Am Tag vor der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels in der Schweiz haben Delegationen der Nachbarländer, darunter Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne), eine gemeinsame Erklärung zur Stärkung der Bahnsysteme in Europa unterzeichnet. Nachtzüge sollen zu einer guten Alternative zum Flugverkehr werden, und Italien baut bis 2028 den 4-Meter-Korridor der Lötschberg-Simplon-Achse nach Novara aus.

Gewessler sprach dabei von einer "neuen Ära des umweltverträglichen Reisens". Die österreichische Regierung unterstütze diese Entwicklung, auch wenn Nachtzüge sehr teuer seien. Wien bezeichnete Gewessler als "Zentrum der Nachtzüge".

"Durch den Ceneri-Basistunnel sparen wir täglich 890 Tonnen CO2-Emissionen ein"

Nach den Gesprächen lud die Schweizer Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga zum Augenschein am Nordportal des Ceneri-Basistunnels.
Ein Traum werde wahr, sagte der Chef der Schweizer Bahn (SBB), Vincent Ducrot, am Donnerstagnachmittag vor dem Ceneri-Nordportal in Camorino. Die Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels schaffe nicht nur neue attraktive Zugverbindungen, sondern leiste auch einen Beitrag zum Klimaschutz: "Durch den Ceneri-Basistunnel sparen wir täglich 890 Tonnen CO2-Emissionen ein", sagte Ducrot.

Auch Sommaruga strich in ihrer Rede den Beitrag zum Alpenschutz hervor: "Wir haben mehr Löcher in unseren Bergen als in unserem Käse", scherzte sie.
Die Vollendung der Neat (Neue Eisenbahn-Alpentransversale) durch die Schweiz bezeichnete Sommaruga als "epische Leistung". Nun verfügten die Alpen über eine durchgehende Flachbahn, welche die Berge zu schützen helfe. "Das Schweizervolk gab uns einst diese Aufgabe, als es sich für die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene aussprach. Heute können wir mit dem Resultat zufrieden sein."

Auch große Bedeutung für Güterverkehr

"Sono emozionata" (ich bin bewegt), sagte die italienische Verkehrsministerin Paola de Micheli wenige Meter vom Ceneri-Nordportal entfernt. Schnelle Zugverbindungen in Europa seien wichtig.

De Micheli betonte auch die Vorteile für den Güterverkehr, die das am Vormittag in Locarno unterzeichnete Abkommen zum Ausbau der Lötschberg-Simplon-Linie bringen werde. "Die Schweiz und Italien sagen nicht nur, dass sie zusammenarbeiten wollen, sondern sie tun es auch", schloss de Micheli.

Pawel Wojciechowski, Koordinator des Rhein-Alpen-Schienengüterkorridors bei der EU bezeichnete die Vollendung der Neat als "echt europäische Leistung". Er freue sich, dass das Reisen zwischen Norden und Süden nun schneller werde und der Transport von Gütern in Europa "grüner".

Erklärung über die Stärkung eines umwelt- und klimafreundlichen Transportsystems

Die Erklärung über die Stärkung eines umwelt- und klimafreundlichen Transportsystems wurde auf dem Korrespondenzweg auch vom Fürstentum Liechtenstein sowie den weiteren Anrainerstaaten der beiden europäischen Schienengüterkorridore Rhein-Alpen und Nordsee-Mittelmeer (Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg) unterzeichnet, wie es in einer Mitteilung des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) heisst.

Wegen der Coronavirus-Pandemie musste die ursprünglich breit angelegte Verkehrsministerkonferenz auf die Nachbarländer beschränkt werden. Auch die EU-Kommission und Slowenien hätten der Erklärung zugestimmt und würden sie ebenfalls unterzeichnen, heißt es im Schreiben.

Italien verpflichtet sich zudem, die Simplon-Linie bis 2028 so auszubauen, dass Sattelauflieger mit vier Metern Eckhöhe auf der Bahn durchgehend bis zu den großen Umladeterminals in Norditalien transportiert werden können. Die Schweiz steuert zum Ausbau 148 Millionen Franken (137 Mio. Euro) bei. Das Geld auf Schweizer Seite stammt aus dem Kredit zum Ausbau der Zulaufstrecken zur Neat. (apa, sda)