Aktuell sind 403.398 Personen beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldet, das sind um rund 75.000 mehr als vor einem Jahr. Im Vergleich zur Vorwoche sank die Zahl der Arbeitslosen um 560. In Kurzarbeit befinden sich 296.486 Personen, um 92.000 weniger als vor einer Woche. In Beherbergung und Gastronomie waren 158.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit (Stand 17.9.), für rund 140.000 wurden bisher 490 Millionen Euro ausbezahlt.

Diese Zahlen präsentierten heute Arbeitsministerin Christine Aschbacher und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (beide ÖVP) bei einer Pressekonferenz und verwiesen auf eine "solide Entwicklung für Mitte September".

Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit sei - "entgegen den Erwartungen der Experten" - noch nicht eingetreten. "Seit Mitte April haben wir rund 185.000 wieder in Beschäftigung bringen können", berichtete Aschbacher. Doch: "Der Herbst beziehungsweise der Winter wird herausfordernd", betonte die Ministerin unter Verweis auf saisonale Effekte zusätzlich zur Coronakrise. "Wir befinden uns nach wie vor in einer Ausnahmesituation und in einer Weltwirtschaftskrise, die uns das Coronavirus beschert hat."

Am härtesten von der Arbeitslosigkeit betroffen seien nach wie vor der Tourismus, aber auch die Logistikbranche, die Kunst- und Unterhaltungsbranche sowie die Freizeitwirtschaft. "Speziell der Städte- und Kongresstourismus leiden", ergänzte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger. Wien habe bei den Nächtigungen einen Rückgang von 86 Prozent verbucht. "Das ist schon sehr existenzbedrohend."

Zusätzlich regnet es angesichts steigender Covid-19-Infektionszahlen Reisewarnungen, am Dienstag kam eine vonseiten der holländischen Regierung für Wien und Innsbruck hinzu. Die Schweiz, Deutschland, Belgien und Dänemark hatten schon davor von Reisen nach Österreich bzw. Wien abgeraten. Für das Gesamtjahr 2020 rechne das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) für den Tourismus jetzt schon mit einem Einbruch bei den Nächtigungen von bis zu 30 Prozent gegenüber 2019.

Kurzarbeit, Neustartbonus und Corona-Arbeitsstiftung

Dank der Kurzarbeit seien aber alleine im Tourismus fast 100.000 Jobs gesichert worden. "Die Kurzarbeit war das absolut wichtige und richtige Instrument", sagte Köstinger. "Die Kurzarbeit wird um weitere sechs Monate verlängert, das wird uns über den Winter bringen."

"Ab Oktober wird es möglich sein, die Anträge für die Phase 3 der Corona-Kurzarbeit zu stellen", erinnerte Aschbacher. Bei der Abrechnung bisher liegt das Ministerium bei über 4,7 Milliarden Euro - 97 Prozent der Anträge seien bearbeitet. Am intensivsten beansprucht wird die Kurzarbeit der Ministerin zufolge im Bereich Warenherstellung - mit rund 140.000 Personen, was aber gegenüber dem Höchststand ein Minus von rund 100.000 bedeute. Im Tourismus seien derzeit rund 28.000 Arbeitnehmer in Kurzarbeit.

In der Krise stünden neben der Kurzarbeit der Neustartbonus und die Corona-Arbeitsstiftung als Instrumente zur Verfügung, um die Arbeitslosigkeit abzufedern. Speziell für die stark betroffenen Branchen soll in der neuen Phase der Kurzarbeit ab Oktober die Mindestarbeitszeit von 30 Prozent "unterschritten werden können, zum Beispiel wird für die Stadthotellerie vielleicht 10 Prozent notwendig sein", so Aschbacher.

Die Ministerin appellierte weiters an Arbeitssuchende, die Zeit jetzt zu nutzen und in die Corona-Arbeitsstiftung zu gehen, die sie als größte Weiterbildungsoffensive der vergangenen Jahrzehnte bezeichnete. Dort könne man sich weiterentwickeln und qualifizieren - "zum Beispiel im Tourismus mit Digitalisierungskurse und Sprachkursen". (apa/mojo)