Der österreichische Bauriese Strabag musste im ersten Halbjahr Rückgänge bei Leistung und Gewinn hinnehmen, erwartet aber für den Rest des Jahres angesichts eines Rekord-Auftragsbestands eine höhere Bauleistung als im gleichen Vorjahreszeitraum. Positiv liefen heuer vor allem Auslandsmärkte wie Deutschland und Polen mit weniger Corona-Restriktionen als in Österreich.

Bis Juni sank die Leistung um 10 Prozent auf 6,72 Milliarden Euro, im Gesamtjahr soll sie heuer nun bei 15 Milliarden Euro statt der bisher erwarteten 14,4 Milliarden Euro liegen, teilte die Strabag SE am Montag mit. Allerdings waren es voriges Jahr insgesamt 16,6 Milliarden Euro gewesen. Der Umsatz fiel heuer bis Juni um 9 Prozent auf 6,32 Milliarden Euro.

Der Leistungsrückgang im Halbjahr resultierte aus vorübergehenden Baueinstellungen in der Coronakrise in Österreich (wo 15 Prozent der Konzernleistung erbracht werden), einem Vertragsablauf mit einem deutschen Großkunden sowie der Fertigstellung von Tunnelbauprojekten in Chile, heißt es. Zehn Tage lang seien in Österreich die Baustellen komplett gestanden, dann schrittweise wieder hochgefahren worden.

Den Auftragsbestand baute der Konzern im Jahresabstand um 6 Prozent auf die Rekordhöhe von 19,44 Milliarden Euro aus. Deutlich gewachsen ist das Orderbuch laut Strabag in Deutschland und in Tschechien, in Großbritannien erhielt man neue Großaufträge bzw. Auftragserweiterungen im Tunnelbau. Rückgänge gab es dagegen in der Region Americas, in Ungarn und in Österreich, weil hier Großaufträge abgearbeitet wurden.

Kein Baustopp erwartet

Die Ergebnisse gerieten unter Druck. Zwar blieb das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) mit 300,1 Millionen Euro noch auf Vorjahreshöhe (+2 Prozent). Höhere Abschreibungen infolge stärkerer Investitionen im Vorjahr drückten jedoch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um 26 Prozent von 61,0 auf 45,1 Millionen Euro. Dieser Rückgang sei auf die Entwicklung des Segments International+Sondersparten zurückzuführen, heißt es. Das Vorsteuerergebnis (EBT) betrug 31,6 (41,5) Millionen Euro.

Die EBIT-Marge, die im Halbjahr bei 0,7 (0,9) Prozent und im Gesamtjahr 2019 bei 3,8 Prozent lag, soll heuer bei "zumindest 3,5 Prozent" liegen. Die Prognose zu Leistung und Marge basiert laut CEO Thomas Birtel darauf, dass es im Unterschied zum ersten Halbjahr im zweiten keine - auch nicht eine temporäre - Einstellung des gesamten Baubetriebs in einem der Strabag-Kernländer gibt. Das bedeute aber nicht, dass man von einer "zweiten Welle" unvorbereitet getroffen würde. Denn eines sei klar: "Es handelt sich um keinen kurzfristigen Spuk und um keine leichte Rückkehr in die gewohnte Normalität vor März 2020."

Das in der Regel im ersten Halbjahr noch unterhalb der Nulllinie tendierende Konzernergebnis lag voriges Jahr bis Juni noch mit 10,7 Millionen Euro im positiven Bereich, heuer rutschte man mit -0,8 Millionen Euro leicht ins Minus. Für jede der 102,6 Mio. ausstehenden Aktien entsprach das -0,01 (+0,10) Euro. Zuletzt notierten die Titel mit 26,25 Euro.

Die Eigenkapitalquote wuchs im Jahresabstand von 29,9 auf 31,7 Prozent, Ende 2019 hatte sie 31,5 Prozent betragen. Die Netto-Cash-Position sei "wie saisonal üblich" von 1,144 Milliarden Ende 2019 auf 946,5 Millionen gesunken, Mitte 2019 betrug sie 240,6 Millionen Euro. Der vor einem Jahr deutlich negative Cashflow aus der Geschäftstätigkeit war nun mit 32,8 Millionen Euro im Plus.

Wie zahlreiche andere Firmen auch, hatte die Strabag im Frühjahr den Großteil ihrer Mitarbeiter für drei Monate in Kurzarbeit geschickt. Die Mitarbeiterzahl des Konzerns sank um drei Prozent auf 74.093 (76.638) im Jahresabstand - wegen des Wegfalls des langlaufenden Property&Facility-Services-Vertrags in Deutschland sowie einem projektbedingten Mitarbeiterabbau in Nahost. (Apa/del)