Die heimischen Verarbeiter von Papier- und Kartonverpackungen sind bisher mit nur leichten Schrammen durch die Corona-Krise gekommen. Der Umsatz der Branche ging heuer in den ersten fünf Monaten um nur 1,6 Prozent auf rund 1 Milliarde Euro zurück. "In der gemessenen Tonnage liegen wir mit plus 0,4 Prozent auf 508.000 Tonnen bei einer leicht schwarzen Null", sagte der Obmann des Branchenverbands Propak, Georg Dieter Fischer, heute in der erstmals virtuellen Jahrespressekonferenz.

Im "diesem sehr kritischen zweiten Quartal", als die Covid-19-Pandemie so richtig einsetzte, habe die österreichische Wirtschaft laut Statistik Austria einen Einbruch von 14,3 Prozent erlitten und die gesamte industrielle Produktion ein Minus von fast 18 Prozent verzeichnet." In diesem Kontext hat Propak einen Rückgang von rund 6 Prozent erfahren", erklärte Fischer.

Insgesamt komme die Branche "robust und resilient" durch die Krise, so der Verbandschef. "Wir werden im Alltag gebraucht, wir sind sehr nah dem Konsumenten und dem täglichen Konsum." Die einzelnen Bereiche hätten sich freilich höchst unterschiedlich entwickelt. "Lebensmittel und Pflegeprodukte, pharmazeutische Produkte und Waschmittel gehen sehr gut - Duty-free-Produkte, also hochwertige Kosmetik, Schoko- und Pralinenprodukte, gehen überhaupt nicht", berichtete MM-Packaging-Vorstand Andreas Blaschke.

Propak repräsentiert den Angaben zufolge über 85 industrielle Hersteller von Produkten aus Papier und Karton, die mit 8.853 Mitarbeitern jährlich über 1 Million Tonnen Papier und Karton verarbeiten.

Wenig Einschnitte beim Personal


"Beim Personal haben wir bisher relativ geringe Anpassungen vornehmen müssen - das wird sich auch nicht groß ändern", hielt Fischer fest. Die Branche habe auch das von der Regierung angebotene Instrument der Kurzarbeit in Anspruch genommen: "7 Prozent der Mitarbeiter sind noch in Kurzarbeit, das sind in etwa 425 Beschäftigte", so der Verbandschef.

Die Arbeit werde mit einer Exportrate von 75 Prozent "hauptsächlich für das Ausland, für ausländische Märkte" gemacht. Sehr viele Grundstoffe würden zudem importiert. Stolz ist der Branchenverband auf die Recyclingquote seiner Mitgliedsunternehmen von 85 Prozent. "Wir erfüllen heute schon die Forderung der EU, die laut 'Green Deal' 2030 erreicht werden sollte", betonte Fischer.

Das konjunkturelle Umfeld ist infolge der Corona-Krise freilich düster: "Wir sehen die Weltwirtschaft heuer um 3,7 Prozent schrumpfen und der Euroraum ist mit minus 8 Prozent wesentlich schlechter unterwegs", sagte die Chefvolkswirtin der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Doris Ritzberger-Grünwald, unter Verweis auf Prognosen der Europäischen Zentralbank (EZB). "2021 werden wir einen deutlichen Wirtschaftsaufschwung erleben - die plus 5 Prozent für den Euroraum sind natürlich zu relativieren", betonte die Ökonomin. Für Österreich rechnet die Nationalbank heuer mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 7,2 Prozent.

"Es ist ein einzigartig starker Einbruch - die Finanzkrise 2008/09 war mit minus 3,6 Prozent nur halb so schlimm wie die jetzige", betonte Ritzberger-Grünwald. Der "große Unterschied" sei auch, dass der private Konsum damals eine Art stabilisierender Faktor gewesen sei. "Jetzt ist der private Konsum drastisch eingebrochen." Die Österreicher sparten mehr als früher. "Der Konsum ist relativ niedrig und schwächelt vor sich hin."

Die weitere Konjunkturentwicklung werde von den Infektionszahlen abhängen - entsprechend könne die Wirtschaft agieren. Österreich habe sich von der Spitzenposition wegbewegt, sei abgerutscht und bewege sich nun im Mittelfeld - "die Infektionszahlen sind stark gestiegen", vermerkte Ritzberger-Grünwald mit Sorge.

Den bisher infolge der Coronakrise aggregierten BIP-Verlust bezifferte die OeNB-Expertin mit rund 20 Mrd. Euro. "Wir werden das auch nicht in zwei Jahren aufgeholt haben, was wir durch diese Pandemie an Wirtschaftskraft verloren haben." 2021 soll das heimische BIP den Schätzungen der Nationalbank zufolge um 4,9 Prozent wachsen, 2022 dann um 2,7 Prozent - vorausgesetzt es gibt bis Mitte 2021 einen Corona-Impfstoff bzw. ein Medikament. (apa)