Nach knapp elf Stunden haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft bereits in der ersten Verhandlungsrunde auf einen neuen Kollektivvertrag für die rund 415.000 Angestellten und 18.000 Lehrlinge im Handel geeinigt. Die Gehälter und Lehrlingsentschädigungen steigen per 1. Jänner 2021 um 1,5 Prozent. Dies entspricht der durchschnittlichen Inflationsrate der vergangenen 12 Monate.

Die von der Gewerkschaft geforderte Corona-Mitarbeiterprämie ist nicht Teil des neuen KV. Die Sozialpartner einigten sich aber auf eine Aufforderung an Betriebe, die es sich leisten können, eine Prämie in Höhe von 150 Euro auszuzahlen.

Der Handelsexperte Thomas Leoni vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) sieht den schnellen KV-Abschluss im Handel nicht als überraschend an. Der Spielraum sei "extrem eng", daher hätten beide Seiten die Sache nicht in die Länge ziehen wollen. Die freiwillige 150-Euro-Prämie sei im Handel ein größerer Impuls als bei den Metallern, weil die Löhne im Handel im Schnitt niedriger lägen, erläuterte Leoni Donnerstagfrüh im Ö1-Morgenjournal des ORF-Radio.

Große Handelsketten können sich Prämie leisten

Vor allem die größeren Handelsketten würden der Empfehlung nach einer Prämie nachkommen, erwartet der Experte. Denn wenn Unternehmen, die wirtschaftlich gut dastehen, die Prämie nicht ausbezahlen, wäre ein Imageschaden zu befürchten.

Wie die Rewe-Gruppe bekanntgab, wird in den nächsten Wochen eine zweite Corona-Prämie an 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Billa, Merkur, Penny und Bipa sowie in den Lagern und in der Logistik ausbezahlt. Auch Lidl will eine weitere Prämie ausschütten.

Es gebe sicher auch Unternehmen, die von der 1,5-prozentigen Gehaltserhöhung gefordert oder überfordert seien, doch "für den Durchschnitt der Branche scheint das auf jeden Fall zu passen", sagte Leoni.

Die rasche Einigung an einem Tag sei auf die Ausnahmesituation durch die Coronapandemie zurückzuführen, so der Wifo-Experte. Die Sozialpartner hätten dies als Chance gesehen, sich lösungsorientiert zu geben. Die kurze Verhandlung werde aber kein Dauerzustand, denn "irgendwann wird die Normalität wieder zurückkehren".

Handelsobmann: "Es war heuer kein einfacher Weg"

Es war "heuer kein einfacher Weg", sagte WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik nach dem Abschluss der Verhandlungen vor Journalisten. Mit dem Abschluss könne man die "gewünschte Kaufkraft sichern". Es gebe auch Signale von großen Handelsbetrieben, dass sie die freiwillige Corona-Mitarbeiterprämie ausbezahlen wollen, sagte der Handelsobmann.

Bei den KV-Verhandlungen sei man wegen der Coronakrise vor "großen Herausforderungen" gestanden, so die gewerkschaftliche Chefverhandlerin Anita Palkovich von der GPA-djp. Die Gewerkschafterin verwies auch auf Änderungen im Rahmenrecht. Bei überlangen Arbeitszeiten würden die Ruhezeiten verlängert und zu Silvester gebe es einen Zuschlag ab 13.00 Uhr. Diese Rahmenrecht-Änderungen treten bereits ab 1. Dezember in Kraft. (apa)