Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und EZB-Ratsmitglied Robert Holzmann sieht derzeit keinen Bedarf für weitere geldpolitische Unterstützungsschritte durch die Europäische Zentralbank (EZB). Sollte sich die Pandemie jedoch verschlimmern, schloss Österreichs Notenbanker am Montag neue Maßnahmen nicht aus.
"Sollte sich die Krise weiter verschärfen, die medizinische Behandlungsmöglichkeit sich weiter verzögern und die Konjunktur neuerlich weiter einbrechen, dann wird man sicher auch über weitere geld- und insbesondere fiskalpolitische Maßnahmen nachdenken müssen", sagte Holzmann. Das sogenannte "PEPP"-Programm der Europäischen Zentralbank (EZB) als Reaktion auf die Covid-19-Krise sei bereits im Juni auf 1,35 Billionen Euro aufgestockt worden und zwischenzeitlich der EU-Wiederaufbaufonds mit einem Volumen von über 750 Milliarden Euro beschlossen worden, verwies Holzmann.

Exporte erstmals seit Krisenbeginn leicht im Plus

Österreichs Exporte sind heuer in der ersten Oktoberhälfte erstmals seit Beginn der Coronakrise wieder leicht im Plus gelegen, konkret in der Woche vom 5. bis zum 11. Oktober. Darauf verwies am Montag der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Robert Holzmann. Der Anstieg um 0,5 Prozent im Jahresabstand umfasst jedoch nicht den Tourismus, der durch die Krise besonders leidet.

Im Tourismussektor hätten nämlich die gestiegenen Covid-19-Infektionszahlen und Reisewarnungen zahlreicher Länder für Österreich "zu einem zweiten Einbruch geführt", so Holzmann laut einer Aussendung der OeNB anlässlich eines Gesprächs über die weitere Konjunkturentwicklung im Euroraum.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal liege in Summe um 4,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau, so Holzmann. Er persönlich "bleibe grundsätzlich vorsichtig optimistisch: in Bezug auf die Eindämmung der zweiten Welle, eine medizinische Behandlung aber auch eine rasche Konjunkturerholung nächstes Jahr", versicherte der Gouverneur.

Sollte sich die Krise deutlich weiter verschärfen, die medizinische Behandlungsmöglichkeit sich weiter verzögern und die Konjunktur neuerlich weiter einbrechen, "dann wird man sicher auch über weitere geld- und insbesondere fiskalpolitische Maßnahmen nachdenken müssen", so Holzmann, der auch dem Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) angehört.
Nach heutigem Informationsstand sehe er aber keine Notwendigkeit, schon jetzt weitere geldpolitische Impulse zu setzen. Das Anleihenkaufprogramm PEPP der EZB als Reaktion auf die Covid-19-Krise sei schon im Juni auf 1.350 Mrd. Euro aufgestockt und zwischenzeitig der Recovery Fund der EU-Kommission mit über 750 Mrd. Euro Volumen beschlossen worden. (apa, reuters)