Der Lockdown und die folgenden Reisebeschränkungen für viele zentral- und südosteuropäischen Staaten nach Österreich hatte empfindliche Folgen für die sogenannten systemrelevanten Berufe. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw). Das deshalb, weil viele heimische Branchen auf Mitarbeiter aus dem Ausland - vor allem aus den östlichen Nachbarstaaten - angewiesen sind.

Allein die Visegrad-Staaten Ungarn, Polen, Tschechien und die Slowakei repräsentieren 43 Prozent aller ausländischen Beschäftigten in der Landwirtschaft. Und auch in der Pflege oder in der Herstellung von Nahrungs- und Futtermittel kommt ein Viertel beziehungsweise ein Drittel der Beschäftigten aus dem Ausland, vor allem aus Ost- und Südosteuropa. Die Einschränkung der Reisefreiheit habe die Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften offengelegt, so wiiw-Ökonomin Julia Grübler.

Kreditausfälle befürchtet

Was die Auswirkungen der Pandemie anbelangt, so treffen diese weniger resiliente südosteuropäische Staaten wie Rumänien, Bulgarien, Kroatien stärker als etwa Österreich. Während die meisten Bürger dort relativ glimpflich aus dem ersten Lockdown heraus gekommen sind, würden eine zweite Welle viele Haushalte und Betriebe in der Region nicht so einfach überstehen, meint Grübler.

Diese Ausfälle könnten sich auch auf die notleidenden Kredite in der Region auswirken, wie die Ökonomen warnen. Allerdings könnten die Kreditausfälle, wie auch nach der Finanzkrise 2008, zeitverzögert einsetzen, wenn Stundungen und Schonfristen enden. Österreich ist in zwölf Ländern in der Region unter den top fünf Investoren. Heimische Banken sind in ganz Mittel- und Osteuropa aktiv. Anders als nach der Finanzkrise, sind die Institute aber heute mit deutlich mehr Eigenkapital und besseren Kriseninstrumenten ausgerüstet.

Geschäft in Weißrussland

Viele Haushalte in der Region bekommen nicht nur die dortigen Wirtschaftseinbrüche samt Arbeitslosigkeit zu spüren. Sie sind auch von Arbeitsmarkteinbrüchen hierzulande oder in Deutschland betroffen. Kurzfristig sind viele Transfer- und Geldzahlungen von Verwandten in den westeuropäischen Staaten entfallen. Wie sich die Corona-Krise auf langfristige Investitionen in der Region auswirken wird, sei noch schwer abzuschätzen.

Ebenfalls Thema bei der online Studienpräsentation am Donnerstag waren Österreichs wirtschaftliche Beziehungen zu Weißrussland. Diese sind ob der anhaltenden Unruhen dort ins öffentliche Blickfeld geraten. Nach Russland und Zypern ist Österreich der drittgrößte Investor in der sogenannten letzten Diktatur Europas. Wegen der Dominanz Russlands allerdings mit einem Anteil an den ausländischen Investitionen von lediglich 11 Prozent. Zum Vergleich: In Slowenien entfallen 22 Prozent der ausländischen Investitionen auf Österreich.

Zu den dort tätigen Unternehmen zählen etwa die Telekom Austria, die Raiffeisenbank International (RBI) und die Vienna Insurance Group (VIG).