Das Jahr 2020 war schon bisher kein gutes für die Gastronomie, den Tourismus und die Eventbranche. Ende August schätzten die heimischen Gastronomen ihr Umsatzminus bereits auf 55 Prozent ein, sie rechnen für das Gesamtjahr mit bis zu minus 70 Prozent, hat die Wirtschaftskammer (WKÖ) in einer aktuellen Studie erhoben.

Ab Freitag, den 23. 10. 2020, dürfen sich nun bei Veranstaltungen und Privat-Treffen nur mehr sechs Erwachsene in Innenräumen treffen, im Freien nur noch zwölf Personen (plus minderjährige Kinder).

Für kleine Events und Privattreffen gelten dann dieselben Beschränkungen wie für die Gastronomie. Auch Freizeitaktivitäten wie Sporttreffen, Geburtstags- oder Hochzeitsfeiern sowie Zusammenkünfte in Vereinslokalitäten sind von den neuen Regeln betroffen. Behördlich genehmigte Events werden auf 1.000 Personen indoor und 1.500 outdoor reduziert. Alle Veranstaltungen über sechs bzw. zwölf Personen sind künftig bei der Gesundheitsbehörde anzeigepflichtig. Für alle Veranstaltungen, ob drinnen oder draußen, gilt zudem ab Freitag die Maskenpflicht.

Gleiche Regeln für
Gastronomie und Vereine

"Schon die bisherige Zehn-Personen-Regel war ein schwerer Schlag. Viele Firmen haben ihre Weihnachtsfeiern heuer sowieso schon abgesagt", erzählt WKÖ-Spartenobmann Mario Pulker im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Gerade Weihnachtsfeiern, und Treffen im Familienkreis zwischen den Jahren sind aber entscheidend für die Wirte und Veranstalter, bringen sie doch die größten Umsätze im Jahr.

Erfreut zeigte sich der Gastronomie-Spartenobmann der WKÖ dennoch, nämlich darüber, dass ab Freitag endlich auch Veranstaltungen im Vereins- und Gemeindebereich hinsichtlich der Personenanzahl beschränkt werden.

Allerdings fügt er dann hinzu: "Diese Einschränkung kommt sechs Wochen zu spät! Man hat ja schon bisher festgestellt, dass 60 Prozent der Infektionen im Privatbereich passieren." Die WKÖ warne seit Wochen, dass nur die Gastronomiebetriebe beschränkt werden, Verdiensteinbußen hinnehmen müssten und so immer mehr Arbeitslose zustande kämen. "Die Leute haben Zeit, sind in Kurzarbeit, treffen sich im Verein, machen Garagenpartys. Und genau dort passieren dann die Ansteckungen", so Pulker.

Grundsätzlich reagiert die Gastro-Branche allerdings verhältnismäßig gelassen auf die neuerliche Verschärfung der Corona-Regeln. "Wichtig ist, dass die Reisewarnungen wegkommen. Dafür müssen die Fallzahlen runter. Erst dann kommen wieder Touristen und das Geschäft kann laufen", zeigt sich Pulker einsichtsvoll und fügt dann hinzu: "Wir nehmen es halt zur Kenntnis und können sowieso nichts dagegen tun." Auch innerhalb Österreichs werde es mit steigenden Fallzahlen mehr Homeoffice geben. Dann breche auch noch das Mittagsgeschäft weg. Die Pandemiebekämpfung ist für die Gastronomen somit überlebenswichtig.

Keine österreichweite Sperrstunde

Erleichterung herrscht in der Branche darüber, dass nun keine österreichweite Sperrstunde verhängt wurde. "Hier kann man auf Bundesländer-Ebene besser entscheiden, was notwendig ist. Das soll auch jedes Land für seine Regionen, je nach Fallzahlen, tun", meint Pulker. Zwar seien regionale Sperrstunden-Regeln für die breite Masse schwerer zu verstehen, für die Gastro-Unternehmer mache dies aber Sinn. So müssten nicht in weniger betroffenen Regionen die gleichen Einschränkungen gelten, sie könnten besser weiterarbeiten.

Was die durchsichtigen Gesichtsvisiere betrifft, die in der Gastronomie häufig verwendet werden, ist man auf ein Verbot vorbereitet. "Wichtig ist, dass sich die Mitarbeiter nicht anstecken, die Unternehmen weitermachen können", so Pulker.

Schon bisher galt, dass Mitarbeiter mit Gesichtsvisier von den Behörden als enge Kontakte (K1) mit Quarantänepflicht eingestuft wurden, Träger von MNS-Masken hingegen als sogenannte K2-Kontakte, die nach negativen Tests weiterarbeiten durften.(mojo)