Die Einlagensicherung steht heuer schon für zwei bankrotte Banken gerade, für die Ex-Meinl-Bank AAB und für die nach einem Bilanzbetrug zusammengebrochene Commerzialbank Mattersburg. Der Topf, den die Kreditwirtschaft befüllt, muss vor allem nach der Auszahlung von bis zu 490 Mio. Euro an betroffene Sparer der Commerzialbank ab heuer zusätzlich aufgefüllt werden, in fünf Jahrestranchen.

Mehrere Banken im Land tüfteln deshalb gerade an Vorschlägen, wie das für sie unbefriedigende Finanzierungs-System reformiert werden könnte.

"Risikobasiertes Beitragssystem"

"Das aktuelle System ist nicht ideal", sagte Volksbank-Wien-Chef Gerald Fleischmann zur APA. "Wer den Markt überzahlt und mehr Risiko eingeht, sollte mehr zur Kassa gebeten werden. Fleischmann schwebt ein "risikobasiertes Beitragssystem" vor. Banken in Risikoverbünden sollten außerdem im Vorhinein weniger zahlen müssen, findet er.

Raiffeisen-Bank-International-Chef Johann Strobl hat zuletzt die Idee eines Selbstbehalts für Einleger ventiliert. Die Hypo Niederösterreich wiederum kann dem wieder nichts abgewinnen.

Die gesetzlich fixierte Einlagensicherung springt nach Bankpleiten für Private und kleine Firmen bis zu 100.000 Euro ein, wenn Pleiteinstitute Einlagen nicht mehr auszahlen können. Die Sicherungseinrichtung ist zwar in Insolvenzverfahren Gläubiger ersten Ranges, bis tatsächlich etwas zurückkommt, kann es aber viele Jahre dauern.

"Über die Einlagensicherung sind wir alle betroffen vom Fall Mattersburg, obwohl wir keinen Kundenkontakt haben", sagte Fleischmann. "Die Commerzialbank hat hohe Zinsen gezahlt und den Markt ruiniert, und jetzt zahlen wir anderen Banken dafür."

Genossenschaftsmodell nicht in Verruf

Dass mit dem tiefen Fall der Commerzialbank auch der Ruf des Eigentümermodells der Genossenschaft Schaden nimmt, fürchtet Fleischmann nicht. "Das war ein glatter Betrugsfall." Dass Kunden zugleich Miteigentümer sind, verstärke die regionale Verankerung, sagt der Volksbanker. "Diese Rechtsform ist nichts anderes als eine Form des Crowdfunding."

Bei den Volksbanken, die selbst knapp 500.000 Genossenschaftsmitglieder haben, legten die Mitgliederzahlen in einigen Regionen zuletzt sogar zu. Heftige Haftungsregeln, die Nachschusspflichten bis zum Dreifachen der Einlage vorsahen, gibt es mit neuen Kapitalvorschriften in der Regel nicht mehr.

Über 90 Prozent der Genossenschaften hätten, so die Volksbanker, mittlerweile nur die Anteilshaftung. Das heißt, es gibt bei ihnen keine Nachschusspflicht.

Im Burgenland ist die Volksbank heute im Süden und rund um den Neusiedler See mit Bankfilialen vertreten. Im Raum Mattersburg ist die Gruppe seit Ende der 1990er Jahre nicht mehr.

Damals nämlich gab es auch bei den Volksbanken eine kleine rebellische Bank in Mattersburg, die damalige Volksbank Burgenland Mitte, die aus dem Sektor austrat. Sie fusionierte gleich danach mit einer ehemaligen GiroCredit-Tochter. 2003 wurde die vorübergehend in "Burgenländische Anlage- und Kredit Bank (BAnK)" ohne öffentlich viel Staub aufzuwirbeln von der Kärntner BKS geschluckt. (apa)