Weihnachtsmärkte gehören zum österreichischen Kulturgut, sagt Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer. "Wenn man sie also haben will, muss man schauen wie. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass man dort Masken trägt." Und auch die feuchtfröhlichen Exzesse mit Jagatee und Glühwein könnten in Zukunft der Geschichte angehören: "Möglicherweise könnte es das heuer nicht geben", sagt Mahrer.

Michael Schmid, Sprecher des Weihnachtsmarktes am Spittelberg, erachtet ein Verbot des Alkoholausschanks auf den Christkindlmärkten für wenig sinnvoll: "Die Leute werden sich vorher mit Flachmännern eindecken und nehmen dann ihren Schnaps in der Jacken- oder Hosentasche mit", prophezeit er. Eine Taschenkontrolle wäre im öffentlichen Raum ohnehin nicht durchführbar, zudem befürchtet er eine Abschreckung der Besucher. Gegen eine Maskenpflicht hätte der Weihnachtsmarkt-Sprecher aber nichts einzuwenden, dieser steht er positiv gegenüber.

Auch für die Schanigärten könnte dieser Winter anders werden als sonst. Mahrer zieht eine durchgehende Öffnung in Betracht: "Es wäre total widersinnig diesen Winter die Schanigärten zuzumachen", bekräftigt er. Andere Länder würden hier bereits mit Vorbildwirkung vorangehen. "Die, die es machen wollen und glauben, dass sie es betriebswirtschaftlich machen können, denen sollten wir auch die Möglichkeit dazu geben."

Nachdem die Salzburger Festspiele im August unter Einhaltung eines vollumfänglichen Präventionskonzepts angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie erfolgreich über die Bühne gegangen sind, mehrt sich die Hoffnung auf einen, zumindest fast normalen, Winter für Österreichs Tourismusbranche. In den nächsten 14 Tagen werde die Kammer ein umfassendes Konzept zur Sicherstellung des Wintertourismus in Österreich vorlegen. Ein wesentlicher Teil betrifft dabei die durch die Corona-Pandemie schwer getroffene Stadthotellerie.

Das Leiden der Städte

Fehlende internationale Gäste, Absagen großer Sport- und Kulturveranstaltungen und der Entfall von Messen und Kongressen haben in der österreichischen Städtehotellerie ihre Spuren hinterlassen. "Die Städte, die die größten Einbrüche bei den Nächtigungszahlen verzeichnen, sind auch die, die einen hohen Auslandsanteil haben, vor allem bei den Nächtigungen aus Drittstaaten", sagt Susanne Kraus Winkler, Obfrau des Fachverbands Hotellerie. "Manche Märkte sind uns aufgrund der Distanz weggefallen, manche, weil es gar nicht möglich war, zu kommen."

Unter der Leitung von Kraus-Winkler wurde im Juni eine Task-Force ins Leben gerufen, deren Aufgabe vor allem darin besteht, Leitlinien für die Spitzenpolitik bezüglich Maßnahmen zur Unterstützung der Stadthotellerie zu erarbeiten. Im internationalen Vergleich schneidet Wien jedoch immer noch gut ab. Mit 25,8 Prozent Auslastungsquote im Juli liegt die Stadt an der Donau deutlich vor beliebten Sommertourismus-Städten wie etwa Lissabon oder Rom (siehe Grafik).

"Nicht vernünftig führbar"

Nichtsdestotrotz machen diese Werte im Vergleich zum Vorjahr bestenfalls ein Drittel aus. "Zurzeit ist die Stadthotellerie nicht vernünftig führbar", erklärt Mahrer, und Kraus-Winkler ergänzt: "So hart es klingt, aber für viele Betriebe ist es billiger, geschlossen zu bleiben, als aufzusperren."

Laut Schätzungen hatten in Wien nach dem Lockdown etwa 40 bis 50 Prozent der Betriebe geöffnet, im August waren es etwa 50 bis 60 Prozent. Für September wird erwartet, dass 70 bis 80 Prozent der Betriebe ihre Pforten wieder für Gäste öffnen, garantiert sei dies freilich nicht. Dies hänge in großem Maße weiter davon ab, welche Regelungen und Beschränkungen dem Tourismus auferlegt werden.

Der Städtetourismus war bisher ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Mit 17,6 Millionen Nächtigungen stemmte Wien im Vorjahr 11 Prozent aller Österreich-Nächtigungen. Und auch andere Landeshauptstädte wie Salzburg (3,3 Millionen), Innsbruck (1,8 Millionen) und Graz (1,25 Millionen) trugen wesentlich zum Gesamtjahresumsatz der österreichischen Tourismusbranche bei.