Die andauernde Corona-Krise trifft den Arbeitsmarkt schwer. Vor allem junge Menschen sind in Krisenzeiten betroffen. Sie verlieren meist als Erste und besonders häufig ihre Jobs - oder finden erst gar keinen. Im EU-weiten Vergleich schaut es in Österreich aber relativ gut aus. Betrug die Arbeitslosenquote bei den 15- bis 24-Jährigen im August hierzulande 10,6 Prozent, dokumentierten Länder wie Spanien (43,9 Prozent), Griechenland (39,3 Prozent) und Italien (32,1 Prozent) weit höhere Zahlen. Der EU-Durchschnitt lag (ohne Großbritannien) bei 17,6 Prozent. Deutschland hatte mit 5,8 Prozent am wenigsten arbeitslose Jugendliche zu verzeichnen.

60.000 Jugendliche sind aktuell arbeitslos gemeldet oder in Schulung. Das sind krisenbedingt 6.000 mehr als 2019. Rund 400 Ausbildungsplätze sind dennoch unbesetzt. - © apa
60.000 Jugendliche sind aktuell arbeitslos gemeldet oder in Schulung. Das sind krisenbedingt 6.000 mehr als 2019. Rund 400 Ausbildungsplätze sind dennoch unbesetzt. - © apa

Es gibt heuer deutlich weniger Jugendliche, die eine Lehre beginnen. Ende September waren um 9,1 Prozent weniger Lehrlinge im ersten Lehrjahr als im Vorjahr, teilte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) mit. Allerdings hätten Wirtschaftsforscher einen Rückgang um 20 bis 30 Prozent vorhergesagt - das sei abgewendet worden. Rund die Hälfte aller Lehrlinge war in den vergangenen Monaten zudem einmal in Kurzarbeit.

4,9 Millionen Lehrlingsbonus

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Krisenbedingt ist die Jugendarbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 6.000 Personen gestiegen. Derzeit sind 60.000 Jugendliche hierzulande arbeitslos oder in Schulung. Seit Mitte April, dem Höchststand der Arbeitslosigkeit, seien 25.000 Jugendliche wieder in Beschäftigung, sagte Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP). Das Burgenland (minus 18 Prozent) und Wien (minus 12,3 Prozent) hatten die stärksten Lehrlingsrückgänge, Kärnten und Oberösterreich (jeweils minus 6,4 Prozent) die geringsten.

Maßnahmen wie die Kurzarbeit für Lehrlinge oder die Aufstockung überbetrieblicher Ausbildungsplätze sowie der Lehrlingsbonus - bisher wurden 4,9 Millionen Euro ausbezahlt - hätten über den Sommer positiv gewirkt, so die Ministerinnen. Derzeit gibt es sogar einen Lehrstellenüberhang von 400 Plätzen. Die Summe beim Lehrlingsbonus dürfte aber sicher noch steigen, denn bisher liegen 8.900 Anträge vor, das ergibt eine Summe von 20 Millionen Euro. Insgesamt gibt es 29.000 Lehrlinge im ersten Lehrjahr, zudem können Betriebe noch bis Ende Oktober Lehrlinge anmelden und den Bonus beantragen - für Lehrlinge in überbetrieblicher Lehre bis Ende März 2021. Hierfür sind 60 Millionen vorgesehen. Der Lehrlingsbonus bringt Firmen je nach Größe 2.000 bis 3.000 Euro pro neu eingestelltem Lehrling.

Schwerpunkt Bildung

Ein Schwerpunkt am Arbeitsmarkt soll deshalb auch im nächsten Jahr die Jugendarbeitslosigkeit sein. Mario Derntl, Generalsekretär von zukunft.lehre.österreich, verwies in der gemeinsamen Pressekonferenz darauf, dass ein Mangel an Vorbildung für Betriebe das größte Hindernis für die Aufnahme von Lehrlingen sei. Dafür zu sorgen, dass Menschen nach dem Abschluss der Pflichtschule fachlich bereit für die Ausbildung sind, sei die größte Priorität. Bei einer Befragung unter Ausbildungsbetrieben gaben 90 Prozent an, dass hier eine Verbesserung vonnöten wäre. Außerdem erinnerte Derntl an eine Studie, wonach das Lebenseinkommen von Lehrlingen in der Industrie oft gleich hoch bis höher ist als jenes von Akademikern. Hier gelte es mehr Bewusstseinsbildung zu betreiben und die Lehre weiterhin aufzuwerten, so Derntl.

Wirtschaftsministerin Schramböck thematisierte außerdem die digitale Transformation am Arbeitsmarkt. Die Digitalisierung sei der Hebel, um das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen. Je digitaler eine Volkswirtschaft, desto besser komme sie durch eine Krise. Deshalb gebe es hier eine Investitionsprämie in der Höhe von 1,6 Milliarden Euro. Als positives Beispiel führte die Ministerin die E-Commerce-Lehre an. Mehr als 350 Lehrlinge helfen gerade jetzt in der Krise dem Handel. 44 Prozent der Lehrlinge seien außerdem weiblich - eher untypisch für rein technische Lehrberufe, so Schramböck. Frauen sollen außerdem künftig überproportional gefördert werden (+3,5 Prozent im Verhältnis zum Anteil der Frauen an der Arbeitslosigkeit). Wie das konkret ausschauen soll, erwähnten die Ministerinnen aber nicht.(ast)