Die Heldinnen und Helden der Corona-Krise wollen nicht nur beklatscht werden. Die Anerkennung und Wertschätzung für ihre Arbeit soll sich auch in höheren Gehältern niederschlagen. Die Angestellten im Handel sollen eine Inflationsabgeltung und eine Corona-Prämie bekommen, fordern die Arbeitnehmervertreter im Vorfeld der Kollektivvertragsverhandlungen, die am Mittwoch starten.

Ob im Handel gleich in der ersten Gesprächsrunde eine Einigung auf ein Gehaltsplus zustande kommt, wie es bei den Metallern der Fall war, ist fraglich. Die Metaller haben sich im September auf 1,45 Prozent mehr Lohn ab November verständigt. Im Handel wird der Mittelwert der Inflationsraten der letzten zwölf Monate (Oktober 2019 bis September 2020) herangezogen. Dieser betrug 1,5 Prozent, wie die Statistik Austria mitteilte.

"Am Ende des Tages wollen wir aufstehen und sagen können: Das ist ein gutes Paket für beide Seiten", sagt Martin Müllauer, Vorsitzender des Wirtschaftsbereichs Handel in der Gewerkschaft GPA-djp. Müllauer und GPA-djp-Wirtschaftsbereichssekretärin Anita Palkovich gehen für die Arbeitnehmer in die Verhandlungen für rund 418.000 Angestellte und 15.000 Lehrlinge. Ziel: Ein fairer Abschluss. Dieser beinhaltet neben der Sicherung der Kaufkraft der Beschäftigten auch eine Mitarbeiterprämie - in Betrieben, "die trotz oder gerade wegen Corona gut verdient haben."

"Echtes Geld",
keine Gutscheine

Einige große Einzelhandelsunternehmen haben ihre Mitarbeiter für ihren Einsatz in der Corona-Krise bereits mit Prämien in Form von Gutscheinen belohnt. Die Gewerkschaft hat jedoch andere Vorstellungen. "Gutscheine kommen für uns nicht infrage", betont Palkovich. Die Arbeitnehmer sollten "echtes Geld" bekommen, über das sie frei verfügen können, fordert sie. Eine Hürde gebe es aber: Corona-Bonuszahlungen für Mitarbeiter seien nur noch bis Jahresende steuerfrei.

Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer, hat die Signale der Arbeitnehmervertreter vernommen, lässt sich aber noch nicht in die Karten schauen. "Die beste Kaufkrafterhaltung ist es, indem man Jobs sichert", sagte Trefelik, der heuer erstmals auf Arbeitgeberseite verhandelt. Er verweist auf die schwierige wirtschaftliche Lage im Handel - etwa im Mode- und Schuhhandel - und die größte Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg.

Die seit Wochen steigenden Covid-Fallzahlen würden nach dem Lockdown im März und April erneut eine "unsichere Perspektive" für die Handelsbranche bringen. Im Sommer habe es "ein zartes Pflänzchen der Hoffnung" gegeben.    Der Handelsobmann erwartet komplizierte KV-Verhandlungen, rechnet aber mit einem guten Kompromiss.

Handelsverbands-Obmann Rainer Will verweist darauf, dass Östereich gerade die schwerste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg durchmacht und der Handel zu den am stärksten von Covid-19 betroffenen Branchen zählt. Die Lohnerhöhungen sollten sich innerhalb der Inflationsrate bewegen, was für die Händler "in Zeiten wie diesen ohnehin eine Herkulesaufgabe ist." Er spricht sich für die Verankerung einer freiwilligen Coronaprämie aus. "Damit soll Mehrleistung dort entlohnt werden können, wo es hingehört, nämlich individuell und auf betrieblicher Ebene. Das hat im Kollektivvertrag nichts verloren", sagt Will. "Eine freiwillige Prämie ist für uns nicht vorstellbar", sagt wiederum Gewerkschafterin Palkovich.