"Wir werden sehr genau hinsehen, wer der Aufforderung nach Auszahlung einer Corona-Prämie nachkommt und alle Unternehmen vor den Vorhang holen, die trotz positiver Umsätze ihren Mitarbeitern die Prämie verweigern", warnte der Vorsitzende des Wirtschaftsbereiches Handel in der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), Martin Müllauer, im Anschluss an die gerade abgeschlossenen Kollektivvertragsverhandlungen für den Handel.

Inflationsrate abgedeckt

Nach knapp elf Stunden hatten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft am Mittwoch in der ersten Verhandlungsrunde auf einen neuen Kollektivvertrag (KV) für die rund 415.000 Angestellten und 18.000 Lehrlinge im Handel geeinigt. Die Gehälter und Lehrlingsentschädigungen steigen per 1. Jänner 2021 um 1,5 Prozent. Dies entspricht der durchschnittlichen Inflationsrate der vergangenen 12 Monate.

Die von der Gewerkschaft im Vorfeld der Verhandlungen geforderte Corona-Mitarbeiterprämie ist jedoch nicht Teil des neuen KV. Allerdings empfehlen die Sozialpartner Handelsunternehmen, die trotz Krise finanziellen Spielraum sehen, eine Corona-Prämie in Höhe von mindestens 150 Euro. Eine verpflichtende Prämie von 150 Euro gibt es für Lehrlinge im Handel, die während des Lockdowns per Verordnung vom Homeschooling ausgenommen waren und zur Arbeit herangezogen wurden.

Handelsexperte Thomas Leoni vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) meinte im Ö1-Morgenjournal, die freiwillige 150-Euro-Prämie sei im Handel ein größerer Impuls als bei den Metallern, weil die Handelslöhne im Schnitt niedriger lägen.

Der Spielraum für die KV-Verhandlungen sei heuer "extrem eng" gewesen, daher hätten beide Seiten die Sache nicht in die Länge ziehen wollen.

Vor allem die größeren Handelsketten würden der Empfehlung nach einer Prämie nachkommen, erwartet Leoni. Denn wenn Unternehmen, die wirtschaftlich gut dastehen, die Prämie nicht ausbezahlen, wäre ein Imageschaden zu befürchten. Es gebe jedoch sicher auch solche, die von der 1,5-prozentigen Gehaltserhöhung gefordert oder überfordert seien. Doch "für den Durchschnitt der Branche scheint das auf jeden Fall zu passen", so Leoni.

Die Coronakrise hat die Handelsbranche höchst unterschiedlich getroffen. Während der Lebensmittelhandel, Elektronikketten, Baumärkte und Einrichtungshäuser Umsatzzuwächse verzeichneten, brachen die Erlöse im Textil-, Schuh- und Kfz-Handel massiv ein.

Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) ist optimistisch, was die Prämien betrifft: "Wir gehen davon aus, dass mindestens ein Viertel der Angestellten im heimischen Handel davon profitieren wird. Die Prämie soll noch heuer an die Beschäftigten fließen und die Konsumlaune zum Weihnachtsgeschäft positiv beeinflussen."

Botschaft angekommen

Angesprochen werden in Sachen Prämien hauptsächlich die großen Lebensmittelketten wie Rewe, Spar, Lidl und Hofer, die während des Lockdowns offen hatten und gut verdienten.

Die ersten dieser derart indirekt adressierten Unternehmen haben sich am Donnerstag in Aussendungen bereits zu einer Mitarbeiterprämie bereit erklärt. Es sind die Lebensmittelhändler Rewe (Billa, Merkur, Penny, Bipa), Spar, Hofer und Lidl. Rewe will laut Aussendung einen einstelligen Millionenbetrag für rund 40.000 Mitarbeiter bereitstellen. Von Hofer hieß es, dass der empfohlene Betrag deutlich erhöht werde, der Zeitpunkt der Auszahlung sowie der genaue Betrag müssten aber noch finalisiert werden. Auch beim Möbelhaus XXXLutz wird über eine Mitarbeiterprämie nachgedacht. Sie soll in der nächsten Geschäftsleitungssitzung am 9. November behandelt werden, hieß es.

Sport 2000-Chef Holger Schwarting will noch abwarten. "Wir stehen vor einer unsicheren Wintersaison. Wenn wir gut durchkommen, werden wir das ganz sicher auch belohnen", sagte er. Der Sporthandel zählt zu den Branchen, die den Lockdown relativ gut überstanden haben.

Die Handelsunternehmen hatten bereits im Frühling eine Prämie an ihre Mitarbeiter ausbezahlt. Damals machte Spar insgesamt drei Millionen Euro locker, Rewe schüttete einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag aus, weil es zu einer hohen Arbeitsbelastung durch den Kundenansturm vor und am Anfang des Corona-Lockdowns gekommen war. (apa/mojo)