Obwohl die Preise für Benzin und Diesel während der Corona-Krise gefallen sind, war das Laden von Elektro-Autos immer noch deutlich billiger. Grundsätzlich fährt man am günstigsten, wenn das E-Auto zu Hause oder am Arbeitsplatz "getankt" wird, sagt Michael Soder, Energie-Experte der Arbeiterkammer (AK). Bei öffentlich-zugänglichen und gewerblichen E-Tankstellen hingegen gebe es einen Tarifdschungel.

Ein Vergleich der Preise sei für Konsumenten kaum möglich, sagte Soder am Mittwoch zu einer AK-Studie, für die die Preise der Ladestellen untersucht wurden. Das führe zu Unklarheit und Verwirrung und könnte den Umstieg auf E-Mobilität bremsen. "E-Mobilisten und -Mobilistinnen sehen sich immer noch einem jungen Markt in den Geburtswehen gegenüber." Die AK führte die Studie zum dritten Mal in Folge durch und untersuchte 36 Tarife von 18 Anbietern.

"Zwar ist der Preisvorteil des Haushaltsstroms in den letzten Jahren leicht gesunken, er bleibt aber grundsätzlich stabil bei in etwa 46 Prozent gegenüber dem durchschnittlichen Tarifvertrag", so die AK. Für eine 100 Kilometer lange Strecke lädt man zu Hause im Schnitt um 2,876 Euro. Etwa 80 Prozent der Ladungen erfolgen zu Hause oder am Arbeitsplatz, die übrigen an den 3.715 öffentlich zugänglichen Lademöglichkeiten.



Beim E-Tanken unterwegs besteht in Österreich eine Vertragsstruktur: Am häufigsten sei in Österreich der Vertragstarif mit Abrechnung nach Ansteckzeit, gefolgt von Direct-Payment Tarifen, die das ad-hoc-Laden und direkte Bezahlen an der Ladestation ermöglichen. Auch Pauschalen werden angeboten. Die Kosten für eine 100 Kilometer lange Strecke liegen im Schnitt bei 5,18 Euro bei einem Vertragstarif und bei Pauschaltarifen bei 3,928 Euro. Beim Direct-Payment werden im Durchschnitt 6,248 Euro fällig. Zum Vergleich: Das Tanken von Diesel und Benzin kostete 7,87 bzw. 8,057 Euro.

Forderung nach einheitlicher mengenbezogener Preisauszeichnung

Aber nicht nur zwischen den verschiedenen Preismodellen gibt es erhebliche Unterschiede, auch innerhalb der Modelle gehen Preise und Konditionen laut der Studie weit auseinander: Bei Tarifmodellen liegt die Differenz zwischen dem teuersten und billigsten Angebot bei 7,53 Euro, bei Pauschaltarifen bei 1,62 Euro und bei Direct-Payment Tarifen bei 3,89 Euro pro 100 Kilometer. "Im Einzelfall kann sogar die Situation auftreten, dass das Laden mittels Direct-Payment, also ohne vertragliche Bindung, durchaus günstiger ist als der eigene Tarif mit Vertragsbindung."

Um einfache und eindeutige Preisvergleiche anstellen zu können, soll es eine einheitliche mengenbezogene Preisauszeichnung (kWh) geben, so Soder. Dies wäre durch den Erlass einer Verordnung möglich. Die AK fordert auch erneut die Einrichtung eines E-Auto-Preismonitorings, vergleichbar zum Spritpreismonitor. Angesiedelt werden sollte diese Vergleichsmöglichkeit bei der Energieregulierungsbehörde E-Control, die das bereits vorhandene Ladepunktregister weiterentwickeln könnte.

Konsumenten selbst sollten auf die Ladeleistung der Station und die Ladeleistung ihres Autos achten, denn unabhängig von der tatsächlich geladenen Strommenge wird zurzeit die bereitgestellte Ladeleistung der Säule nach Ladedauer bezahlt. Die Anschaffungskosten von E-Autos werden in den kommenden Jahren spürbar sinken, auch ihre Ökobilanz werde sich künftig deutlich verbessern, meinte Soder. (apa/kle)