fatalere Folgen für die Wirtschaftsleistung - nicht nur in Österreich, sondern in der gesamten EU.

Und: die Schutzmechanismen, die Österreich und andere EU-Staaten gegen die Corona-Krise beschlossen haben, scheinen zu wirken. Vor allem im Vergleich mit Staaten außerhalb der EU. "Ohne Kurzarbeit wären die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt noch fataler", meint der Wifo-Ökonom. Das sehe man jetzt im Vergleich mit den USA gut, wo es kein ähnliches Instrument gebe und aktuell eine Million Menschen ohne Job dastehen.

Auch die "EZB-Geldpolitik hat die Panik an den Finanzmärkten etwas gedämmt" und vielleicht eine Finanzkrise abgewendet. Zur Erinnerung: Bis Jahresende stehen 120 Milliarden Euro für zusätzliche Anleihenkäufe bereit. Besonders günstige Kredite für Banken sollen eine Kreditklemme und Pleitewellen abwenden. Außerdem bleibt der Leitzins bei Null.

Minus auch ohne Lockdown

Die Corona-Krise hat Staaten, die mit besonders hohen Infektionszahlen zu kämpfen hatten -etwa Spanien und Italien - auch wirtschaftlich am härtesten getroffen. Von April bis Juni ist die spanische Wirtschaft laut Eurostat um 18,5 Prozent geschrumpft.

Gleichzeitig kann man aber nicht behaupten, dass kein Lockdown auch keine Auswirkungen auf die Wirtschaftsleistung hat, wie jüngste Zahlen aus Schweden zeigen. Dort gab es kaum Einschränkungen zur Eindämmung der Infektionszahlen. Die schwedische Wirtschaftsleistung ist im zweiten Quartal um 8,3 Prozent geschrumpft.

Zum einen ist die schwedische Wirtschaft von der globalen Konjunktur abhängig. Zum anderen hat sich, trotz fehlender Verordnungen, auch dort das Verhalten der Menschen in Zeiten von Corona verändert, erklärt Schiman. Auch dort sind viele Großveranstaltungen ferngeblieben, sind nicht in überfüllte Restaurants gegangen oder haben keine größeren Urlaube angetreten.