Die heimischen Tourismusunternehmen beobachten in Hinblick auf die kommende Wintersaison mit Bangen die Entwicklung der Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Deutschland und Belgien haben vergangene Woche Reisewarnungen für Wien ausgesprochen, Dänemark hat ganz Österreich zum Corona-Risikoland erklärt. Die niederländische Regierung warnt seit Dienstag vor Reisen in die Bundeshauptstadt - und in Tirols Landeshauptstadt Innsbruck.

Wenn die Infektionskurve nicht abflacht, schaut es nicht gerade rosig aus. Ziel von Tourismusministerin Elisabeth Köstinger ist es, dass die Reisewarnungen wieder aufgehoben werden, wie sie am Freitag in einer Pressekonferenz sagte.

Starke Abhängigkeit von deutschen Gästen

Der Wintertourismus ist in einem hohen Ausmaß von ausländischen Gästen abhängig. Von den Gesamtnächtigungen in Höhe von 72,9 Millionen in der - noch nicht durch das Coronavirus beeinträchtigten - Wintersaison 2018/2019 (November bis April) entfielen 56,4 Millionen oder rund 77 Prozent auf ausländische Gäste. 26,9 Millionen Übernachtungen entfielen auf Reisende aus Deutschland, gefolgt von Niederländern (6,3 Millionen).

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Dabei geht es nicht nur ums Schifahren und Langlaufen, sondern auch um Weihnachtsmärkte, Bälle, Kongresse und Messen in den Städten. So war jeder sechste Gast in Wien in der Wintersaison 2019/2020 (November bis April) aus Deutschland. In Summe wurden rund 940.000 Übernachtungen von deutschen Reisenden in Wien gezählt, nach fast 1,4 Millionen in der vorigen Wintersaison.

Zur Erinnerung: Ab 4. April 2020 trat in Österreich ein behördlich verordnetes Verbot des Betretens von Beherbergungsbetrieben zum Zweck der Erholung und Freizeitgestaltung in Kraft, das bis Ende Mai galt. In den Skigebieten war die Wintersaison wegen zunehmender Fälle von Corona-Infektionen schon Mitte März vorzeitig beendet worden. Tourismus-Hotspots wurden unter Quarantäne gestellt.

Fast 300.000 Menschen in Kurzarbeit

Die Zahl der Arbeitslosen, vor allem aus dem Beherbergungs- und Gastronomiebereich, schnellte im Gefolge der sich ausbreitenden Pandemie in die Höhe. Aktuell sind 403.398 Personen beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldet. Das sind um rund 75.000 mehr als vor einem Jahr und um 560 weniger als in der Vorwoche.

In Kurzarbeit befinden sich 296.486 Personen, um 92.000 weniger als vor einer Woche. In Beherbergung und Gastronomie waren mit Stand vom 17. September 158.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit, für rund 140.000 wurden bisher 490 Millionen Euro ausbezahlt. Ministerin Aschbacher richtete an die Unternehmen die Bitte, das Instrument der Kurzarbeit zu nutzen und Mitarbeiter nicht zu kündigen.

Strenge Auflagen für die Skisaison

Köstinger vermerkte positiv, dass in der Sommersaison um 30 Prozent mehr Österreicher Urlaub in Österreich gemacht haben, was sich positiv auf die Bilanz auswirkte. Ob Einheimische die Wintersaison retten werden können, ist fraglich. Fest steht, dass strenge Auflagen kommen. Mund-Nasen-Schutz und Mindestabstand werden Gäste und Touristiker durch die Saison begleiten, Après-Ski so wie bisher wird es nicht geben. Gesundheitsminister Anschober: "Es kommt nur in Frage, was verantwortbar ist."

Wie der Obmann des Fachverbands der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer, Franz Hörl, unlängst ausführte, ist seine Branche für eine verpflichtende Registrierung der Gäste beim Après-Ski und in den Diskotheken der Wintersportorte, für eine Zwischensperrstunde ab etwa 18.30 oder 19.00 Uhr, in der die Lokale gereinigt und desinfiziert werden, sowie für eine Reglementierung der Gästezahl.  (ede/apa)