Die Belegschaft von MAN Steyr steht noch immer unter Schock. Wie berichtet, will der deutsche Lastwagenhersteller MAN in Deutschland und Österreich aus Kostengründen bis zu 9.500 Stellen von rund 39.000 weltweit abbauen, der Standort MAN Trucks & Bus in Oberösterreich mit rund 2.300 Mitarbeitern soll bis 2023 geschlossen werden. Das wollen Betriebsrat und Gewerkschaften "mit allen Mitteln" verhindern, heißt es. Zu allerst werde man das Gespräch mit dem Vorstand suchen, sagte Arbeiter-Betriebsratsvorsitzender Erich Schwarz zur "Wiener Zeitung" am Mittwoch vor einer Betriebsversammlung, in der die Mitarbeiter über den geplanten Stellenabbau informiert wurden.

In der Belegschaft herrsche "blankes Entsetzen", so Schwarz. "Es geht um Existenzen", betonte er. Schwarz selbst ist seit 49 Jahren im Betrieb tätig. 1971 begann er eine Lehre bei der damaligen Steyr-Daimler-Puch AG, deren Lkw-Sparte 1990 an den MAN-Konzern verkauft wurde. Seit 2006 ist er Vorsitzender des Betriebsrats - und steht eigentlich kurz vor dem wohlverdienten Ruhestand. "Ich würde normalerweise mit 1. Jänner in Pension gehen", sagt er. Daraus wird nichts, denn jetzt muss die Arbeitnehmervertretung alle Kräfte bündeln.

Man werde im ersten Schritt Verhandlungen mit dem Vorstand aufnehmen und eine Gegenstrategie entwickeln, um den Standort Steyr halten zu können. MAN plane den Stellenabbau schon seit längerer Zeit - allerdings hatte man nicht mit einem derartigen Kahlschlag gerechnet - , daher habe man "schon etwas ausgearbeitet" , so Schwarz.

Ohne Personalabbau wird es nicht gehen

Fest stehe: Ohne - sozialverträglichen - Personalabbau werde es nicht gehen. Vor allem die Verwaltung werde davon betroffen sein, so Schwarz. Auch der deutsche MAN-Betriebsrat hat angekündigt, dem Vorstand eigene Vorstellungen zur Zukunft von MAN vorzulegen.

Von den rund 2.300 Beschäftigten in Steyr sind 1.500 als Mechaniker, Lackierer oder Schweißer in der Produktion von Lkw, Transportern, Bussen sowie Diesel- und Gasmotoren tätig. 700 Jobs gibt es im administrativen Bereich. Zudem bildet MAN Steyr derzeit 150 Lehrlinge aus.

Wie es nach der Betriebsversammlung hieß, sollen laut Management große Teile des Werks Trucks & Bus in Steyr nach Polen und in die Türkei verlegt werden.

Nachdem der MAN-Konzern in München prüft, ob und wie er die bis 2030 geltenden Standort- und Beschäftigungssicherungsverträge für Steyr vorzeitig kündigen kann, lassen auch die Arbeitnehmervertreter die Verträge anschauen.

Das Werk in Steyr gibt es seit 1914. Im Jahr 1919 lief die Produktion erster Lkw an. Ab 1948 gab es den ersten Steyr-Lkw mit Dieselmotor. 1989 erfolgte die Übernahme der Lkw-Sparte der Steyr-Daimler-Puch AG durch die MAN Nutzfahrzeuge AG, 1999 übernahmen die Oberösterreicher die gesamte Lastwagen-Fertigung der leichten und mittleren Baureihe von MAN.

Die MAN SE gehört zur deutschen Traton SE, deren Hauptaktionärin der Volkswagen-Konzern ist. VW hatte sich im Sommer überraschend von Traton-Chef Andreas Renschler und MAN-Chef Joachim Drees getrennt. Zuvor war der Streit darüber, wie die angeschlagene MAN neu aufgestellt werden soll, eskaliert. Zur Traton-Gruppe gehören auch Scania in Schweden und Volkswagen Caminhoes e Onibus in Brasilien.

MAN schrieb nach einem Betriebsgewinn von 253 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2019 von Jänner bis Juni 2020 einen Verlust von 387 Millionen Euro. Der Traton-Gruppe brockte MAN damit einen Verlust von 220 Millionen Euro ein, nach mehr als einer Milliarde Euro ein Jahr zuvor.