50 Milliarden Euro von der Bundesregierung, dazu noch Milliarden von der Europäischen Union. Für Kurzarbeit, für Gemeindekassen, für Unternehmen, für die Senkung der Einkommenssteuer - genügend Geldmittel, um die Wirtschaft anzukurbeln. Um Unternehmen liquide zu halten. Um Unternehmen die Scheu vor Krediten zu nehmen, damit sie wieder investieren, produzieren und Arbeitsplätze schaffen.

So funktioniert das Notfallsszenario, wenn es einmal schlecht läuft. Die Folgen der staatlichen Geldmittel wären mehr Arbeitsplätze, damit mehr Einkommen für die Haushalte und damit mehr Geld, um einzukaufen, um den Konsum anzukurbeln. Die Wirtschaft würde florieren und - weil es mehr Nachfrage gibt - auch die Inflationsrate würdesteigen.

Doch das tut sie nicht. Die Inflation in Österreich sank im August auf 1,4 Prozent. Im Vormonat waren es noch 1,8 Prozent. Damit entfernt sich Österreich vom Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB), das bei 2,0 Prozent liegt. Warum ist das so?

Keine Investitionen, keine Jobs

Trotz billiger Zinsen und unfassbarer Gelder durch Staat und EU nehmen die Unternehmen derzeit kaum Kredite auf. Sie sind pessimistisch, dass sich die wirtschaftliche Lage bald verbessern wird, und halten sich zurück. Keine Investitionen, kein Anstieg der Produktion, keine neuen Jobs.

Damit sinken auch die finanziellen Möglichkeiten in den Haushalten. Das Ergebnis: Die Menschen geben weniger Geld aus, die Nachfrage sinkt.

Wenn die Nachfrage sinkt, werden die Waren billiger. Vor allem Kleidung wurde deutlich günstiger verkauft. Auch die Kosten fürs Autofahren sanken, die Treibstoffe verbilligten sich um 14 Prozent gegenüber dem August 2019, teilte die Statistik Austria am Donnerstag mit.

Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas erklärt: "Hauptverantwortlich für den Rückgang der Inflation gegenüber dem Vormonat war die Preisentwicklung bei der Kleidung. Nachdem der Sommerschlussverkauf im Juli wesentlich schwächer als in den Vorjahren ausgefallen war, folgte im August eine dynamischere Schlussverkaufswelle. Dadurch war Mode im August verglichen mit dem Vorjahr deutlich billiger." Im Schnitt waren Bekleidungsartikel im August um 2,2 Prozent günstiger.

Doch nicht alles wurde billiger. Hauptpreistreiber waren einmal mehr die Kosten fürs Wohnen. Die Preise für Wohnung, Wasser, Energie stiegen im Jahresabstand durchschnittlich um 2,3 Prozent. Mieten stiegen um 4,6 Prozent, die Strompreise um 5,4 Prozent.

Doch warum wurde Wohnen in der Krise teurer?

Bereits seit 2015 bringt die EZB frische Gelder durch den Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen in Umlauf. Anfang Juni hatte die Zentralbank ihr Kaufprogramm sogar auf 1,35 Billionen Euro verdoppelt. Das Geld, vorgesehen für Kredite von Unternehmen, fließt aber stattdessen in Kredite für den Erwerb von Immobilien, vor allem in Vorsorgewohnungen. Das treibt den Preis.

Höhere Preise für Nahrungsmittel

Teurer wurden auch Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke. Für sie musste um 2,4 Prozent mehr bezahlt werden. Ausschlaggebend dafür war die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise. Fleisch verteuerte sich um 3,4 Prozent und Obst um 7,2 Prozent. Milch, Käse und Eier insgesamt kosteten um 3,1 Prozent mehr.

Die Preise für Brot und Getreideerzeugnisse, Gemüse stiegen hingegen leicht um rund ein Prozent. Alkoholfreie Getränke verteuerten sich um 2,7 Prozent. Auch die Wirtshausrechnung wurde - trotz der Mehrwertsteuersenkung für die Gastronomie - im Schnitt um 3,7 Prozent teurer.

Die höheren Kosten von Nahrungsmitteln, Getränke und Wohnen fließen genauso in die Berechnungen der Inflationsrate, wie die niedrigeren Kosten für Kleidung und Treibstoffe. Sie wirken schwerer und bescheren der Inflation einen Rückgang auf 1,4 Prozent.

"Die Inflation im Euroraum ist beharrlich zu niedrig geblieben, und es besteht das Risiko, dass dieser Trend anhält."

Olli Rehn, EZB-Ratsmitglied

Auch in der gesamten Eurozone sank die Inflationsrate - um 0,2 Prozent auf 0,2 Prozent. "Die Inflation im Euroraum ist beharrlich zu niedrig geblieben, und es besteht das Risiko, dass dieser Trend anhält", sagt Finnlands Notenbank-Chef und EZB-Ratsmitglied Olli Rehn. Es bestehe nun die Gefahr, dass die Eurozone für lange Zeit in eine Falle aus schwachem Wachstum und schwacher Inflation gerät, fügt er hinzu.

Dieser Einschätzung wird in der Zentralbank wohl niemand wiedersprechen. Vielmehr könnte nun sogar das Idealziel von 2,0 Prozent fallen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde kündigte jedenfalls zuletzt an: "Vertrauen Sie darauf, wir werden an unserer Strategie arbeiten."