"Fruchtbomben" sollen die Weine aus dem heurigen Jahrgang werden, prophezeit Österreichs Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager in einer Pressekonferenz am Freitag. Die Erträge sollen mit etwa 2,3 Millionen Hektoliter zwar leicht unterdurchschnittlich ausfallen, insgesamt wird aber eine stabile Ernte erwartet. Geschmacklich werde es "ein klassisch österreichisches Weinjahr" - soll heißen: spritzig und fruchtig.

Die Hauptlese wird aufgrund des Witterungsverlaufes voraussichtlich etwas verspätet ab Ende September starten. Trotz der Corona-Pandemie machen sich die Vertreter der Weinwirtschaft keine Sorgen um einen etwaigen Ausfall von ausländischen Erntehelfern durch Grenzkontrollen und Grenzschließungen, wie zuletzt in Ungarn. "Es wird nicht so sein, dass die Ernte im Weingarten stehen bleibt, falls irgendein Land ganz zumacht", versicherte Schmuckenschlager.

Neben den Jungweinen liegt der Fokus auch immer stärker auf lagerfähigem Wein. Das Potenzial dazu sei auch 2020 durch eine Balance zwischen Säure und Zuckerkonzentration gegeben. Die hohe Zuckerkonzentration ergibt sich aus der späteren Reife und den kühleren Nächten.

Winzer vermissen Event-Absatz

So süß die Weine werden sollen, so bitter ist die wirtschaftliche Lage in der Weinbranche. Die Corona-Krise legte während des Lockdowns Gastronomie und Tourismus lahm. Vom Vorjahr lagern in den Kellern der Winzer noch hohe Weinbestände, die durch den Ausfall der Eventgastronomie schwer abzusetzen sind. Während sich die Landgastronomie langsam zu erholen scheint, gibt es im städtischen Bereich noch Aufholbedarf. Insgesamt sei die Weinindustrie "mit einem blauen Auge durch die Situation gekommen", sagt Christopher Yorke, Geschäftsführer der Österreichischen Wein Marketing (ÖWM). Das liegt vor allem auch am Wein-Tourismus, der diesen Sommer vom Trend zum Heimaturlaub profitiert hat. Viele Winzer haben auch begonnen, ihre Weine online zu vermarkten.

Während die Traubenpreise bei Winzern mit Verträgen bei rund 60 bis 70 Cent liegen, wird am "freien Traubenmarkt" um die Aufrechterhaltung von rund 50 Cent gekämpft. "Gerade im schwierigen Corona-Jahr appellieren wir vor allem an die von der Krise profitierenden Lieferanten und an den Lebensmittelhandel, korrekte und kostendeckende Traubenpreise zu bezahlen", sagt Weinbaupräsident Schmuckenschlager.

Ein großes Fragezeichen bleibt weiterhin der Wintertourismus. Mit Apres Ski und der Hotellerie bildet dieser nicht nur einen wichtigen heimischen Absatzmarkt, sondern auch die Basis für die Nachfrage nach österreichischen Weinen in Exportländern.

Für die Weinmessen arbeite man an corona-konformen Lösungen. Yorke spricht von Hybrid-Konzepten, nach welchen die Weine im Ausland von Händlern verkostet werden und den Winzern Online zugeschaltet werden. Auch Freiluftkonzepte kommen in Frage. Schmuckenschlager befürchtet, dass das Weinfestival "ProWein" in Düsseldorf nicht wie angesetzt im März 2021 stattfinden wird. Das Wiener Event "VieVinum" im Mai könnte damit als erste Weinmesse im deutschsprachigen Raum Österreich in den Mittelpunkt stellen. Zumindest im Wein, so die Winzer, hinterlässt das Corona-Krisenjahr keinen bitteren Beigeschmack.