Die Pandemie hat Österreichs Unternehmen unterschiedlich stark getroffen. Fest steht: Leicht war sie für keines. Die pessimistische Einschätzung der Betriebe gegenüber dem Markt ist daher wenig verwunderlich. Überraschend ist jedoch, dass die Besorgnis um den Klimawandel trotz der Corona-Krise nicht nachgelassen hat. Im Gegenteil: Die Klimakrise beschäftigt nun noch mehr Führungskräfte als im Vorjahr, wie eine aktuelle, vom Unternehmensberater Deloitte in Auftrag gegebene Umfrage des Wiener Sora-Instituts zeigt.

Das Stimmungsbild, das sich aus den 614 Telefonbefragungen im Juli ergibt, ist insgesamt verhalten. Innerhalb des eigenen Betriebs überwiegt der Optimismus. Rund zwei Drittel der Befragten bewerten die Stimmung sowohl in der Geschäftsführung als auch in der Belegschaft positiv. "Mitten in der Corona-Krise haben die österreichischen Unternehmen ihren Optimismus nicht verloren - das ist eine erfreuliche Überraschung", sagt Christoph Hofinger, Geschäftsführer von Sora.

Bei der Markteinschätzung fällt die Bewertung wesentlich besorgter aus. "Hier sehen die Unternehmen tiefschwarze Wolken", so der Analyst. Auch wenn die negativen Folgen der Pandemie überwiegen, könne die Krise Anlass zur Innovation geben. "In dieser besonders schwierigen Zeit werden Geschäftsmodelle überdacht oder sogar verworfen", sagt Karin Mair von Deloitte.

Wünsche der Firmen
politisch schwierig

Den höchsten Stellenwert haben aktuell Reformen, die ihre Wirkung direkt im Betrieb entfalten. Besonders populär ist die Forderung nach einer Senkung der Lohnnebenkosten: Sie steht bei 95 Prozent der Befragten am Wunschzettel. Diese Forderung sei politisch schwierig umzusetzen, denn selbst eine geringe Senkung hätte enorme Auswirkungen auf das Bundesbudget, erklärt Bernhard Gröhs von Deloitte. 63 Prozent der befragten Firmen würden im Gegenzug jedoch eine Steuerverschiebung in andere Bereiche akzeptieren - etwa in den Energiebereich. Große Anliegen sind den Betrieben außerdem eine steuerliche Entlastung nicht entnommener Gewinne und die Vereinfachung bei Förderungen.

Klimasorgen sind
großes Thema

Im Vorjahr löste bei 24 Prozent der Unternehmen eine rückläufige Umsatz- und Gewinnentwicklung Kopfschmerzen aus - heuer betrifft es mehr als die Hälfte. Auch die sozialen Folgen und die mittelfristige Konjunkturschwäche bereiten mehr als 70 Prozent der Führungskräfte Sorgen. Auch wenn Covid-19 als Sorgenbereiter an erster Stelle steht, ist der Klimawandel weiter in den Vordergrund gerückt.

Vergangenes Jahr gab noch ein Drittel der Firmen an, nicht von der Klimakrise betroffen zu sein. Dieser Anteil hat sich nun halbiert. Zwei Drittel schätzen das Klima-Thema als globales Bedrohungsszenario ein. "Das beweist, wie wichtig den Unternehmen eine substanzielle Veränderung ist. Sie setzen bei ihren betriebswirtschaftlichen Entscheidungen nun verstärkt auf Nachhaltigkeit und Stabilität, dafür rücken Expansion und Risiko in den Hintergrund", analysiert Karin Mair.

Der Anstieg lasse sich durch ein gesteigertes Problembewusstsein der Führungskräfte erklären. Hinsichtlich der Maßnahmen zur Ökologisierung wird die Entwicklung der sicheren und leistbaren Energieversorgung am zuversichtlichsten bewertet. Auch ein geringerer CO2-Ausstoß durch weniger Dienstreisen sieht der Großteil realistisch. Die Studienautoren schließen aus der gewachsenen Klima-Sorge: Das Thema ist gekommen, um zu bleiben. Deshalb müsse die Ökologisierung schon während des Wirtschaftsaufbaus miteinbezogen werden, und nicht erst danach.

Flexibilität soll
langfristig zunehmen

Den Wunsch nach "Retro" gebe es aber auch in den anderen Bereichen nicht. Die überwiegende Mehrheit geht davon aus, dass die Flexibilität der Beschäftigten durch die Krise langfristig zunehmen wird. Das Arbeiten im Homeoffice dürfte bei mehr als der Hälfte auch nach der Pandemie zunehmen. Beim Thema Karrierechancen für Frauen glaubt die Mehrheit, dass die Corona-Krise nichts verändern wird.