Die Inflation in Österreich ist im August auf 1,4 Prozent gesunken. Im Juli war die Teuerungsrate noch bei 1,7 Prozent gelegen. Vor allem Kleidung wurde wegen des Sommerschlussverkaufs deutlich günstiger verkauft. Auch die Kosten fürs Autofahren sanken, die Treibstoffe verbilligten sich um 14 Prozent gegenüber dem August 2019, teilte die Statistik Austria am Donnerstag mit.

"Hauptverantwortlich für den Rückgang der Inflation gegenüber dem Vormonat war die Preisentwicklung bei der Kleidung. Nachdem der Sommerschlussverkauf im Juli wesentlich schwächer als in den Vorjahren ausgefallen war, folgte im August eine dynamischere Schlussverkaufswelle. Dadurch war Mode im August verglichen mit dem Vorjahr deutlich billiger", erklärte Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas in der Aussendung. Im Schnitt waren Bekleidungsartikel im August um 2,2 Prozent günstiger.

Hauptpreistreiber waren einmal mehr die Kosten fürs Wohnen. Die Preise für Wohnung, Wasser, Energie stiegen im Jahresabstand durchschnittlich um 2,3 Prozent. Mieten stiegen um 4,6 Prozent, die Strompreise um 5,4 Prozent. Die Instandhaltung von Wohnungen kostete um 3,2 Prozent mehr. Haushaltsenergie verbilligte sich durchschnittlich um 1,2 Prozent. Das ist vor allem auf stark gefallene Heizölpreise zurückzuführen. Heizöl wurde um 26,4 Prozent günstiger. Moderat verbilligten sich die Preise für Gas (-1,4 Prozent), Fernwärme (-0,8 Prozent) und feste Brennstoffe (-0,5 Prozent).

Für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke musste um 2,4 Prozent mehr bezahlt werden. Ausschlaggebend dafür war die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise. Fleisch verteuerte sich um 3,4 Prozent und Obst um 7,2 Prozent. Milch, Käse und Eier insgesamt kosteten um 3,1 Prozent mehr. Die Preise für Brot und Getreideerzeugnisse sowie für Gemüse stiegen hingegen leicht um rund ein Prozent. Alkoholfreie Getränke verteuerten sich um 2,7 Prozent. Auch die Wirtshausrechnung wurde - trotz der Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie - im Schnitt um 3,7 Prozent teurer. Beherbergungsdienstleistungen dagegen kosteten um 0,8 Prozent weniger.

Der tägliche Einkauf verzeichnet ein Plus von 4,0 Prozent

Das Preisniveau des Mikrowarenkorbs, der überwiegend Nahrungsmittel, aber auch Tageszeitungen oder den Kaffee im Kaffeehaus enthält und den täglichen Einkauf repräsentiert, stieg im Jahresvergleich um 4,0 Prozent. Das Preisniveau des Miniwarenkorbs, der einen wöchentlichen Einkauf abbildet und neben Nahrungsmitteln und Dienstleistungen auch Treibstoffe enthält, ging im Jahresabstand um 0,6 Prozent zurück.

Zu Beginn der Coronavirus-Pandemie war die Inflation in Österreich wegen des Ölpreisrutschs im Mai auf 0,7 Prozent abgesackt, im Juni dann aber wieder auf 1,1 Prozent gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für den gesamten Euroraum eine Inflation von knapp zwei Prozent an. Die für Eurozonen-Vergleiche ermittelte Harmonisierte Inflationsrate (HVPI) betrug ebenfalls 1,4 Prozent.

Wie im Juli hätten die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus hauptsächlich den Reise- und Unterhaltungsbereich betroffen und in marginalem Ausmaß die Berechnung der August-Inflationsrate beeinflusst, hieß es.

Verbraucherpreise in Eurozone erstmals seit vier Jahren gesunken

In der Eurozone sind die Verbraucherpreise im August erstmals seit etwa vier Jahren wieder gesunken. Die Inflationsrate habe im Vergleich zum Vorjahr minus 0,2 Prozent betragen, teilte das Statistikamt Eurostat am Donnerstag nach einer zweiten Schätzung in Luxemburg mit. Eine erste Erhebung wurde damit bestätigt. Im Juli hatte die Inflationsrate noch 0,4 Prozent betragen.

Rückläufig waren abermals die Preise für Energie. Industriell gefertigte Waren verbilligten sich leicht. Dienstleistungen verteuerten sich zwar gegenüber dem Vorjahresmonat, aber nur schwach. Die Preissteigerungen von Lebens- und Genussmitteln schwächten sich ab.

Die Kernteuerung ohne Lebensmittel und Energie sank stark von 1,2 auf 0,4 Prozent. Dies verdeutlicht den allgemein schwachen Preisauftrieb, wohl auch eine Folge der schweren Corona-Rezession. (apa/dpa)