Im April 2020 verzeichneten Österreichs Handwerks- und Gewerbebetriebe einen Umsatzeinbruch von minus 31 Prozent - mitten im Lockdown brach die private und die öffentliche Nachfrage massiv ein.

Was jedoch noch weit schmerzhafter für die mehr als 230.000 heimischen Betriebe ist: Bis heute hat sich ihre Situation nicht wirklich verbessert. So zeigen die jüngsten Daten für das heimische Gewerbe und Handwerk, die am Dienstag von der KMU Forschung Austria im Auftrag der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) präsentiert wurden, für Juli und August 2020 immer noch ein Minus von sieben Prozent gegenüber den Vorjahresumsätzen der gleichen Monate.

Das bedeutet, dass die Gewerbe- und Handwerksbetriebe Monat für Monat 600 bis 700 Millionen Euro Umsatzeinbußen verzeichnen. Die Firmen erwirtschaften immerhin mehr als 20 Prozent des österreichischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) und umfassen rund 35 Prozent aller Arbeitgeberbetriebe des Landes.

11 Milliarden Euro Minus

"Wenn der Konjunkturmotor jetzt nicht anspringt, wird die Sparte am Jahresende fast 11 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahres-Umsatz eingebüßt haben", warnt Renate Scheichelbauer-Schuster, Bundesobfrau der Sparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ.

Einzelne Branchen und Unternehmen seien zudem weit überdurchschnittlich betroffen: Im August wiesen 33.000 Betriebe der Sparte sogar 25 Prozent und mehr an Umsatzeinbußen aus. Ohne die Maßnahmen der Regierung wie Stundungen, Kurzarbeit und den Fixkostenzuschuss wäre das überhaupt nicht zu schaffen, räumt die Spartenobfrau ein.

Zu jenen, die es besonders schwer getroffen hat, gehören Firmen aus dem Bereich Veranstaltungstechnik: "Die sind aus dem Lockdown eigentlich noch nicht zurückgekommen", meint Hermann Sileitsch von der WKÖ.

Angeschlagen zeigen sich aber auch Wellness-Dienstleister wie Friseure, Fußpfleger oder Masseure. "Wobei die Friseure direkt nach dem Lockdown überrannt wurden und ihr Minus so schnell wieder ausbalancieren konnten", so Sileitsch.

Herbst mit Auftragsdelle

Der Sektor Bauinstallation und Ausbaugewerbe hingegen habe sich zunächst noch gut durch den Lockdown navigiert, mittlerweile verspürt man aber auch dort einen massiven Einbruch. Die für den Herbst bereits befürchtete "Auftragsdelle" macht sich bemerkbar.

Wie schwer es die Unternehmen getroffen hat, lässt sich auch an ihrer Investitionsbereitschaft ablesen. Noch vor der Covid-19-Krise planten 49 Prozent von ihnen, Investitionen vorzunehmen. Mittlerweile sind es gerade noch 23 Prozent.

"Wir benötigen jetzt Konjunkturimpulse speziell für Gewerbe und Handwerk: Das sind der Handwerkerbonus, der Reparaturbonus und ein rascher Start der angekündigten Investitionspakete im Sinne der Nachhaltigkeit", fordert daher WKÖ-Spartenobfrau Scheichelbauer-Schuster.

Nur durch eine Belebung der öffentlichen, aber vor allem auch der privaten Nachfrage könne die drastische Umsatzlücke reduziert werden. "Ich sehe mit Sorge dem Herbst und Winter entgegen. Viele Kunden warten ab, die öffentliche Hand zögert. Wir fahren mit angezogener Handbremse."

Lichtblick Lehrlinge

Ein Lichtblick ist da die Personalentwicklung. Entgegen allen Warnungen und Kritik, die Betriebe hätten keinen Ausbildungswillen, hat es in der heimischen Wirtschaft mit Ende August sogar ein Plus bei den Lehrlingen von 0,6 Prozent auf 92.300 gegeben. Mehr als 44.200 von ihnen entfielen auf Gewerbe und Handwerk. Der Lehrlingsbonus und die Corona-Kurzarbeit, die auch für Lehrlinge offenstand, würden sehr helfen, so Scheichelbauer-Schuster.

In Summe gebe es im Gewerbe und Handwerk mehr verfügbare Lehrstellen als Lehrstellensuchende, allerdings mit einem Ost-West-Gefälle: Während in Wien Stellen fehlten, verzeichnen Oberösterreich, Salzburg oder Tirol einen Überhang.

"Viele Firmen berichten, dass sich zu wenige Lehrlinge bewerben bzw. dass sie keine finden", so Scheichelbauer-Schuster. Wenn die Kurzarbeit andauere, brauche es aber Weiterbildungsmaßnahmen für die Lehrlinge.

Beim übrigen Personalstand zeichnet sich laut KMU Forschung für das dritte Quartal ein erhöhter Bedarf ab.(mojo)