Die Wirtschaftskrise schlägt sich seit Monaten deutlich am Arbeitsmarkt nieder. Viele Firmen haben zunächst die Auftragsrückgänge mit Kurzarbeit und anderen Maßnahmen abgefangen. Zunehmend streichen aber Unternehmen im großen Stil Jobs. Im Folgenden eine Auswahl an Firmen, die 100 oder mehr Jobs gestrichen haben oder streichen wollen:

Eurest: Der Kantinenbetreiber Eurest hat 227 Mitarbeiter beim Frühwarnsystem des Arbeitsmarktservice (AMS) angemeldet, wird am 15. Oktober bekannt. Grund seien starke Umsatzrückgänge der vergangenen Monate aufgrund der Coronakrise. Für die übrigen Mitarbeiter werde die dritte Phase der Corona-Kurzarbeit in Anspruch genommen. Eurest gehört zu dem weltweit größten Cateringunternehmen Compass Group PLC. In Österreich arbeiten rund 1.400 Personen für das Unternehmen.

Doppelmayr: Der Vorarlberger Seilbahnbauer Doppelmayr baut im Zuge der Coronakrise weltweit 190 Stellen ab, wie das Unternehmen am 14. Oktober mitteilte. Am Standort in Wolfurt sind 95 Mitarbeiter betroffen. Der Personalabbau sei eine Konsequenz aus dem erwarteten Umsatzrückgang für die Seilbahnbranche. Bei Doppelmayr rechnet man für das laufende Geschäftsjahr 2020/21 mit einem Umsatzrückgang von einem Drittel. Doppelmayr hat rund 3.400 Mitarbeiter, davon 1.665 in Österreich.

Greiner: Die oberösterreichische Greiner Packaging mit Sitz in Kremsmünster schließt ihren Standort in St. Gallen im obersteirischen Bezirk Liezen. Rund 100 Mitarbeiter verlieren ihre Beschäftigung, wie das Unternehmen am 6. Oktober mitteilte. Die Stilllegung soll im vierten Quartal des Jahres 2021 erfolgen. Die Arbeitnehmer sollen in andere Unternehmensstandorte wechseln können bzw. wird ein Sozialplan ausgearbeitet. Bei Greiner sprach man von einem "seit Jahren wirtschaftlich problematischen Standort der Greiner Assistec".

AVL List: Der Grazer Motorenbauer AVL List baut in Graz bis Jahresende 220 Stellen ab, wie er am 1. Oktober, bekannt gab. Der Schritt müsse trotz Kurzarbeit, Reduktionen und anderer Anpassungen gesetzt werden, "um sich für die Zukunft gut aufzustellen". AVL List beschäftigt in der steirischen Hauptstadt derzeit rund 4.000 Mitarbeiter.

Casinos Austria: Der teilstaatliche Konzern will im Inland 350 Vollzeitstellen streichen und dadurch die Kosten um 45 Mio. Euro drücken, wie der Aufsichtsrat am 29. September beschlossen hat. Ein Großteil der Einsparungen soll, wie schon in der Vergangenheit, über einvernehmliche Lösungen, Pensionierungen oder Teilzeitmodelle erreicht werden. Zuvor hatten die Casinos 600 ihrer rund 1.700 Mitarbeiter vorsorglich beim AMS zur Kündigung angemeldet.

Mahle: Der deutsche Autozulieferer Mahle streicht in seinem Kärntner Werk in St. Michael ob Bleiburg (Bezirk Völkermarkt) 130 Stellen, wie ein Sprecher am 25. September erklärte. Am Tag davor war bekannt geworden, dass Mahle bis 2023 zwei Werke in Deutschland schließen möchte.

FACC: Am 18. September gab das auf Komponenten für die Luftfahrtindustrie spezialisierte Unternehmen bekannt, dass 650 Arbeitsplätze wegfallen. Die Zahl der Mitarbeiter sinkt damit auf 2.700. FACC müsse sich dem Marktumfeld anpassen und auf die reduzierte Nachfrage reagieren.

Doka: Das niederösterreichische Schalungstechnikunternehmen bestätigte am 16. September, dass "angesichts einer anhaltend schwachen internationalen Nachfrage" bis zu 300 Jobs in Amstetten gestrichen werden. Von dem Stellenabbau betroffen seien das "Headquarter" und die Produktion, wo insgesamt rund 2.000 Mitarbeiter beschäftigt seien, nicht aber die Vertriebsorganisation mit mehreren hundert Arbeitnehmern. Die Firma werde die Kurzarbeit nach dem Ablauf der aktuellen Phase Ende September nicht um eine weitere Periode verlängern.

MAN Steyr: Der Vorstand des deutschen Mutterkonzerns MAN bestätigte ebenfalls am 16. September, dass das Werk in Steyr bis 2023 komplett geschlossen wird. Betroffen sind 2.300 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Große Teile des Werks Trucks & Bus in Steyr werden nach Polen und in die Türkei verlegt. Die Werksschließung ist Teil eines konzernweiten Sparprogramms, das den Abbau von 9.500 Stellen vorsieht. Außerdem dürfte die Schließung von knapp 50 Service-Niederlassungen für Lkw weltweit weitere 1.300 Arbeitsplätze kosten.

Sacher: Die Sacher-Hotels kündigten per 15. September 140 Mitarbeiter. In Wien sind 105 Menschen betroffen, in Salzburg 35. Der Rest der Belegschaft bleibt in Kurzarbeit. Der Umsatz liegt heuer nur bei einem Viertel des Vorjahreswertes, im kommenden Jahr erwartet Hotelchef Matthias Winkler auch nur ein Drittel des Vor-Corona-Niveaus. "Dramatischer kann eine Situation nicht sein", sagt Winkler.

Mayr-Melnhof: Wegen "Umstrukturierungsmaßnahmen" werden am Standort in Hirschwang a. d. Rax in Niederösterreich rund 130 Jobs wegfallen. Grund ist die Einstellung der Produktion auf der Kartonmaschine. Die Maßnahme soll noch heuer durchgeführt werden, teilte das Unternehmen am 7. September mit. Am 15. Oktober gab es mit dem Betriebsrat eine Einigung auf einen Sozialplan, es bleibt aber bei der Einstellung der Kartondivision in Hirschwang.

voestalpine: Der Stahlkonzern streicht in der Steiermark 500 bis 550 Stellen. Betroffen sind etwa 250 Mitarbeiter in Kindberg und rund 250 bis 300 Arbeitnehmer in Kapfenberg, wurde am 5. August bekannt. Die voestalpine beschäftigt insgesamt 9.100 Mitarbeiter in der Steiermark.

ATB: Der steirische Technikkonzern mit Sitz in Spielberg, der dem chinesischen Konzern Wolong gehört, hat Insolvenz angemeldet und 360 der 400 Mitarbeiter gekündigt. Als Auslöser nennt das Unternehmen Coronavirus-bedingte Auftragsausfälle. Die Maschinen wurden aber - mit gerichtlicher Genehmigung - in andere Unternehmen der Gruppe verlagert. Die ersten Kündigungen werden mit Ende Oktober wirksam, die letzten mit Februar 2021. Noch wird auch ein Investor gesucht.

Swarovski: Der Kristallkonzern hatte im Juli angekündigt, im Herbst in Wattens von den derzeit noch bestehenden 4.600 Stellen weitere 1.000 abzubauen. Mittelfristig würden am Hauptsitz rund 3.000 Menschen beschäftigt sein. Denn bis 2022 soll sich der Mitarbeiterstand noch einmal um 600 Stellen verringern. Allerdings gibt es unter den Mit-Eigentümern Widerstand gegen das Sparprogramm.

Wackelkandidaten sind auch Agrana und Schaellfer. Der börsennotierte Zuckerverarbeiter Agrana wollte ein Werk im niederösterreichischen Leopoldsdorf schließen, das hätte 150 Jobs gekostet. Ein Branchenpakt soll das Werk noch retten. Dazu müssen die Rübenbauern bis Mitte November 38.000 Hektar Anbaufläche zusagen, heuer lag sie bei 26.000 Hektar. Der deutsche Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler streicht bis Ende 2022 rund 4.400 Stellen. Ob davon auch der Standort im niederösterreichischen Berndorf betroffen sein wird, steht noch nicht fest. (apa)