Die Naturkatastrophen nehmen zu, sagt Gerhard Christiner, technischer Vorstand des Stromnetzbetreibers APG. Die Hochspannungsleitungen der Stromtrassen werden daher künftig häufiger Schaden nehmen. Bis vor kurzem wurden die Trassen zwei Mal pro Jahr von Fachleuten begangen und inspiziert. Der Aufwand war groß, schließlich musste jedes Mal die Spannung heruntergefahren und der Strom für mehrere Stunden abgedreht werden, um die Fachleute nicht zu gefährden.

Durch die zunehmenden Unwetter, Lawinen, Hochwasser, Unterspülungen und Stürme hätten die Rundgänge wahrscheinlich öfter stattfinden müssen. Doch nun sollen sie gar nicht mehr nötig sein. Denn die Überwachung der Stromtrassen soll künftig per Drohne erfolgen. Dazu wurde erstmals in Österreich ein Testflug über 100 km entlang einer Hochspannungsleitung absolviert.

"Mit den Drohnen können Störstellen schneller gefunden und behoben werden"

Gerhard Christiner, Vorstand des Stromnetzbetreibers APG

Bei einer Vorführung vor Journalisten im Umspannwerk Wien-Südost am äußersten Rand von Wien-Favoriten wurde eine der Drohnen vorgeführt. Senkrecht startet sie in die Luft, auch in luftiger Höhe steht sie ruhig und liefert gestochen scharfe Bilder. "Mit den Drohnen können Störstellen schneller gefunden und behoben werden", sagt Christiner. "Das ist ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit und spart Kosten."

Durchgeführt wurde der Flug mit Langstreckendrohnen von Smart-Digital. Beflogen wurde die 380-kV-Leitung zwischen Wien und Rotenturm an der Pinka (Burgenland). Die bei dem automatisierten Flug ohne Sichtkontakt gesammelten Daten seien in einer Blockchain abgespeichert und so der APG zur Verfügung gestellt worden, sagte Alexander Schuster, Geschäftsführer von Smart-Digital. Sein Unternehmen bietet mit einer eigenen Drohnenflotte die Bilddatenerfassung aus der Luft an.

Die österreichische Luftraumüberwachung Austro Control hat diesen ersten Drohnenlangstreckenflug in Österreich ohne Sichtverbindung "nach einer intensiven Vorbereitungsphase und einer umfassenden Risikobewertung" genehmigt. Magnus Brunner (ÖVP), Staatssekretär im Umweltministerium, verweist in der gemeinsamen Aussendung auf die vielfältigen Anwendungsbereiche für Drohnen. Diese würden "gerade für ein Land wie Österreich, das stark durch eine mittelständische Luftfahrtzulieferindustrie geprägt ist" große Chancen mit sich bringen.

Bis der Alltagsbetrieb aufgenommen werden kann, seien aber noch zahlreiche Testflüge und gesetzliche Änderungen nötig, teilte APG am Freitag mit.

Mehr Robotaxis ohne Sicherheitsfahrer

Mehr Menschen sollen künftig vollautomatisch fahren, wenn es nach der Google-Schwesterfirma Waymo geht. In nächster Zeit sollen in der US-Stadt Phoenix nur noch Robotaxis ohne Sicherheitsfahrer am Steuer die Passagiere befördern. Solche Fahrten waren bisher nur für eine kleine Zahl der Nutzer zugänglich gewesen und machten laut Waymo nur fünf bis zehn Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens aus.

Nun sollen zunächst alle angemeldeten Nutzer des Robotaxi-Dienstes Waymo One Fahrzeuge ohne Sicherheitsfahrer bestellen können. Die Fahrten werden per Funkverbindung überwacht. Im späteren Jahresverlauf soll der Einbau von Trennwänden zwischen Vorder- und Rücksitzen in die Waymo-Fahrzeuge abgeschlossen werden. Dann werde man mit den Robotaxis auch eine größere Fläche bedienen können.

In Waymo ging Googles Roboterwagen-Programm auf, die Firma gilt als besonders weit bei der Entwicklung von Systemen zum autonomen Fahren. Neben dem eigenen Robotaxi-Service würde Waymo gern auch Autohersteller mit ihrer Technologie versorgen. Anfang März stellte Waymo auch den Frachtdienst Via vor, der Güter mit selbstfahrenden Sattelschleppern und Lieferwagen transportieren soll. (vasa/apa/sda/dpa)