Die Corona-Krise hat aus dem Weltspartag, der traditionellerweise am 31. Oktober - oder am letzten Werktag davor - begangen wird, heuer Weltsparwochen. gemacht. Schließlich sollen nicht alle Kunden gleichzeitig ihr Geldinstitut besuchen. Laut einer Umfrage, die das Imas-Institut im Herbst des Vorjahres im Auftrag der Erste Bank und Sparkassen durchführte, wollten über eine Million Österreicherinnen und Österreicher an diesem Tag in die Bank ihres Vertrauens gehen, nicht zuletzt wegen der Weltspartagsgeschenke. Auch über neue Anlageprodukte kann man sich informieren. Angesichts der mickrigen Zinsen bei klassischen Sparprodukten - auch bei längerer Bindungsfrist - werden Wertpapiere interessanter. Das belegt auch eine Umfrage des Markt- und Meinungsforschers Peter Hajek im Auftrag des Aktienforums, wonach sich das Interesse der Österreicherinnen und Österreicher am Kauf von Wertpapieren zwischen 2017 und 2020 verdoppelt hat.

Dabei wollen immer mehr Anleger wissen, wohin ihr Geld fließt. Sie wollen keine Kohlekraftwerke mitfinanzieren oder Atomkraft fördern, sondern Unternehmen, die auf die Umwelt achten. Die Überlegungen gehen aber weit über den ökologischen Aspekt hinaus. Verantwortungsbewusste Anleger wollen auch nicht in Unternehmen oder Staaten investieren, die etwas mit Menschenrechtsverletzungen und Kinderarbeit, Waffenhandel und Korruption zu tun haben.

Wolfgang Pinner leitet die Abteilung Nachhaltige Investments bei Raiffeisen Capital Management. - © Raiffeisen Capital Management
Wolfgang Pinner leitet die Abteilung Nachhaltige Investments bei Raiffeisen Capital Management. - © Raiffeisen Capital Management

Nachhaltige Geldanlage ist keine Nische mehr

Der Markt für nachhaltige Geldanlage war in Österreich Ende 2019 rekordmäßige 30,1 Milliarden Euro schwer. Das entspricht einer Steigerung um rund 43 Prozent gegenüber dem Jahr davor. Vor fünf Jahren betrug das Volumen 10,2 Milliarden Euro. Das entsprach 6,3 Prozent des gesamten Fondsmarkts. Dieser Wert ist auf rund 16 Prozent gestiegen. Von einer Nische kann hier nicht mehr die Rede sein.

Privatanleger erhöhten nach Angaben des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) in Österreich im vergangenen Jahr ihre Investments um 3,8 Milliarden oder 77 Prozent auf 6,75 Milliarden Euro. Auf sie entfiel rund ein Viertel aller nachhaltigen Geldanlagen, die übrigen drei Viertel werden von institutionellen Investoren gehalten, bei denen das Volumen der nachhaltigen Fonds und Mandate um 31 Prozent auf 20,4 Milliarden Euro) zulegte. Die Vorsorgekassen, Anbieter des 2002/2003 eingeführten Modells "Abfertigung neu", sind mit 56 Prozent mit Abstand die wichtigsten institutionellen Investoren im Nachhaltigkeitsbereich.

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen mit Sitz in Berlin zählt mehr als 170 Mitglieder aus der Finanzbranche in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz. Zusammen mit Eurosif (European Sustainable Investment Forum), einer europaweiten Organisation zur Förderung von ethischem Investment mit Sitz in Brüssel, vergibt das FNG seit 2008 das Transparenzlogo für nachhaltige Publikumsfonds.

Wer mit gutem Gewissen veranlagen will, muss nicht auf Rendite verzichten. "Nachhaltiges Investieren bedeutet Investieren mit Perspektive, das Nutzen von ökologischen und gesellschaftlichen Megatrends und eine Verbreiterung der Informationsgrundlage bei der Geldanlage", betont Wolfgang Pinner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des FNG und Leiter der Abteilung Nachhaltige Investments bei Raiffeisen Capital Management. Aus all diesen Gründen hätten Nachhaltigkeitsfonds in der Vergangenheit eine sehr gute und zum Teil auch bessere Performance aufweisen können als der Gesamtmarkt. Verschiedenste akademische Studien und Vergleiche von traditionellen Indizes mit Nachhaltigkeitsindizes würden diese Aussage unterstützen.

Bei 98 Prozent aller nachhaltigen Geldanlagen in Österreich wird darauf geachtet, dass nicht in Waffen und Rüstung, Kohle und Kernenergie investiert wird.

Laut UniCredit Bank Austria hat der Trend zu nachhaltigen Investments während der Coronakrise einen deutlichen Schub bekommen. "Gerade jetzt verstärkt sich das noch, da der Neustart der Wirtschaft auch mit Maßnahmen für den Klimaschutz verbunden werden kann. In Zukunft werden staatliche Konjunkturpakete, die einen Übergang zu einer umweltfreundlicheren Wirtschaft fördern, unverzichtbar sein und das Thema weiter unterstützen", sagt Mauro Maschio, Vorstand Privatkundenbank bei der Österreich-Tochter der Unicredit. Mit Fonds von Amundi, Europas größter Fondsgesellschaft, können Bank-Austria-Kunden schon ab 30 Euro pro Monat nachhaltig investieren. So veranlagt etwa der Aktienfonds Amundi CPR Climate Action weltweit in Unternehmen, die zur Reduktion der CO2-Emissionen beitragen und so aktiven Klimaschutz betreiben.

Fondsparpläne: Mit kleinen Beiträgen einsteigen

Die Asset-Management-Gesellschaft der Erste Group managt bereits ein nachhaltig veranlagtes Volumen von 13,4 Milliarden Euro in insgesamt 50 nachhaltigen Publikumsfonds und mehreren Spezialfonds. "Vor kurzem sind wir mit einem neuen Fonds, dem Erste Green Invest gestartet. Der Fonds investiert in Unternehmen die sich unter anderem mit grüner Energiegewinnung, nachhaltiger Lebensmittelproduktion oder Elektromobilität beschäftigen", so Walter Hatak, Leiter Nachhaltigkeit der Erste Asset Management (EAM). Mit Fondssparplänen ist man ab 50 Euro pro Monat dabei.

Die zur Grawe-Gruppe gehörende Spezialbank Schelhammer & Schattera hat nachhaltiges Wirtschaften im gesamten Einlage- und Kreditgeschäft verankert und bietet Anlegern eine Reihe ethisch-nachhaltiger Investmentfonds an, wobei der Einstieg in die Superior-Ethikfonds auch in Form von Fondssparplänen möglich ist.

Laut Christian Prantner, Finanzexperte der Arbeiterkammer (AK), ist beim Begriff "Fondssparen" Vorsicht geboten. Es werde die Sicherheit eines Sparprodukts suggeriert, Investitionen in Wertpapiere seien aber immer mit einem Risiko verbunden, dessen sich Anleger bewusst sein sollten. Zu berücksichtigen seien auch die anfallenden Spesen wie Depotführungsgebühren.

Fakt ist: Das Ersparte ist schon seit Jahren unter dem Kopfpolster fast genau so gut aufgehoben wie auf dem Sparbuch. Für ein täglich fälliges Sparbuch gibt es laut AK Wien derzeit im Median 0,01 Prozent Zinsen, für ein täglich fälliges Online-Sparkonto 0,075 Prozent. Wer sein Geld auf einem Kapitalsparbuch liegen lässt oder in Festgeld anlegt, steigt auch nicht wesentlich besser aus: Bei einer Bindungsdauer von 60 Monaten gibt es im Median 0,5 Prozent Zinsen. Bei 36 Monaten sind es 0,325 Prozent, ergab ein Vergleich von 32 Banken (Online-Banken und Banken mit Filialen in Wien). Anleger sollten daher Alternativen ins Auge fassen.