Gewerkschaft und Arbeitgeber haben sich überraschend bereits in der ersten Verhandlungsrunde auf einen neuen Kollektivvertrag für die 130.000 Beschäftigen in der Metalltechnischen Industrie geeinigt. Die Coronakrise führte zu einem schnellen Abschluss. Die Ist- und KV-Löhne sowie -Gehälter steigen ab November um 1,45 Prozent. Außerdem gibt es eine Empfehlung an die Betriebe, eine Coronaprämie von 150 Euro auszuschütten.

Die Arbeitgeber sind mit dem coronabedingt historisch schnellen Abschluss zufrieden. "Es war sehr wichtig, einen sehr raschen Abschluss zu erreichen", sagte der Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI), Christian Knill, vor Journalisten. Man habe nicht eine große Unruhe durch lange Kollektivvertragsverhandlungen in die Unternehmen bringen wollen, so Knill. Die Metalltechnische Industrie erwartet aufgrund der Coronakrise heuer einen Umsatzeinbruch von rund 20 Prozent.

Die Einigung erfolgte am ersten Tag der Kollektivvertragsverhandlungen. Im Vorfeld der Verhandlungen wollten die Arbeitgeber eigentlich die KV-Verhandlungen auf 2021 verschieben. "Bei dieser Lohnrunde ist sehr viel anders", sagte der gewerkschaftlichen Chefverhandler, Rainer Wimmer (Pro-Ge). Man habe in dieser Situation "große Verantwortung" übernommen.

Die gesamte Metallindustrie umfasst 190.000 Beschäftigte. Seit 2012 verhandeln die sechs WKÖ-Fachverbände bzw. Berufsgruppen auf Wunsch der Arbeitgeber und gegen den Widerstand der Gewerkschaften die Kollektivverträge getrennt. Der Abschluss in der Metalltechnischen Industrie gilt als richtungsweisend und als Vorlage für die weiteren Kollektivverträge.

Im Handel werden die KV-Gespräche schwierig, wie WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik sagte. "Wir werden differenzieren müssen", betonte er. Denn während der Lebensmittelhandel ganz gut dasteht, rollt im Modebereich bereits die Insolvenzwelle.

Die Gewerkschaft hat sich zuletzt für Einmalzahlungen ausgesprochen, die sich am betriebswirtschaftlichen Erfolg des jeweiligen Unternehmens orientieren sollen. Wer gut verdiente, soll mehr bezahlen. Wer nicht gut verdiente, soll dennoch so viel zahlen, dass die Kaufkraft gesichert und gestärkt wird.

Die Idee ist nicht neu. 2009 gab es für die Beschäftigten der Metallindustrie einkommensunabhängig eine Einmalzahlung von 100 bis 250 Euro, die sich nach der Höhe des Betriebsergebnisses (Ebit) des jeweiligen Unternehmens richtete. Etwas Ähnliches wollen die Arbeitnehmervertreter  bei den Kollektivvertragsverhandlungen für die Handelsangestellten durchsetzen. (apa)