Wäre die Kryptowährung ein Filmstar, dann wäre sie 2017 zum A-Promi aufgestiegen, hätte Verfahren wegen Drogenmissbrauchs am Hals und neben eingefleischten Fans auch jede Menge Kritiker. Nun sind Krypto-Assets keine Hollywood-Stars, sondern digitale Zahlungsmittel, und die Kritiker Nationalbanken und Finanzminister. Doch die Parallelen - auch zur Illegalität - bleiben.

2019 kam der Internet-Riese Facebook mit der Ankündigung einer eigenen digitalen Privatwährung ins Spiel: Libra. Damit fachte er die Debatten der EU zu einem Regelwerk für Kryptowährungen ordentlich an. Obwohl inzwischen eine Anpassung vorgenommen wurde, treibt Libra der EU tiefe Sorgenfalten auf die Stirn. Was ist an den digitalen Währungen - allen voran Libra - so heikel?

Nichts als
Bits und Bytes

Erfunden wurde Kryptogeld während der Finanzkrise 2008 als Gegenstück zu instabilen Währungen wie dem Euro oder Dollar. Mittlerweile schwirren mehr als 4.000 Kryptowährungen in der virtuellen Welt umher - Bitcoin, Etherum und Litecoin sind darunter die bekanntesten. Ihre Werthaltigkeit wird - anders als bei herkömmlichen Währungen - nicht durch Zentralbanken garantiert, sondern allein durch das Vertrauen der Nutzer. "Es sind einfach nur Bits und Bytes, die genau das sind. Solange ich jemanden finde, der mir dafür eine übliche Währung zahlt, ist es gut - wie ein Sammlerstück", erklärt Bernd Lausecker, Finanzexperte beim Verein für Konsumenteninformation (VKI). "Wenn ich keinen finde, dann sind die Dinger halt auch nichts mehr wert."

Diese Struktur macht Kryptowährungen zu einem hochspekulativen Geschäft mit hoher Volatilität. Innerhalb kürzester Zeit kann sich ihr Wert um 30 Prozent steigern und im nächsten Schritt um 40 Prozent reduzieren. Eine große Problematik - und auch gleichzeitig eine große Stärke - sei die Anonymität der Kryptowährungen, sagt Lausecker. "Wenn sie weg sind, dann sind sie weg. Niemand kann mehr nachweisen, dass ich diese Krypto-Assets eigentlich besitzen sollte." Immer öfter wird Kryptogeld daher für Geldwäsche missbraucht - darunter fallen auch Korruption und Terrorismusförderung. "Krypto bedeutet vielfach auch Betrug", formuliert Christian Prantner von der Arbeiterkammer Wien (AK).

EU plant
ein Regelwerk

Dieser kriminelle Beigeschmack ist auch einer der Gründe, warum die EU-Kommission ein Korsett für digitale Währungen schnürt. Sie möchte noch im September entsprechende Vorschläge zur Regulierung vorlegen.

In Österreich wurde schrittweise begonnen, die digitalen Währungen in die Regulierung miteinzubeziehen. Seit Jahresbeginn ist in Österreich etwa das Geldwäschegesetz in Kraft. "Dieses Gesetz sieht vor, dass Anbieter von Krypto-Assets die gleichen Verpflichtungen zur Geldwäscheprävention haben wie normale Finanzdienstleister", sagt ein Sprecher der Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA). Große Teile seien derzeit aber noch unreguliert, weshalb auf europäischer Ebene an weiteren Regulierungen getüftelt wird.

Facebooks Libra
als Schreckgespenst

Angefacht wurde die Debatte, als Facebook 2019 die Einführung von Libra ankündigte. Damit kamen noch ganz andere Befürchtungen als bei den anderen Kryptowährungen ins Spiel. Deutschland drohte in einer gemeinsamen Erklärung mit fünf großen EU-Staaten notfalls sogar mit einem Verbot.

"Libra ist definitiv eine andere Kategorie", sagt Krypto-Experte Beat Weber von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Im Gegensatz zu Bitcoin wäre Libra kein spekulatives Anlageobjekt, sondern würde als neue globale Privatwährung viele Probleme aufwerfen. Libra könne die Marktverhältnisse verschieben und "wäre eine Konkurrenz zur offiziellen Währung", sagt Weber. Zwar gibt es bei Libra technische Gemeinsamkeiten mit dem Bitcoin-Universum, die Ausrichtung sei aber eine andere. "Zentrales Unterscheidungsmerkmal ist, dass ein zentraler Verantwortlicher dahintersteht, der einen Massenmarkt erreichen will und ein Stabilitätsversprechen abgibt."

Ein Dorn im Auge sei der EU außerdem, dass es Anzeichen gibt, Regulierungen ausweichen zu wollen. "So wie das Projekt gestaltet war, hat man den Eindruck gehabt, es würde ihnen vor allem darum gehen, bestehenden Regulierungen auszuweichen", sagt Weber. Dazu gehört auch, dass sich die Libra Association außerhalb der EU registrieren möchte. Sie hat ihre Niederlassung in der Schweiz und hat dort eine Lizenz beantragt.

Anders als bei einem Eurozahlungsmittel muss mit einem Stablecoin wie Libra keine Banklizenz mühsam erworben werden. "So was ist nicht vertrauenserweckend und muss dann notfalls mit einer Anpassung des Regulierungsrahmens beantwortet werden", so Weber. Das Umgehen der Regulierungen würde auch Risiken für die Nutzer bedeuten. Heuer wurde das Projekt zwar neu angepasst und das Thema "neue globale Privatwährung" rückte damit in den Hintergrund. Wo aber aus behördlicher Sicht nach wie vor Bedenken bleiben, ist die Konstruktion der Libra Association.

Problematische
Machtverhältnisse

Hinter Libra steckt der Internet-Gigant Facebook. "Gerade wenn es sich um so einen großen Ausgeber wie die Libra Association handelt, die bereits eine enorme Marktmacht in anderen Bereichen aufweist, kann das eine potenzielle Bedrohung des fairen Wettbewerbs sein", erklärt Weber. Zwar heißt es, Facebook werde mit dem Start von Libra die Führung gänzlich abgeben. Doch "dass Facebook aus dem Spiel ist, ist definitiv nicht geplant", so Weber. Rund um Libra solle nämlich ein "Öko-System" aufgebaut werden. Alle Beteiligten hätten ein Interesse daran, dort ihre Dienstleistungen anzubieten und ihre Geschäftsstrategien auszuweiten. Facebook sei dabei "nicht böser" als andere, meint Weber. Es sei jedoch die Verknüpfung von Daten aus dem Zahlungsgeschäft mit Daten aus anderen Branchen, die die Möglichkeit von Marktmissbrauch nahelegen könnte. Daher müsse man mit den Regulierungen Schritt halten. Dann sei Libra hoffentlich ein Auslöser von interessanten Innovationen.