Der Appetit auf Bio steigt. Die Pandemie tat der Nachfrage keinen Abbruch, im Gegenteil: Teilweise gab es während des Lockdowns sogar Engpässe bei Bio-Produkten. Auch bei biologischen Betrieben und Flächen gibt es Zuwächse, geben Agrarmarkt Austria (AMA) und Bio-Austria bei einer Pressekonferenz am Montag bekannt.

Neu ist das Marktwachstum biologischer Lebensmittel in Österreich nicht. 2019 konnte beim Bio-Gesamtumsatz bereits die Zwei-Milliarden-Euro-Marke gesprengt werden. Heuer zeigt sich im ersten Halbjahr eine Umsatzsteigerung im Lebensmitteleinzelhandel um 20 Prozent. Ging der Bio-Anteil im Supermarkteinkauf im Lockdown etwas zurück, kletterte er im Juni mit 10 Prozent erstmals in den zweistelligen Bereich. Spitzenreiter unter den Bio-Produkten sind Milch und Eier, gefolgt von Gemüse und Joghurt. Bei Fleisch, Fisch und Wurst ist der biologische Anteil noch relativ niedrig. Bio-Bauern werden vor allem in der Schweinefleischproduktion gesucht.

Bei landwirtschaftlichen Flächen stieg der Bio-Anteil in Österreich auf über 26 Prozent. Von den Betrieben erfüllen rund 22 Prozent die biologischen Voraussetzungen.

Zulauf bei Dirketvermarktern

Während des Lockdowns erhielten vor allem Direktvermarkter wie Hofläden und Webshops Zulauf. Gertraud Grabmann, Obfrau von Bio Austria, spricht hier von einer "Renaissance der Nahversorger". Einen Boom erlebten die Bio-Kistln, die direkt vor die Haustüre geliefert werden. Teilweise mussten die Anbieter daher sogar Neukunden abweisen.

Stark nachgefragt wurden während des Lockdowns auch Bio-Eier, da mehr gekocht und gebacken wurde. Die Regale der Bio-Eier seien zeitweise sogar leer geblieben, erzählt Grabmann. Der Anteil an Bio-Eiern sank während dieser Monate von 21 auf 17 Prozent. Im Juni stieg er wieder auf 25 Prozent.

Luft nach oben sehen AMA und Bio Austria noch in der Gastronomie – hier ist der Bio-Anteil vergleichsweise niedrig. Auch bei Regionalität gibt es Verbesserungspotenzial. Importierte Bio-Rohstoffe wie Hartweizengrieß könnten durch heimische Produktion ersetzt werden.

Hat die Corona-Krise den Bio-Trend verstärkt? "Ja, die Konsumenten haben in einer kritischen Phase ihr Interesse für Regionalität neu entdeckt", meint Michael Blass, Geschäftsführer der AMA-Marketing. Ob dieser Trend die Corona-Zeit überdauern wird, wird sich zeigen. AMA und Bio Austria zeigen sich jedenfalls zuversichtlich.