Es ist ein Kampf ums Überleben beim Lkw- und Bushersteller MAN im oberösterreichischen Steyr. Vor wenigen Tagen kündigte der deutsche Mutterkonzern die Beschäftigungssicherungs- und Standortverträge für die Werke in Steyr und auch für Deutschland - aus wirtschaftlichen Gründen, zehn Jahre vor dem geplanten Auslaufen.

Bei MAN Steyr arbeiten 2.300 Menschen. Würde das Werk zugesperrt, würden noch einmal so viele Beschäftigte in anderen Industriebetrieben der Region arbeitslos, wie der Chef des AMS Oberösterreich, Gerhard Straßer, unlängst vorrechnete.

Die Arbeitnehmervertreter wollen die Schließung abwenden und loten ein alternatives Geschäftsmodell aus. Auch der Bundesregierung ist der Erhalt des MAN-Standorts in der alten Industriestadt Steyr ein Anliegen. Offenbar wird nun im Hintergrund an einem Österreich-Konsortium gebastelt, das das Werk übernehmen könnte. Wie Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) der Austria Presse Agentur (APA) sagte, habe sie in den vergangenen Wochen viele Gespräche geführt, und es gebe durchaus Interessenten. Wer diese Interessenten sind, scheint aber noch unklar zu sein.

Vertrauliche Gespräche

Auf Nachfrage heißt es dazu aus dem Wirtschaftsministerium: "Die Gespräche sind vertraulich." Man könne noch keine Namen nennen, man habe aber zwei Jahre Zeit, Investoren zu finden. Am Standort selbst weiß man nichts Konkretes über die angestrebte Lösung.

Erich Schwarz, Arbeiter-Betriebsratschef bei der MAN Truck & Bus Österreich GmbH, weilte am Donnerstag in Vorbereitung auf die Aufsichtsratssitzung der MAN SE in München. Die "Wiener Zeitung" erreichte ihn telefonisch in einer Besprechungspause. Von dem Österreich-Konsortium habe er aus den Medien erfahren, sagte Schwarz. Nicht einmal die Geschäftsführung in Steyr habe davon etwas gewusst. Ihn würde aber schon interessieren, wer die potenziellen Investoren sind.

Die MAN SE gehört zur deutschen Traton SE, deren Hauptaktionärin der Volkswagen-Konzern ist. Schramböck sagte, sie habe zahlreiche Telefonate und Gespräche mit dem MAN- und VW-Management - sowohl mit MAN-Vorstandschef Andreas Tostmann als auch mit dem zuständigen VW-Vorstand Gunnar Kilian - geführt. Für den Standort in Steyr eine österreichische Lösung zu finden, wäre die beste Möglichkeit, findet die Ministerin. Es gebe auch bereits Interessenten, die überlegen, den Standort zu übernehmen, und die schon mit ihr sowie mit VW bzw. MAN in Gesprächen seien. "Die brauchen jetzt ein bisschen Zeit, um das durchzukalkulieren und sich anzusehen."

"Alternative Produktionen"

Ziel sei auch, "alternative Produktionen" nach Steyr zu bringen und vielleicht auch ein neues Standbein für den Standort zu finden. Das könnte "alles sein, was mit Produktion zu tun hat", E-Mobilität ebenso wie auch vieles andere. Man müsse noch analysieren, was hier am besten passen könnte.

Mit der Kündigung der Standortverträge will der MAN-Konzern den bereits angekündigten Abbau von 9.500 der rund 36.000 Stellen vorantreiben. Die Werke im sächsischen Plauen und in Wittlich (Rheinland-Pfalz) stehen ebenfalls vor dem Aus. Im ersten Halbjahr hat MAN einen Verlust von 387 Millionen Euro geschrieben und damit wiederum der Traton-Gruppe, zu der unter anderem auch Scania in Schweden gehört, einen Verlust von 220 Millionen Euro eingebrockt, nach mehr als einer Milliarde Euro Gewinn ein Jahr zuvor.

Zur Erinnerung: Der deutsche Lkw- und Bushersteller MAN hat den eigentlich noch zehn Jahre gültigen Standort- und Beschäftigungsvertrag für den Betrieb in Steyr vorzeitig gekündigt. Das Werk soll bis Ende 2023 komplett geschlossen werden, die Produktion soll aus Kostengründen nach Polen und in die Türkei wandern.