Wer etwas auf Online-Marktplätzen wie Willhaben oder Shpock loswerden will, muss schon mit den Preisen ordentlich runtergehen. Das gilt auch für neuwertige oder ungebrauchte Dinge. Immerhin geht es bei den Käufern nicht zuletzt um die Genugtuung, sich besonders viel erspart zu haben.

Doch gewisse Produkte bilden hier eine Ausnahme: So werden derzeit Kinderfahrräder der Marke Woom fast zum Neupreis oder auch darüber gehandelt. So kostet ein "Woom 2" für Kinder von drei bis viereinhalb Jahren im Online-Shop des Klosterneuburger Unternehmens derzeit 299 Euro. Als gebraucht oder neuwertig angebotene Modelle werden von Privatpersonen auf willhaben.at nur unwesentlich billiger oder sogar teurer - um 340 bzw. 350 Euro - feilgeboten.

Knappes Gut

Ähnliches ergab eine Recherche auf dem Kleinanzeigenportal Shpock: Ein gebrauchtes Woom 5 steht für 480 Euro zum Verkauf, im Woom-Shop kostet es 469 Euro. Für die privaten Anbieter stehen die Chancen, Käufer zu finden, dennoch gut, denn die Woom-Räder sind heiß begehrt: Der früheste Liefertermin für ein Woom 2 ist der 23. Oktober.

Engpässe gab beziehungsweise gibt es auch bei E-Bikes. Teilweise werden bestellte "Pedelecs" erst im September oder Oktober ausgeliefert.

Bei den heimischen Fahrradhändlern ist die Geschäftsentwicklung aufgrund der Corona-Krise "zweigeteilt", wie Michael Nendwich, Obmann des Sportartikelhandels in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) und Geschäftsführer des Verbands der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ), im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" sagt.

Verkäufe auf hohem Niveau


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Der Fahrradabsatz hat in Österreich seit einem Tiefpunkt im Jahr 2013 mit 382.000 verkauften Stück kräftig zugelegt. 2019 wurden bereits rund 439.000 Fahrräder verkauft. Das entspricht zwar einem leichten Minus von 4 Prozent zum Jahr davor, es sind aber dennoch um rund 25.000 Stück mehr als der Durchschnitt der 2010er Jahre. Dabei verstärkte sich der Trend zum E-Bike: Der Marktanteil der "Pedelecs" stieg von 33 Prozent auf 39 Prozent.

Dann brach die Corona-Krise aus. Die staatlich verordnete Schließung von nicht systemrelevanten Geschäften traf auch die Fahrradhändler mit voller Härte, denn üblicherweise werden 50 Prozent aller Bikes in den Wochen vor Ostern verkauft. Mit den Lockerungen kamen auch die Kunden wieder und tätigten Nachziehkäufe, vor allem in den Städten. "Im urbanen Bereich läuft es wieder gut, da liegen wir teilweise sogar um 20 Prozent im Plus", sagt Nendwich. Die Umsatzeinbußen konnten wieder aufgeholt werden, die Lager haben sich wieder geleert.

Keinen Grund zum Durchatmen haben Fahrradhändler, die vom Fremdenverkehr abhängig sind. "Vor allem beim Verleih gibt es teilweise massive Einbrüche, aufgrund der fehlenden ausländischen Touristen aber auch beim Verkauf. Im touristischen Bereich haben wir nach wie vor 50 Prozent Einbußen und mehr", so Nendwich. Es habe zwar die eine oder andere gute Woche gehabt, von einer durchgehend guten Saison von Mai bis Oktober könne aber keine Rede sein.

Was sich in der Corona-Krise gezeigt hat: Der Trend zum E-Bike ist ungebrochen und hat sich sogar noch verstärkt. "Der E-Bike-Anteil wird bei den Verkaufszahlen aufgrund von Corona noch einmal nach oben gehen, und zwar stärker und schneller als erwartet", ist Nendwich sicher.

Nach Angaben von Händlern entfallen auf E-Bikes vom Ausbruch der Corona-Krise bis jetzt ein Anteil bei den Verkäufen von um die 60 Prozent. Der Gesundheitsaspekt spielt dabei eine große Rolle: Abgesehen davon, dass mit Motorunterstützung auch Strecken zu schaffen sind, die man mit einem normalen Fahrrad nicht oder nur schwer bewältigen kann, wollen viele nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sein, falls die Infektionszahlen wieder stark steigen.

Auch das geänderte Freizeitverhalten spielt eine Rolle. "Viele haben gesagt: Der große Urlaub wird eh nichts, wir investieren lieber in g’scheite Fahrräder und machen Urlaub in Österreich oder in der näheren Umgebung", sagt Nendwich.

Ein gutes E-Bike hat seinen Preis. Der durchschnittliche Verkaufspreis lag im Vorjahr bei rund 2800 Euro (plus 4 Prozent). Der finanzielle Schaden bei Diebstahl oder Vandalismus ist daher nicht unbeträchtlich.

Gut versichert

Eine spezielle E-Bike-Versicherung ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, das Interesse daran ist aber gewachsen, ergab eine Analyse des Online-Tarifvergleichsportals durchblicker.at. Dort ist die Zahl der Abfragen von Prämien für E-Bike-Versicherungen im ersten Halbjahr um 63 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum gestiegen. Im Mai haben sich die Zahlen sogar beinahe vervierfacht. Für die starke Zunahme sei nicht nur der Corona-bedingte E-Bike-Boom verantwortlich. Die Pandemie habe auch das Sicherheitsgefühl allgemein erschüttert, heißt es.

Unterdessen freut sich das Team von Woom über die steigende Beliebtheit ihrer leichten und stylischen Fahrräder für Kids. Auch wenn es derzeit lange Lieferzeiten gibt: Jeder wird sein Rad bekommen. "Ende Oktober werden die Rückstände zum Großteil aufgeholt", sagt Unternehmenssprecherin Teresa Arrieta. Das Unternehmen startete 2013 mit 500 selbst zusammengeschraubten Rädern, im vergangenen Jahr hat Woom bereits 142.000 Räder weltweit verkauft. Derzeit liege man "weit über den geplanten Verkäufen", heißt es. Auch in der Vergangenheit sei es oft nicht möglich gewesen, der enormen Nachfrage, die jedes Jahr steil ansteige, nachzukommen.

Während im vergangenen Jahr in Österreich mit rund 196.000 Stück um 18 Prozent weniger reguläre Fahrräder verkauft wurden, gab es bei Kinder- und Jugendrädern ein Plus von 5,5 Prozent auf 72.000 Stück. Der Absatz von elektrisch betriebenen Bikes stieg um 13 Prozent auf 170.000 Stück. Die meisten davon sind nach wie vor E-Bikes im Sinne der Straßenverkehrsordnung (STVO), gefolgt von E-Mountainbikes.

Der österreichische Sportartikelhandel setzte im Vorjahr rund 2,77 Milliarden Euro um. Der Anteil der Fahrradbranche lag mit knapp 700 Millionen Euro erstmals bei mehr als 25 Prozent.